Lernen

Rational-Emotive Therapie

Wer neurotisch ist, ist selbst schuld

Albert Ellis, geschäftsführender Direktor des Instituts für Rational-Emotive Therapie (RET) ist vor allem eines: fleißig. Ellis ist Autor bzw. Herausgeber von ungefähr 50 Büchern und hat mehr als 500 Beiträge in psychologischen, psychiatrischen und soziologischen Zeitschriften verfaßt. In über 40 Jahren Psychotherapie hat er es in den USA dazu gebracht, neben Sigmund Freud und Carl Rogers als einer der drei einflußreichsten Psychotherapeuten dieses Jahrhunderts angesehen zu werden.
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Ellis brilliert auf Vorträgen und Kongressen mit einem unschlagbaren Selbstbewußtsein. Psychotherapie ist für ihn ein Kinderspiel. Wer neurotisch ist, so seine Devise, ist selbst daran schuld. Er muß die Suppe, die er sich eingebrockt hat, auch wieder auslöffeln. Ellis` therapeutisches Konzept nimmt Abstand davon, emotionale Probleme auf äußere Faktoren wie die Erziehung eines Menschen oder seine Umwelt zurückzuführen. Er arbeitet hauptsächlich an den Erwartungen und Einstellungen der Menschen und das mit einer denkbar einfachen Philosophie:

Neurotische Menschen haben ihre Wünsche und Ideen in sogenannte Glaubenssätze (hot cognition) verändert, die mit „Ich muß...“ oder „Es ist unbedingt notwendig...“ beginnen. RET zeigt den Menschen, daß sie sich selbst verrückt machen. Jedes kleine Kind weiß, daß es nicht alles bekommen kann, was es sich wünscht. Erwachsene vergessen das manchmal und machen so ihre Wünsche zu Glaubenssätzen. „Selbst schuld“, meint Ellis, „wenn man auf dem Standpunkt steht, die Welt muß mir das geben, was ich haben will“, wird man eben neurotisch.“

Mit diesem Denkansatz will Albert Ellis direkt an die stoische Philosophie anschließen, die mit dem Ausspruchs Epiktets (1. Jhd. n. Chr.), einem großen Vertreter der stoischen Philosophie, deutlich umrissen wird: „Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Vorstellungen von den Dingen.“

Da es also die eigene Sicht der Dinge ist, die uns Menschen ungute Gefühle beschert, können wir uns auch selbst helfen. Ein Teil der RET besteht deswegen in einer Art Bibliotherapie. Die Klienten werden dazu ermutigt, Selbsthilferatgeber von Ellis zu lesen. Bei vielen psychischen Problemen ist der Gang zum Therapeuten nicht einmal notwendig.

Mit RET entwickelte Ellis, der in der psychotherapeutischen Szene als schrulliger Außenseiter bekannt ist, ein Anti-Ärger-Programm. Dieses Programm schult seine Anwender, sich das negative Denken und Fühlen abzugewöhnen.
Unausgeglichen und mißmutig fühlt man sich laut Ellis,

• weil man im beruflichen und privaten Bereich unrealistische Ansprüche an sich stellt,
• weil man von sich und seinen Mitmenschen Unmögliches verlangt,
• weil man immer wieder in altbekannte Verhaltensweisen hineinrutscht und sich jedes Mal von neuem darüber ärgert…
Autor(en): Dr. Susanne Motamedi
Quelle: managerSeminare 25, Oktober 1996, Seite 20-23
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