Know-how

Maskenspiel: Commedia dell'arte für Führungskräfte

Italienische Stegreifkomödie und Führungskräftetraining – wie passt das zusammen? Sehr gut, meint Trainerin Barbara Moraidis, die Manager in die Rolle von Archetypen der Commedia dell'arte schlüpfen lässt. Der Effekt: Durch das Maskenspiel erfahren Führungskräfte einiges über sich selbst und lernen gleichzeitig, über ihre Stimme und Körperspannung auf andere zu wirken.

Ob Improvisationen, Rollenspiele oder Clownerie – der Ansatz Theaterspiel hat sich einen festen Platz in der Seminar- und Coachingwelt erobert. Und das nicht etwa erst in jüngster Zeit: Bereits seit dem Auftauchen der Commedia dell,arte um 1550 galt das Spiel mit Masken als beliebtes Vergnügen mit Lerneffekt. 'Die Medici, die reichste Kaufmannsdynastie der damaligen Zeit, ließen sich zum Beispiel von den Straßenschauspielern der Commedia unterrichten', erklärt die Wuppertaler Trainerin Barbara Moraidis. 'Schon damals in der Renaissance erkannten die Reichen und Mächtigen, dass das Spiel mit festen Rollen und Archetypen ihren Ausdruck und ihr Auftreten trainiert.'

Die Wuppertaler Theaterpädagogin mit Musikausbildung hat diesen Ansatz ins heutige Business-Training übertragen. Maraidis bietet sowohl Seminare als auch Einzelcoachings für Führungskräfte an. In diesen schult sie mit der von ihr entwickelten Methode komkog (kommunikative + kognitive Kompetenz) sowohl den (körper-)sprachlichen Ausdruck und die Schlagfertigkeit als auch Gedächtnis und Kreativität. Das geschieht, indem sie jeden Teilnehmer nach dessen Wahl in eine der festgelegten Rollen der Commedia dell'arte schlüpfen und vorgegebene Szenen nachspielen lässt. Als Archetypen gibt es beispielsweise die Colombina ('Kokette Zofe'), den Tartaglia ('Komischer Kritiker') und den Dottore ('Gelehrter'). Dabei sind jeder Rolle ein festgelegter Charakter, Bewegungen (-> Körpertraining) sowie eine bestimmte Sprechweise und Stimmlage (-> Sprechtraining) zugewiesen.

Bühnenkrawall als überspitztes Abbild des (Arbeits-)Alltags

Den Vorteil dieses Theatertrainings für Führungskräfte beschreibt Barbara Moraidis so: 'Die Teilnehmer übernehmen im Spiel die Figur, die ihrer Position im Arbeitsalltag am nächsten kommt. Auf der Bühne helfen ihnen die Masken und die festen Merkmale ihrer Rollen ihre Persönlichkeit darzustellen, ohne sich eine Blöße zu geben. Das kommt vielen in einem Business-Training in einer Gruppe sehr entgegen.'

Beim Spiel kommt es auf Körperbeherrschung, Stimme und Improvisationskunst an: 'Wer je eine Aufführung der Commedia dell'arte – zum Beispiel durch ein Straßentheater – gesehen hat, weiß, dass es bei den Aufführungen durchaus turbulent zugehen kann', so Barbara Moraidis. 'Wenn beispielsweise der Pantalone (Archetyp 'Geizhals') auf den Coviello (Archetyp 'Aktiver, feinsinniger Clown') trifft und sich von ihm auf den Arm genommen fühlt, geraten die beiden schnell in Streit.'

Typisch für diese Form des Volks­theaters ist, dass die beiden Akteure das Publikum einbeziehen und nach seiner Meinung fragen. Diesen Dialog nutzen Trainerin und Teilnehmer, um beiden Streithähnen direktes Feedback zu deren Verhalten zu geben. Auch wenn es in den teils absurden Szenen nicht um Begebenheiten aus dem wirklichen Leben geht – die Übertreibungen seien hilfreich und Parallelen zum (Arbeits-) Alltag unübersehbar. Moraidis: 'Durch das überzeichnete Spiel treten Spannungen offener als im Alltag zutage. Das spiegelt den Akteuren ihr Verhalten oft recht drastisch, so dass ihnen ein Licht aufgeht und sie im Folgenden an ihren Stärken und Schwächen arbeiten können.'

Autor(en): (msc)
Quelle: Training aktuell 06/08, Juni 2008
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