Veränderungen der Weiterbildungsbranche

Veränderungen der Weiterbildungsbranche

Ganz neu: Unsere jährliche große Studie über die Weiterbildungsszene ist jetzt erschienen. Wir fragen ihren Herausgeber Jürgen Graf, wie Corona die Branche geprägt hat.



Lieber Herr Graf, in den Zahlen zeigt sich sicher deutlich, dass das letzte Jahr anders war, auch für die Weiterbildungsbranche. Was hat Corona dort verändert?

Mitte März 2020 brachen die gewohnten Präsenztrainings und -coachings von jetzt auf gleich weg – und zwar häufig komplett und bis zum Rest des Jahres. Das war mit früheren Krisen gar nicht zu vergleichen. Zudem ist die Branche geprägt von Soloselbstständigen und Freiberuflern, für die Corona eine berufliche Existenzbedrohung war und ist. Ohne jetzt zu sehr in die Details der einzelnen Studienergebnisse zu gehen: Rund zwei Drittel der befragten Weiterbildungsprofessionals gaben an, dass sie einen – zum Teil massiven – Rückgang an Trainingstagen und Coaching-Sitzungen verkraften mussten. Im Durchschnitt kamen sie 2020 auf gerade einmal 45 Trainingstage und 55 Coachingstunden.

Sehen Sie auch positive Entwicklungen?

Durchaus. Die genannten Zahlen zeigen ja zugleich: Das Geschäft kam nicht vollständig zum Erliegen. Die Branche entdeckte mit einem Mal die Möglichkeiten des digitalen Lernens. Mehr als die Hälfte der absolvierten Trainings und Coachings fand 2020 rein virtuell am Bildschirm oder als hybride Maßnahme – teils Präsenz, teils Online – statt. Und nicht selten zeigten sich die befragten Weiterbildnerinnen und Weiterbildner überrascht, was alles auch online möglich ist.

Das digitales Lernen nun aktiv angegangen wurde, ist das eigentlich Charmante an diesem ansonsten durchweg negativen Corona-Jahr. Wer die Weiterbildungsbranche kennt, weiß ja, dass deren Akteure um plakative Slogans nie verlegen sind. „Die Krise als Chance nutzen” und „Walk what you talk” stehen da sicherlich ganz oben auf der Liste. Doch in der Tat: Ein erstaunlich großer Teil der Weiterbildungsprofessionals hat dieses nach außen proklamierte Selbstverständnis 2020 auch unter Beweis gestellt.

Wie ist Ihre Einschätzung, verändert das Pandemie-Jahr 2020 die Branche nachhaltig?

Was bleibt und was ich auch als riesigen Vorteil sehe: Die Branche hat in kurzer Zeit ihr technisches und vor allem auch didaktisches Know-how zur Durchführung von Online-Trainings und -Coachings auf Stand gebracht.

  • Damit sind Handlungsspielräume für Coachs, Trainer und Beraterinnen größer geworden.
  • Und gegenüber Auftraggebern können sie nun über die Möglichkeiten und Grenzen der Durchführungsformate Online oder Präsenz auf Basis der eigenen fundierten Erfahrungen argumentieren.

Das alles kann der Qualität, aber durchaus auch der Quantität der durchgeführten Weiterbildungsmaßnahmen nur guttun. Im Übrigen haben viele auch persönliche Vorteile für sich entdeckt: Wie entspannend kann es plötzlich sein, ein zweistündiges Strategiegespräch mit einem Klienten auch einfach einmal via Video-Konferenz abzuhalten – wo früher mit stressiger An- und Abreise der ganze Tag dafür draufgegangen ist.

Wer hat sich an der Studie beteiligt?

Die über 800 Teilnehmenden an dieser Studie sind in der Regel schon seit vielen Jahren hauptberuflich als Weiterbildungsanbieter für die freie Wirtschaft und den öffentlichen Dienst tätig. Beratend, trainierend und coachend unterstützen sie vor allem das Entwickeln von Schlüsselqualifikationen und soziale Kompetenzen.

Abonnenten der Zeitschrift Training aktuell können die vollständige Honorarstudie hier kostenlos als eBook herunterladen.



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TK-Tipp vom 18.05.2021
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