Weiterbildungstrends

Was uns 2011 beschäftigen wird

Dieses Jahr bin ich wahrlich spät dran mit meinem Blick auf die Themen, die die Weiterbildungswelt 2011 vermutlich am stärksten beschäftigen werden. Meine Prognosen, verdichtet als Trends, wie gewohnt abgeleitet aus dem, was ich vernehme.

1. Burnout. Schon zur vergangenen Jahreswende hatte ich Gesundheits- und Stressmanagement auf die Trendthemen-Liste gesetzt. Leider boomt Burnout weiter. Aktuelle Veröffentlichungen kommen etwa von der "wirtschaft & weiterbildung": Burnout macht Karriere. Oder jüngst vom Spiegel. Titelthema: Ausgebrannt: Das erschöpfte Ich. Dort wird von der Volkskrankheit des 21. Jahrhundert geredet.

Das Thema ist enttabuisiert: Kommunikationskoryphäe Miriam Meckel etwa hat offen über ihren Burnout geredet und sogar ein Buch darüber geschrieben. Auch der Coach Horst Kraemer, Autor eines aktuellen Burnout-Buches, ist selbst einem erlegen und gibt das offen zu.

Der jährliche Trendanalyse des Verlags managerSeminare brachte zu diesem Topic Erstaunliches zutage: Die Befragung läuft bereits seit 15 Jahren. Immer war der Bedarf an Gesundheitsmanagement in den Augen der Unternehmensvertreter als "nice-to-have" einzustufen. Jetzt, erstmals, sehen die Unternehmen größeren Bedarf als die Trainer, was aufhorchen lässt, da die Trainer Themen meist als gewichtiger einschätzen als die Unternehmensvertreter. Das Thema entwickelt sich weiter fort: nicht allein konzentriert auf den Einzelnen, sondern betrachtet als organisationales Phänomen. Markus Väth spricht etwa vom "strukturellen Burnout", andere von "organisationalem". Ein interessanter neuer Denkansatz kommt auch von Gunther Schmidt, dem diesjährigen Preisträger des Life-Achievement-Awards der Weiterbildungsbranche. Er plädiert dafür, nicht von einem Burnout-Problem, sondern von einer Burnout-Kompetenz zu sprechen.

2. Führung/Leadership. Im Nachgang der Krise als immens wichtiges Thema wiederentdeckt: Orientierung wird gebraucht und gesucht, das naheliegendste Vorbild im Unternehmenskontext ist die Führungskraft. Die Kernspannungsfelder verschärfen sich mit Fortgang der demografischen Entwicklung, dem Hinzukommen der Digital Natives, der Zunahme von Wissensarbeitern: Selbstorganisation und -verantwortung versus Delegation und Kontrolle, Sinnstiftung versus Motivation etc.

3. Mobile Learning. Die App als Trend hat ausgedient, sie ist nunmehr ein Vehikel, die das Thema mobiles Lernen ins Bewusstsein gebracht und vereinfacht hat. Lernen via mobilen Inhalten wird 2011 ein Thema sein, dass Contentlieferanten (Verlage, Trainer) ebenso beschäftigen wird wie die Technologieanbieter.

4. Digitales Lernen. E-Learning ist tot - Schlagzeilen wie diese gab es schon. Doch viele Unternehmen, vor allem aus dem Mittelstand, entdecken Web-Konferenzen, virtual classrooms, Webinare... erst jetzt für sich. Unter dem Primat der Kosteneffizienz wird das Thema 2011 ganz weit vorn bleiben.

5. Social Learning. Hat natürlich mit den zwei vorherigen Punkten zu tun. Und wurde von Lernexperten beim MMB-Trendmonitor als der zweitwichtigste Trend benannt. Es mag strittig sein und bleiben, was man durch so genannten Micro-Content, hervorgebracht durch Facebook, Twitter & Co. lernen kann. Die Technik befördert aber zweifellos die Vernetzung mit anderen. Lernexperten wird es vermutlich manchmal Tränen in die Augen treiben, wie schnell und gut über Facebook jemand erfährt, wie die perfekte Bulette herzustellen ist. Die Unternehmen werden sich mit dem Thema noch länger schwer tun, wie die Online Educa vergangenen Dezember zeigte.

6. Serious Games. Die standen bereits 2009 auf der Trendliste. Inzwischen haben die oftmals aus der Computerspielbranche stammenden Entwicklungen richtig Fahrt aufgenommen. Nicht zuletzt durch die Digital Natives. In dem bereits erwähnten Trendmonitor erfuhren sie einen Bedeutungszuwachs. Eine Umfrage von managerSeminare zu den am häufigsten genutzten Trainingsmethoden ergab zudem: Simulationen sind in. Auch jenseits der Computerunterstützung wird gern gespielt: Lernen findet mehr und mehr als ein 'Sich-Ausprobieren' statt. Die Forscher des Kelkheimer Zukunftsinstituts von Matthias Horx sprechen in diesem Zusammenhang von dem Weiterbildungstrend 'How to be a …'.

7. Moral. Der Ruf nach mehr Moral im Management ist bedingt durch die Krise besonders laut. Erste Experten meinen bereits, keine nachhaltige Veränderung bemerken zu können. Auf den Tisch gekommen sind damit aber dennoch erneut und nachdrücklich die Themen Managergehälter, Entlohnung und Boni, Corporate Social Responsibility, Nachhaltigkeit, ökologisches Wirtschaften... In der Breite fehlt es an tauglichen Konzepten, den heutigen Wertepluralismus in Form zu gießen und für den Unternehmensalltag handhabbar zu machen. Ein Thema mit gesellschaftlichem Ausmaß, bei dem sich die Weiterbildner profilieren könnten.

8. Reputation Management. Ein Trend, der nicht zwangsläufig mit dem Internet zu tun hat, aber durch persönliche Profile in Netzwerken, Fanpages zu Unternehmen, twitternde Mitarbeiter ... einen enormen Bedeutungszuwachs erfährt. Ein schlechter Leumund verbreitet sich übers Netz nunmal rasend schnell. Bevor man sich sich jedoch ans Reputation Management machen kann, braucht es überhaupt eine Reputation. Und hiermit werden alle bereits bekannten Themen erneut nach vorn geschleudert: Markenbildung, Markenführung, Marketing, Social Responsibility, Employer Branding, Kundenbindung... sprich: Kommunikation.
28.01.2011
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