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Neue Forschung zur Dunklen Triade

Dunkle Eigenschaften auf höheren Führungsebenen stärker verbreitet

Als Dunkle Triade wird der Dreiklang der Persönlichkeitseigenschaften Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie bezeichnet. Vor allem in der Leadership-Diskussion ist sie ein Thema, denn in zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass diese drei Merkmale bei Führungskräften im Mittel deutlich stärker ausgeprägt sind als bei Beschäftigten ohne Führungsverantwortung. Was bislang jedoch nicht untersucht wurde, ist, ob und wenn ja wie die Dunklen-Triade-Eigenschaften mit dem Führungslevel zusammenhängen.

Im Rahmen von drei Fragebogenstudien mit insgesamt knapp 800 Teilnehmenden aus Deutschland und Ungarn hat ein Team von Psychologinnen und Psychologen diese Forschungslücke nun ein Stück weit geschlossen: „Wir konnten das nachweisen, was viele Führungsexperten bereits vermuten: eine positive Korrelation zwischen der Höhe der Führungsposition und der Ausprägung dieser drei Merkmale“, konstatiert Sandra Julia Diller aus dem Forschungsteam. Anders ausgedrückt: Je höher die Führungsebene, desto verbreiteter und stärker ausgeprägt sind die Persönlichkeitsmerkmale Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie.

Erklärungen, warum Menschen mit höheren Ausprägungen der „dunklen Eigenschaften“ eher in Führungspositionen gelangen und eben anscheinend die Karriereleiter oft auch weiter hinaufklettern, bietet die Führungsforschung eine ganze Reihe an: So konnte etwa gezeigt werden, dass Menschen mit dieser Eigenschaftskombination oft sehr charismatisch und gut darin sind, Gedanken des Gegenübers zu analysieren und es somit (für eigene Zwecke) zu manipulieren. „Eine wichtige Rolle spielt auch ihre Motivation, bewundert zu werden und Macht zu besitzen, die sie besonders intensiv auf ihren Aufstieg hinarbeiten lässt“, erklärt Psychologin Diller. Andersherum sei aber auch zu berücksichtigen, dass höhere Führungspositionen sozusagen eher den Charakter verderben können, die Entwicklung dieser Eigenschaften also fördern oder verstärken.

Die Brisanz dieser Ergebnisse liegt auf der Hand: Je höher die Führungsebene, desto höher in der Regel auch der Schaden, den Menschen mit diesen Persönlichkeitseigenschaften durch die für sie typischen Verhaltensweisen anrichten. Zu diesen gehören etwa die Verfolgung unethischer Strategien, Mobbing, ausbeuterische oder auch feindselige Führung, Wutausbrüche gegenüber Mitarbeitenden oder unreflektiertes und übertrieben risikofreudiges Entscheiden.

Der wichtigste Ansatzpunkt, um der Verbreitung der Dunklen Triade auf den Führungsebenen im Unternehmen entgegenzuwirken, liegt laut Forscherteam in der Personalauswahl. „Dabei sollte nicht nur auf Select-in Kriterien – was muss, soll die Person haben – sondern auch auf Select-out Kriterien – was soll sie nicht haben – geachtet werden“, so Psychologin Diller. Zudem könnten Personalentwicklungsmaßnahmen wie ethikorientierte Coachings gezielt soziale und ethische Kompetenzen fördern. Allerdings sollte nicht nur das Individuum in den Blick genommen werden, sondern auch und vor allem die Organisation, heißt es im Studienbericht. Denn erste Untersuchungen würden zeigen, dass eine ethikorientierte und kooperative Kultur hellere Persönlichkeitseigenschaften bei Personen fördert und dunklere verringert.

Ein ausführlicher englischsprachiger Studienbericht findet sich unter https://bit.ly/3Hibmcg.

Autor(en): Andree Martens
Quelle: managerSeminare 287, Februar 2022
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