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Musterbruch
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(Ir)rationale Reflexion

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Es ist modern, in Organisationen von Reflexion zu sprechen und diese einzufordern. Häufig steckt nicht mehr dahinter als ein Neusortieren des Bekannten – meist beschränkt auf das Zweckrationale. Doch es gibt auch das Andere der (bekannten) Vernunft. Stefan Kaduk und Dirk Osmetz plädieren für das, was manchmal vorschnell als irrational abgetan wird, aber für eine substanzielle Reflexion unerlässlich ist.

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Reflexion: Mehr als nur Nachdenken

Eindimensional reflektiert: Zweckrationalität über allem

So kommt das Neue: Ästhetik als das Andere der Vernunft

Nichts ist für immer: Der Charme der Gelegenheitsvernunft

Narrative Interviews: Andere Formen der Rationalitäten einfangen

Reichhaltig reflektieren: Tiefer gesetzte Fragezeichen


Cover managerSeminare 299 vom 20.01.2023Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 299

Ein Durchscrollen der Newsfeeds bei Linkedin & Co. genügt, um zu erkennen, dass es mit der Reflexion nicht weit her sein kann. Vorherrschend ist etwas, was begrifflich sehr ähnlich ist und nur drei Buchstaben weniger hat. Gemeint ist der Reflex. Es gehört zum Social-Media-Alltag, dass sich in kürzester Zeit leidenschaftliche Kontroversen ausbreiten. Nun wäre genau das Sinn der Sache, sofern sich nicht in vielen Fällen zeigen würde, dass bei verlinkten Botschaften der Ursprungstext gar nicht zur Kenntnis genommen wurde. Stattdessen beißt sich die Community an Reizwörtern fest und stürzt sich in Unkenntnis des wirklich Gemeinten in einen fehlgeleiteten Erregungsdiskurs. Man kann Reflexe dieser Art als Ergebnis des Zusammentreffens von Uninformierten abtun. Doch reflexhaftes Handeln tritt auch dann auf, wenn prinzipiell kundige Menschen miteinander zu tun haben.

Interessanterweise werden Reflexe, was dem intuitiven Verständnis naheliegen würde, nicht von außen ausgelöst, sondern von innen. Der Soziologe Armin Nassehi spricht in einem provokativen Gastbeitrag in der taz gar von einem Selbstauslöser: „Nicht der äußere Reiz macht die Reaktion. Es ist vielmehr der innere Zustand des Reagierenden, der die Reaktion zur Aktion macht – und je erfolgreicher diese sich bewährt, desto deutlicher stabilisiert sie sich und neigt zu Wiederholungen. Man nennt das Pfadabhängigkeit.“ Nassehi zufolge gibt es deshalb in öffentlichen Diskursen so gut wie keine Überraschungen. Alle Beteiligten spielen eine bis ins Letzte erwartbare Rolle. Sie verhalten sich gemäß einem Skript, ganz so, als gäbe es tatsächlich ein Drehbuch samt den Anweisungen eines Regisseurs. Für das Auftreten des Pawlow´schen Reflexes wird also noch nicht einmal eine Glocke benötigt.

Das ist in der Managementwelt nicht anders: kein Skandal um überhöhte Boni, nach dessen Bekanntwerden nicht nach „schonungsloser Aufklärung“ gerufen und ein neuer Kodex verabschiedet wird, kein Umsatzeinbruch, der nicht umgehend eine „schlagkräftige Vertriebsoffensive“ nach sich ziehen würde. 10-Punkte-Aktionspläne, Verabschiedung von Maßnahmenpaketen, hektisches Installieren von Beauftragten aller Art – all das wird zum tausendfach wiederholten Ritual.

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