Führung

Virtuelle Führung

Wie viel Führung verträgt der Mensch?

'Virtuelle Führung ist gleich Führung aus der Ferne' – in globalen Unternehmen greift diese Gleichung zu kurz. Denn hier gesellt sich zur räumlichen Trennung ein zweiter Aspekt: Es gibt mehrere virtuelle Chefs. Zeitgleich führen zwei oder mehr voneinander entfernte Manager einen Mitarbeiter, der wiederum auch nicht vor Ort ist. Welche Anforderungen stellt das an die Führungskräfte und an die Führungskultur? Bernd A. Wilken macht sich hierzu Gedanken.
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Schon lange stößt sie an ihre Grenzen: die klassische, funktionale Unternehmensgliederung mit ihrer militärischen Führungsstruktur. In einer globalisierten Wirtschaft hat sie kaum noch Platz. Systeme der Zukunft lauten dagegen: Operative Managementholding, Produktorganisation, Regionalverantwortung, Portfolio-Management. So unterschiedlich die Ausgestaltung solcher Organisationssysteme ist, eines haben sie alle gemeinsam: Sie verlangen ein besonderes Führungsmodell – nämlich das der virtuellen Führung.

Allgemein wird virtuelle Führung definiert als 'Führung aus der Ferne'. Doch das greift zu kurz. Zweifellos führt der Siemens-CEO von seinem Dienstsitz in München aus den Konzern auch in Asien direkt, ungeachtet zwischengeschalteter Konzernhierarchien. Und zweifellos verantwortet der Derivate-Spezialist eines internationalen Finanzkonzerns von London aus den Vertrieb seiner Produkte weltweit. Aber virtuelle Führung beinhaltet in einem globalen bzw. verzweigten Unternehmen noch mehr als das Führen auf Distanz. Es kommt ein zweiter Aspekt hinzu: das Führen in Abstimmung mit mehreren Führern.

Denn im globalen Unternehmen sind oft zwei oder drei Manager aus verschiedenen Bereichen für ein und denselben Mitarbeiter verantwortlich. Anders herum gesprochen: Arrivierte Fach- und Führungskräfte haben zwei, drei oder mehr direkte Vorgesetzte. Sie haben einen disziplinarischen Chef vor Ort, z.B. in Hamburg, eine fachliche Führung in London und eine in Frankfurt. Der Mitarbeiter verantwortet sein Tun dann z.B. unter der Rubrik Standortergebnis gegenüber dem disziplinarisch Vorgesetzten in Hamburg, unter dem Aspekt der Kundenbeziehung gegenüber dem Vertriebsleiter in London – und schließlich als Produkterfolg gegenüber dem Produktions-Chef in Frankfurt.

Extras:
  • Matrix der virtuellen Führung: Gegenüberstellung von eindimensionaler und mehrdimensionaler Führung
  • Von räumlicher Trennung über Vertrauen bis zur Devise 'Structure follows strategy': Sieben Erfolgskriterien für virtuelle Führung
  • Was Manager leisten müssen: Initiativpflichten und Auswahlkriterien
  • Literaturtipp: Hinweis auf eine Diplomarbeit zum Thema 'Virtuelle Führung'

Schlagwörter: Virtuelle Führung, Führungsmodelle, Führungstheorie
Autor(en): Bernd A. Wilken
Quelle: managerSeminare 168, März 2012, Seite 18-22
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