Management

Lehren von Luhmann
Lehren von Luhmann

Transformation erfordert Vergessen

Wieso funktioniert das fast nie – ein Unternehmen gezielt zu transformieren? Diese Frage hat sich auch der Systemtheoretiker Niklas Luhmann gestellt. Die Einsichten, zu denen er gelangt ist, liefern starke Argumente für einen längst überfälligen Paradigmenwechsel im Changemanagement. Denn Luhmann zeigt, wieso Transformation ein Prozess ist, den man zwar (indirekt) beeinflussen, aber niemals steuern kann.

Preview

Alles auf Anfang: Wie Transformationsvorhaben Unternehmen partiell in die Gründungsphase zurückversetzen

Blinder Fleck: Warum offizielle Problemlösungen in Organisationen oft wenig mit den tatsächlichen Problemen zu tun haben und intendierten Wandel erschweren

Variation, Selektion, Restabilisierung: Wie Wandel in Organisationen nach evolutionären Mechanismen abläuft

Planung ohne falsche Vorstellungen: Warum Pläne – und Interventionen – im Wandel sinnvoll sind, obwohl sich Veränderung nicht steuern lässt


Cover managerSeminare 294 vom 19.08.2022Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 294

„So kann es nicht weitergehen. Die Dinge laufen nicht mehr zeitgemäß. Hier muss sich etwas verändern, und zwar bald.“ Solche Aussagen fallen in den meisten Organisationen früher oder später. Vielleicht ist der Anfang ein Hinterzimmergespräch, vielleicht eine Proklamation auf der Versammlung des Betriebsrats. Kommt es zur Ausformulierung des Problems und einer Beschreibung, wohin es gehen soll, kann man nach Niklas Luhmann diese Beschreibungen grob in zwei Kategorien teilen: Entweder geht es für die Organisation um eine „bessere Anpassung an Realitäten“ oder um eine „bessere Anpassung an Ideen“.

Idee ist hier als Ideal oder höheres Ziel zu verstehen. Beispiele für ideengesteuerte Reformen sind demnach: die Entwicklung der Organisation hin zu humaneren Arbeitsbedingungen durch Verkürzung der Arbeitswoche. Oder: die Umstellung auf flache Hierarchien, von der man sich Vorteile für die Zusammenarbeit erhofft. Die bessere Anpassung an Realitäten bedeutet hingegen beispielsweise: Ein Lebensmittelhersteller bemerkt, dass sich die eigenen Produkte vom Kassenschlager zum Ladenhüter entwickelt haben und will etwas dagegen unternehmen. Während bei ideengeleiteten Reformen Verbesserungen im Vordergrund stehen, sind Anpassungen an die Realität also „durch Defekte motiviert“. Und die nötigen Schritte ergeben sich „aus der Annahme eines Zusammenhangs verschiedener Beschwernisse und Enttäuschungen“.

Reformen versetzen Organisationen partiell in ihre Gründungsphase zurück

Begriffe wie „Reform“ oder „Transformation“ dienen den Mitgliedern einer Organisation, so Luhmann, als Signalwörter, dass Dinge in Bewegung geraten. Sie sind die ersten Mittel, um „Problembewusstsein“ zu schaffen. Im Managementdiskurs spricht man auch von der Notwendigkeit, eine „Burning Platform“ zu beschreiben, also den Mitarbeitenden glaubhaft zu vermitteln, dass die Situation gefährlich ist und dass ihnen gerade der Boden unter den Füßen wegbrennt – sie also keine andere Wahl haben, als zu springen, und zwar auf die neue Plattform, hinein in die Transformation oder die neue Lösung.

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