Management

Motivation

Zahlen spornen an

Viele Führungskräfte klagen über wenig unternehmerisch denkende Mitarbeiter, setzen bei ihren Motivationsbemühungen auf die Beeinflussung der 'Soft Facts' – und wundern sich über den ausbleibenden Erfolg. Controlling-Expertin Johanna Joppe weiß, wie Motivation besser funktioniert: durch harte Fakten.
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Es gibt kaum ein Gespräch mit und unter Führungskräften, bei dem nicht irgendwann über passive, lustlose, nicht unternehmerisch denkenden Mitarbeiter diskutiert wird. 'Ich komme mir manchmal vor wie eine überbezahlte Kindergärtnerin', sagt der Geschäftsführer eines mittelständischen Textilunternehmens auf der Schwäbischen Alb. 'Ständig muss ich meine Leute bei der Hand nehmen. Haben die gar keine Eigenmotivation?'

Doch, seine Mitarbeiter sprühen geradezu vor Engagement, Vitalität und unternehmerischer Denke – außerhalb des Arbeitsplatzes. In ihrem Job fehlen ihnen indes Orientierungspunkte. Denn der normale Mitarbeiter weiß meist nicht, wohin das Unternehmen im nächsten Quartal, geschweige denn im nächsten Jahr steuert. Ob sein Projekt ein Sandkastenspiel ist oder strategische Bedeutung hat. Wie soll ein Mitarbeiter unternehmerisch denken, wenn er kein quantitatives Feedback darüber erhält, wie seine Arbeit zum unternehmerischen Erfolg beiträgt?

Transparenz motiviert. Die Erkenntnis ist nicht neu. Neu dagegen ist, dass sie seit einiger Zeit aus einer überraschenden Ecke bestätigt wird: von Controlling-Spezialisten. In den vergangenen Jahren wurde ein Motivationsanstieg nach Einführung von umfassenden Zielplanungs- und Controllingsystemen festgestellt. Der Geschäftsführer eines Chemieunternehmens berichtet: 'Seit wir unsere Zielzahlen auf allen PCs transparent machen, kann ich mir 90 Prozent meiner Motivationsanstrengungen sparen.'

Wenn Zahlen, Daten, Fakten so motivierend wirken, warum benutzen die meisten Manager immer noch veraltete Instrumente wie die Seelenmassage zur Motivation ihrer Mitarbeiter? 'Wir binden unsere Unternehmenszahlen doch nicht dem gewöhnlichen Mitarbeiter auf die Nase!', sagt der Prokurist eines Kosmetika-Herstellers bei Ulm. Seine Angst ist unbegründet. Denn es sind nicht alle Zahlen gemeint, nicht die hoch sensiblen Unternehmenszahlen. Stattdessen müssen sich die Führungskräfte in die Mitarbeiter hinein versetzen und Zahlen aussuchen, die den Einzelnen tatsächlich motivieren können. Für die so genannte quantitative Motivation kommen daher immer dieselben Zahlenarten in Frage. Zahlen, die den Mitarbeitern sagen, wo sie gerade stehen, wohin sie noch gelangen sollten, was die Soll/Ist-Differenz ist und woher etwaige Abweichungen kommen etc.
Autor(en): Johanna Joppe
Quelle: managerSeminare 44, September 2000, Seite 35-39
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