Management

Emotionale Intelligenz

Mehr Gefühl im Management

Emotionale Intelligenz ist in aller Munde. Doch viele verstehen den Begriff falsch, setzen ihn mit Gefühlsduselei gleich. Was steckt wirklich hinter dem Schlagwort der emotionalen Intelligenz? Warum wird das Thema so kontrovers diskutiert? Und kann emotionale Intelligenz trainiert werden? managerSeminare hat nachgefragt.
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Emotionale Intelligenz ist in aller Munde. Doch viele verstehen den Begriff falsch, setzen ihn mit Gefühlsduselei gleich. Was steckt wirklich hinter dem Schlagwort der emotionalen Intelligenz? Bestseller-Autor Daniel Goleman definiert sie als Mischung aus einem ausgeprägten Maß an Selbstreflektion, Selbstkontrolle, Selbstmotivation, Empathie und sozialer Kompetenz. Diese Mischung sei ausschlaggebend, um im Beruf Erfolg zu haben. Diese Behauptung stützen auch jüngere Untersuchungen. Dennoch wird die Theorie Golemans, insbesondere von der Wissenschaftsseite, häufig abgewertet. So bemängelt Oswald Neuberger, Psychologieprofessor an der Universität Augsburg, dass Goleman keinerlei neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorgelegt hat. Vielmehr habe er bereits bekannte Einzelbefunde geschickt zu einem scheinbar neuen Ergebnis zusammengefügt und vermarktet.

Trainer und Berater indes begrüßen die Theorie zur emotionalen Intelligenz – auch wenn die Kritik von Neuberger seine Berechtigung haben mag und Goleman das Rad nicht neu erfunden hat. Vielmehr hat er mit seiner Theorie einen Stein ins Rollen gebracht: den Abschied von der Überbewertung fachlicher Qualifikationen im Management. Bis Emotionen dort jedoch völlige Akzeptanz finden, ist es noch ein langer Weg. 'Es gibt eine ungeschriebene Regel in Unternehmen, die besagt, dass man immer ganz logisch auftreten muss', sagt Unternehmensberaterin Gertrud Höhler.

So steht Aufklärungsarbeit auch bei den meisten Seminaren zur emotionalen Intelligenz im Vordergrund: Es geht darum, Grenzen zu ziehen, nicht darum, zum harmoniebedürftigen Softi zu werden, der immer nachgibt. Das Trainieren von Selbstwahrnehmung und Empathie ist der erste Schritt auf dem Entwicklungsweg zu emotional intelligentem Verhalten. Die Seminarteilnehmer lernen, Zugang zu den eigenen Gefühlen zu bekommen und diese in Worte zu fassen. Auf der anderen Seite sollen sie auch routinierter werden, die Gefühle des Gegenübers zu erkennen und zu benennen.

Was sich einfach anhört, erfordert viel Geduld. Denn emotional intelligentes Verhalten ist nicht binnen zwei Tagen erlernbar, und ein Seminar ist lediglich der Anfang eines langen und zuweilen anstrengenden Weges.

Extras:
  • Übersicht: Die fünf Dimensionen der emotionalen Intelligenz.
  • Leserbefragung: Die wichtigsten Merkmale emotionaler Intelligenz aus der Sicht der Leser von managerSeminare.
  • Veranstaltungstipp: Das Frankfurter Beratungsunternehmen Hay Management Consultants bietet ein von Daniel Goleman zertifiziertes Training zur emotionalen Intelligenz an.
  • Interview: Daniel Goleman, amerikanischer Psychologe und Experte für emotionale Intelligenz, über den Umgang mit emotionaler Intelligenz im Management.
Autor(en): Petra Walther
Quelle: managerSeminare 46, Januar 2001, Seite 100-107
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