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Rezension: Balanced Organization

Als Ergebnis der Organisationsforschung ist das Werk 'Balanced Organization' zu betrachten, das der Professor für Berufs- und Betriebspädagogik Harald Geißler herausgegeben hat. Der Sammelband bietet aber nicht nur Wissenschaftlern, sondern auch wissenschaftlich interessierten Praktikern Nutzen. Geißler hat nämlich den Versuch unternommen, die zentralen Merkmale zu bestimmen, welche die Außen- und Innenbeziehungen von Organisationen prägen. Aus der Kenntnis dieser Merkmale lassen sich Empfehlungen für ausgleichendes Führungshandeln ableiten.

Laut Geißler haben die schärfere Marktdynamik und der gesellschaftliche Wertewandel seit den 70er Jahren die traditionelle Organisation, die sich u.a. durch fachliches Expertentum, innere Ordnung und übergeordnete Werte wie Loyalität ausgezeichnet haben, in Bewegung gebracht. In der heutigen 'ganzheitlichen' Organisation würden Markt und Tausch, Auseinandersetzung und Kampf, egoistischer Hedonismus und Kritik am Bestehenden an Bedeutung gewinnen. Die zentrale Idee der elf Autoren ist, dass diese 'Leitdifferenzen' in jeder Organisation vorhanden sind - wenn auch in recht unterschiedlicher Ausprägung. Je nach Dominanz einer bestimmten Leitdifferenz ließen sich unterschiedliche Organisationstypen entwickeln. Die Leitdifferenz 'Expertentum' z.B. sei in einer Universität wesentlich wichtiger als in einer erlebnisorientierten Organisation wie einem Karnevalsverein. Einer 'idealistisch-weltanschaulichen Organisation' wie einer Partei indes seien übergeordnete Werte wichtiger als hedonistischer Erlebnischarakter oder marktförmiger Tausch.

Auch wenn die verschiedenen Organisationstypen in der Realität nie in Reinform auftreten, das Raster hilft, Konflikte in Organisationen - z.B. um eine neue Ausrichtung - besser zu verstehen. Die Umsetzung des Ansatzes wird u.a. am Beispiel der Evaluation von Führungshandeln, der Mitarbeiterführung in Familienunternehmen, des Bildungsmanagements und der Organisationsentwicklung bei der Polizei Hamburg gezeigt. Dabei werden Veränderungsnotwendigkeiten und -prozesse unter der Fragestellung untersucht, wie vorhandene Leitdifferenzen innerhalb der Organisation auszubalancieren sind.

Letztlich ist das Konzept auch in der Beratung von Nutzen: Am Beispiel von Gruppensprechern selbststeuernder Arbeitsgruppen wird deutlich, dass typische Intra-Rollenkonflikte bestehen zwischen dem 'Fachmann' und dem 'Hüter der gruppeninternen Ordnung' oder zwischen dem 'Missionar', der die neuen Team-Werte verkündet und dem 'Kaufmann', der prüft, ob Leistung und Gegenleistung für die Gruppe stimmt. Nach Meinung der Autoren sind all diese Rollen wichtig. Die Kunst bestehe darin, sie flexibel und situationsbezogen einzusetzen. Mit dem Konzept könnten die einzelnen Rollen leichter differenziert und die jeweiligen Fähigkeiten aufgebaut oder begrenzt werden.

Fazit: Ein anspruchsvolles Konzept, um Organisationen besser zu verstehen und darauf aufbauend Beratung zu konzipieren.

Von Harald Geißler (Hrsg.), 270 S., geb., Luchterhand Verlag, Neuwied/Köln/München 2003, ISBN 3-472-05233-3, 39,90 Euro.
Autor(en): (Hubert R. Kuhn)
Quelle: Training aktuell 07/03, Juli 2003
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