Inspiration

Reflexion im Training

Zwischen Wunsch und Widerwillen

Bei der Reflexion von Prozessen und Erkenntnissen müssen Trainer, Coachs und Berater in die Tiefe gehen. Doch viele scheuen sich davor – aus Angst, dass die Emotionen der Beteiligten hochkochen und sie die Kontrolle verlieren. Reflexionsexperte Jörg Friebe stellt ein Modell vor, das Abhilfe schafft – weil es auch einen geordneten Rückzug ermöglicht.
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Typische Situationen, in denen Teilnehmer und Trainer erfolglos um Tiefgang ringen, finden sich in vielen Bereichen: So bleibt ein Outdoor-Training häufig beim Highlight stehen, etwa wenn der Sprung gewagt wurde, oder in einer Teamentwicklung traut sich keiner zu sagen, worum es wirklich geht. Gerade unerfahrene Trainer und Berater lassen dann – aus Fürsorglichkeit oder aus Angst, die Teilnehmer zu verletzen – den nötigen Reflexionsprozess versanden. Ihre Sorge: Emotionen kochen hoch, Tränen fließen, und sie können das Ganze nicht mehr steuern.

Doch oft ist es nötig, genau diesen Schritt zu wagen. Bildlich gesprochen muss der Trainer handeln wie ein guter Arzt, der eine eiternde Wunde öffnet, diese säubert und anschließend sorgfältig verbindet. Er sorgt so dafür, dass der Heilungsprozess erfolgreich ist und sich die Wunde nicht zu schnell – und nur vordergründig – schließt.

Damit eine solchermaßen heilende Reflexion erfolgen kann, sind besonders drei Dinge hilfreich:
1. Gegenstände (zum Beispiel Bildkarten) und Bewegungen (zum Beispiel Aufstellungen): Sie bieten eine vordefinierte Reflexionsfläche und erleichtern durch diese Aktivierung den Dialog der betroffenen Person sowohl mit sich selbst als auch mit den anderen Beteiligten.
2. Fragen: Der Trainer oder Coach muss richtig fragen, um den Fokus der Teilnehmer zu lenken.
3. Ein strukturierter Reflexionsprozess: Die Phasen der Vertiefung und Emporhebung nach der Theorie U geben eine gute Struktur, um zum einen in die Tiefe zu gehen, zum anderen aber auch wieder herauszukommen und einen guten Abschluss zu finden.

Die Theorie U wurde von Claus Otto Scharmer aus dem Modell der 'Phasen der Vertiefung und Emporhebung' nach Friedemann Schulz von Thun und dem Modell der logischen Ebenen von NLP-Koryphäe Robert Dilts entwickelt. Der dabei entstandene U-Prozess beschreibt wesentliche Schritte, die Individuen und Gruppen helfen, Muster der Vergangenheit loszulassen, eine im Entstehen begriffene Zukunftsmöglichkeit wahrzunehmen und aus dieser Wahrnehmung heraus zu handeln.

Extras:
  • Grafik: Aktive Reflexion mit dem U-Prozess
  • Literaturtipps: Hinweis auf zwei Bücher über Reflexion bzw. die Theorie U
  • Seminartipp: Reflexion im Training
Autor(en): Jörg Friebe
Quelle: Training aktuell 08/12, August 2012, Seite 26-29
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