Management

Lean-Management

Darf`s ein bisschen weniger sein?

Das immer komplexere Wirtschaftsgeschehen kann nur noch mit einfachen Unternehmensstrukturen erfolgversprechend gestaltet werden. Aufgeblähten Hierarchien, langen Entscheidungswegen und zentralisierten Verwaltungsapparaten gilt zur Zeit die ganze Aufmerksamkeit emsiger Rationalisierungsverfechter, denen die Angst vor der japanischen Herausforderung im Nacken sitzt. Die Wortschöpfung 'Lean-Management' verspricht, der Hoffnungsschimmer am Ertragshorizont zu sein. Doch erst allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, das man nicht nur in der Produktion, sondern auch im Management durchaus mit der Hälfte an Abteilungsleitern, finanziellen Aufwendungen und Strategiediskussionen auskommen kann, um produktiver zu werden. Vorausgesetzt, die Idee des schlanken Managements macht nicht vor den Etagen halt, die sie eigentlich betrifft.
Kostenfrei für Abonnent/innen von managerSeminare
Downloaden
Der genaue Zeitpunkt und die Gründe sind nach wie vor umstritten. Doch kurz vor dem Aussterben der Dinosaurier bevölkerten auch gerade die Arten die Erde, die durch ihr immenses Größenwachstum imponierten. Ganz offensichtlich, so besagt zumindest eine Theorie, diente das Größenwachstum dazu, die Vorteile eines Warmblüters mit der physiologisch determinierten Kaltblütigkeit ihres Reptiliendaseins zu verbinden. Das im Verhältnis zur Körperoberfläche überproportional wachsende Körpervolumen brachte einen ganz gewaltigen Vorteil: Kurzfristige äußere Temperaturschwankungen beim Wechsel von Tag und Nacht oder vom Ufer ins Wasser hatten kaum Einfluß auf die Körpertemperatur der vorzeitlichen Riesen. Entgegen der landläufigen Meinung blieben Dinosaurier dadurch erstaunlich beweglich und agil und waren alles andere als plump und kältestar. Die Umwelt, so schien es, konnte ihnen nichts mehr anhaben. Diese Entwicklung wurde den Dinosauriern dann jedoch zum Verhängnis. Der Nahrungsbedarf überstieg die vorhandenen Ressourcen der Umwelt, es kam zu Konflikten und Verteilungskämpfen um das immer knapper werdende urzeitliche 'Kapital' der Wolfsmilchsgewächse und Farne. Ein grundlegender Klimawechsel besiegelte schließlich das Schicksal der Dinosaurier.

Dinosaurier sind wieder in: Als Schlüsselanhänger, Briefbeschwerer, Museumssensation. Im unternehmerischen Alltag steht der Dinosaurier für unser reptilienhirniges und alles andere als vernünftige Verhalten im Kampf um Positionen, Entscheidungen und Marktanteile. Das Schicksal der Dinosaurier mit seiner erstaunlichen Parallelität zum Wirtschaftsleben bewegt nun auch Konzernspitzen, die sich in dumpfer Vorahnung einer bevorstehenden Götterdämmerung gegenseitig mit täglich neuen Vorschlägen zum Lean-Management überbieten. Die einen wollen, die anderen müssen rechtzeitig abspecken, bevor ...
Autor(en): Jürgen Graf
Quelle: managerSeminare 12, Juli 1993, Seite 68-74
Wir setzen Analyse-Cookies ein, um Ihre Zufriedenheit bei der Nutzung unserer Webseite zu verbessern. Diese Cookies werden nicht automatisiert gesetzt. Wenn Sie mit dem Einsatz dieser Cookies einverstanden sind, klicken Sie bitte auf Akzeptieren. Weitere Informationen finden Sie hier.
Akzeptieren Nicht akzeptieren
nach oben Nach oben