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Rezension: Ressourcenorientierte Teamarbeit

Das Buch 'Ressourcenorientierte Teamarbeit' enthält eine merkwürdige thematische Zweiteilung: Den kleineren Teil der Lektüre bilden rund 90 Seiten Gedanken zum Thema 'Team': Was macht eine Gruppe zum Team? Wie gestaltet man Teamsitzungen? Und wie geht man mit Teamkonflikten um? Diese Fragen sind um den weitaus größeren Teil und Kern des Buches herumgebaut, der sich mit dem zentralen Thema der 'kollegialen Beratung' beschäftigt. Inhaltliche Bezüge zwischen den beiden Themen stellt der Autor Johannes Herwig-Lempp nicht her. Ihm scheint es zu genügen, dass Personen, die sich kollegial beraten, im Moment der Beratung ein Team bilden - anscheinend sollen sie somit auch grob über typische Teamthematiken informiert sein.

Was die kollegiale Beratung betrifft, fokussiert das Buch die Beratung unter Supervisoren, Therapeuten und Coaches. Die kollegiale Beratung wird dabei definiert als 'wechselseitige Reflexion unter Kollegen mit dem Ziel, Anregungen für die berufliche Praxis zu erhalten'.

Nach dem Konzept des Autors wird in diesem Prozess ein Gesprächsleiter eingesetzt, der für folgenden Ablauf sorgt: Der Rat suchende Kollege stellt sein Anliegen vor, z.B.: 'Ich habe Schwierigkeiten mit meinem Klienten. Was kann ich tun?' Die Schilderung des Anliegens sollte laut Herwig-Lempp kurz und bewusst unvollständig ausfallen, damit die Beteiligten nicht in ein Problemdenken verfallen. Nach begrenzten Nachfragen der Kollegen (höchstens drei Fragen) wird eine Methode ausgesucht, nach der die Beratung erfolgt. Ist die Beratung durchgeführt, gibt der Ratsuchende einen Abschlusskommentar.

Bei den möglichen Beratungsmethoden liefert der Autor eine Fülle von Vorschlägen und Ideen, die alle auf systemischer Grundlage fußen: So beschreibt er u.a. Methoden zum Gehirnjogging, zur Perspektivenerweiterung und zum Auswerten von Erfolgen, wobei das Spektrum an Einzelmaßnahmen von der Hypothesenbildung über die Skulpturarbeit bis zum zirkulären Fragen reicht.

Zwar betont Herwig-Lempp, dass sich die geschilderten Methoden für 'die unterschiedlichsten Teams in allen möglichen Berufsbereichen' eignen. Doch scheint fraglich, inwieweit z.B. ein Projektteam in einem Unternehmen tatsächlich ohne Vorerfahrungen systemische Beratungsmethoden einsetzen kann. Zudem stammen die Beispiele, mit denen der Autor seine Gedanken veranschaulicht, ausschließlich aus dem Sozialbereich sowie dem Umfeld der hier tätigen Supervisoren und Therapeuten. Dies liegt sicher daran, dass das vorgestellte Konzept der kollegialen Beratung in einem Team der 'Sozialpädagogischen Familienhilfe' entwickelt wurde, die Herwig-Lempp geleitet hat. Das heißt: Leser, die in anderen Bereichen tätig sind, müssen die Schilderungen entsprechend 'übersetzen'.

Fazit: Für Trainer und Coaches, die sich über ihre Arbeit austauschen und dabei systemisch arbeiten möchten, liefert das Buch viele Ideen. Für andere Zielgruppen ist es aufgrund der Ausrichtung weniger geeignet.

Von Johannes Herwig-Lempp, 260 S., brosch., Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-46197-6, 19,90 Euro.
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Quelle: Training aktuell 07/04, Juli 2004
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