Management

Reciprocal Management

Hand in Hand

Der Mitarbeiter fördert seinen Chef, weist ihn auf Fehler hin und fühlt sich für ihn verantwortlich. Undenkbar? Keineswegs, glaubt die Landsberger Beraterin und Trainerin Manuela Dollinger. Sie befürwortet eine Führungskultur, in der Vorgesetzte und Mitarbeiter gleichermaßen voneinander lernen. Reciprocal Management nennt sie ihren Ansatz, den sie in managerSeminare vorstellt.
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Wenn in der Wirtschaft irgendetwas schief läuft, wird der Einfluss der Leitenden stets als determinierend vorausgesetzt. Allerdings machen es sich die Beschäftigten zu einfach, wenn sie allein ihren Vorgesetzten die Schuld für Fehler im Management geben. Denn das Know-how für den Führungsalltag erwerben die Chefs kaum in exklusiven Leadership-Trainings, sondern in authentischen Situationen. Schließlich ist Führung Kommunikation, und jedem Mitarbeiter ist es möglich, den anderen zu überzeugen. Mitarbeiter sollten sich klar machen, dass sie durch ihr Experten-Know-how über viel Macht verfügen.

Der Schlüsselbegriff für eine fruchtbare Wechselbeziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern könnte 'Reciprocal Management' heißen: Führung von 'unten' nach 'oben' und von 'oben' nach 'unten'. Das reziproke Miteinander sorgt für eine Lernkultur, in der Mitarbeiter und Vorgesetzte aneinander wachsen.

Sicherlich werden viele Leitende der Idee, sich von ihren Mitarbeitern coachen zu lassen, zunächst mit Bedenken begegnen: Vorgesetzte glauben, dadurch ihre Akzeptanz als Führungskraft zu verlieren. Doch es ist anzunehmen, dass jeder Mitarbeiter, der sich vorstellen kann, in die Rolle des Chef-Coaches zu schlüpfen, auch mit Unsicherheiten des Vorgesetzten rechnet und den Chef wegen seiner Schwächen nicht in Frage stellen wird. Daher sind die Befürchtungen überwiegend unangebracht. Man kann davon ausgehen, dass jede Führungskraft mindestens eine Person in ihrer Abteilung finden kann, die gerne mit ihr eine Lernpartnerschaft eingehen will.

Zunächst sollten die Führungskräfte unter ihren Mitarbeitern erfragen, wer Interesse daran hat, sie zu fördern. Aus den Interessenten sollten sie ein oder zwei Mitarbeiter als zukünftige Lernpartner auswählen. Gemeinsam mit dem Vorgesetzten sollten die zukünftigen Chef-Coaches an einem Qualifizierungsprogramm teilnehmen, das ihnen Coaching-Techniken vermittelt. So wird im Schonraum Seminar zum ersten Mal ein hierarchieübergreifendes Lernen praktiziert. Dabei erleben die coachenden Mitarbeiter ihren Chef von einer ganz anderen Seite: Sie erfahren seine Probleme und Sichtweisen und entwickeln Verständnis für seine Situation. Umgekehrt lernen die Führungskräfte, wie wohltuend es ist, wenn Mitarbeiter dazu beitragen, dass sie ihre Arbeit bestmöglich verrichten. Reciprocal Management ist sowohl für die Führenden, als auch für die Geführten ein Lernarrangement, das Vertrauen schafft und motiviert.

Extras:
  • Info-Kasten: Die neun wichtigsten Regeln des Chef-Coachings.
  • Info-Kasten: Neun Kompetenzen und Verhaltensregeln für Coaches.
  • Buchtipp.
Autor(en): Manuela Dollinger
Quelle: managerSeminare 44, September 2000, Seite 20-26
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