Management

Mitarbeiterrekrutierung

Finden und binden

Statt am Schreibtisch zu sitzen und Bewerbungen zu sortieren, touren HR-Manager heute in Sattelschleppern durch die Gegend, um potenzielle Nachwuchskräfte anzusprechen. Verkehrte Welt? Nein, nur das neue Paradigma auf dem Arbeitsmarkt. Dabei heißt gefunden noch lange nicht gebunden. Was muss stimmen, damit ein Mitarbeiter nicht sofort wieder weiterzieht?
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Der Druck auf dem Arbeitsmarkt wächst. Unternehmen müssen sich mehr denn je anstrengen, gute Fach- und Führungskräfte zu finden. Es reicht schon lange nicht mehr aus, bei Bedarf einfach eine Stellenanzeige zu schalten: Heute kommt die Firma zum Kandidaten und nicht umgekehrt. Um neue Mitarbeiter zu gewinnen, werden heute in den Kommandozentralen der HR-Abteilungen regelrechte Werbefeldzüge ausgeheckt - mit einem Aufwand ähnlich hoch wie bei der Einführung von Persil-Megaperls oder der neuen Familienpackung von Nutella.

Arbeitsplätze müssen heute aktiv vermarktet werden. Das Unternehmen braucht ein Image als attraktiver Arbeitgeber. Der neue Trend heißt Employer Branding: Arbeitgeber machen ihre Jobs zu einer Marke auf dem Talentmarkt. Bei der Anwerbung von Mitarbeitern werden Gehalt und Nebenleistungen zum Lockmittel: Wer ohnehin zum Wechsel bereit ist, dem gibt das Gehaltsplus den letzten Anstoß. Der Signing Bonus, eine Sonderzahlung bei Vertragsunterzeichnung, ist in vielen Berufen schon Standard - etwa in der Beratung oder der Telekommunikation. Viele Firmen, die die besonders raren Spitzenkräfte ansprechen, betreiben inzwischen das Red Carpet Recruiting - sie rollen für ihre Kandidaten den roten Teppich aus: Die Roland Berger Unternehmensberatung lässt Kandidaten für den Führungsnachwuchs z.B. für drei Tage nach Lissabon fliegen.

Aber ein gewonnener Mitarbeiter ist noch kein gehaltener Mitarbeiter. Die Aufgabe der Personalabteilung ist nicht mit der Einstellung erledigt - im Gegenteil. Jetzt ist es wichtig, teuer eingekaufte Talente an das Unternehmen zu binden, Unzufriedenheits-Potenziale müssen ausgeschaltet werden. Deshalb sind in der ersten Zeit nach dem Eintritt beispielsweise Willkommens-Rituale angesagt.

Doch auch wenn Mitarbeiter eingearbeitet und eingewöhnt sind, muss sich das Unternehmen weiter bemühen. Auslöser für allzu frühe Abgänge ist meist das Führungsverhalten: 'Mitarbeiter verlassen schlechte Chefs', nennt Curt Coffman, Berater bei der Gallup-Organisation, Princeton, den wichtigsten Grund für Fehlschläge bei der Mitarbeiter-Bindung. Der Chef sollte den Mitarbeitern vor allem Freiräume lassen, so dass sie ihre Talente voll entfalten können.

Geld dagegen wird in seiner Bindewirkung meist überschätzt. Unzufriedene Mitarbeiter sind auch mit mehr Geld nicht zu halten. Anerkennung erwarten die viel arbeitenden Manager heute in anderer Form als Geld. Viel lieber lassen sie sich in Zeit entschädigen – z.B. durch Teilzeit- und andere Flexibilitätskonzepte, Erledigungsdienste oder ein Sabbatical.

Extras:
  • Info-Kasten: Personalmanagement im Wandel. Die Standards der Zukunft.
  • Info-Kasten: Die Leistungen der Recruiting-Dienstleister.
  • Info-Kasten: Mitarbeiterbindung – Die Kernelemente eines starken Arbeitsumfeldes.
  • Buchtipp: Rezension des Buches 'Erfolgreiche Führung gegen alle Regeln' von Marcus Buckingham und Curt Coffman.
Autor(en): Axel Gloger
Quelle: managerSeminare 49, Juli 2001, Seite 90-98
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