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Interview mit Peter Wippermann

'Lernen beschleunigt sich'

Wie Lernen in der heutigen Netzgesellschaft aussieht – das war das Thema von Peter Wippermann. Der Trendforscher sprach auf der Kongressmesse Learntec Anfang Februar in Karlsruhe. managerSeminare traf ihn zum Interview.

Sie sind Trendforscher: Liegt Lernen noch im Trend?

Peter Wippermann: Es be­­schleunigt sich. Lernen wird immer wichtiger, denn die Gesellschaft verändert sich konstant: Flexibilität und Dynamik werden eingefordert von der Krabbelgruppe bis zum höchs­ten Alter.

Was zeichnet den Lernprozess in einer digitalisierten Gesellschaft aus?

Wir kommen aus einer Gesellschaft, in der alles vorgegeben wurde. In der hat man Dinge Experten überlassen, in der haben Experten in ihren Silos ihre Jobs erledigt, in der wurden Arbeitsprozesse in ganz kleine Schritte zerlegt. In der Netzgesellschaft ist es so, dass wir selber Kompetenzen haben müssen, nicht nur die Experten. Und diese Kompetenzen müssen wir auf Märkten anbieten – die flexibel und dynamisch sind und sich permanent verändern. Das heißt, die gefragten Fähigkeiten ändern sich fortlaufend.

Sie beschreiben Lernen in der Netzgesellschaft mit drei 'i': individuell, integriert und interaktiv ...

Privat sind wir viel weiter als die Institutionen und Unternehmen. Die meisten von uns haben mobiles Internet und nutzen es selbstverständlich. Das mobile Internet steckt beim Lernen noch ziemlich in den Kinderschuhen, und in den Unternehmen streitet man sich, ob man nach 18 Uhr noch E-Mails senden darf. Letzten Endes gilt es, sich zu überlegen, in welcher Kultur wir gemeinsam leben wollen: Welche Inhalte wollen wir teilen, und wo wollen wir Grenzen ziehen? Wo wollen wir die Privatsphäre respektieren, und welche Ge­­heimnisse der Firmen wollen wir schützen? Auch wenn wir wissen, dass das digitale Netz beobachtet werden kann, von Leuten, die nicht in Deutschland sind.

Wenn Lernen situativer und integrierter wird, findet Lernen einfach immer statt. Was bedeutet das für den Prozess des angeleiteten Lernens?

Privat haben wir das ja schon immer gemacht. Wir haben uns schon immer weiterentwickelt und neue Interessenfelder er­­schlossen – man nannte das früher Hobbys. Man ist in ferne Länder gefahren, um neue Er­­fahrungen zu machen – das nannte man Freizeitgesellschaft. Die Individualität sollte im In­­dustriezeitalter am Eingang zum Unternehmen abgeliefert werden. Man hat vorstrukturierte Arbeitsprozesse gegen Geld getauscht, man hat Arbeit und Freizeit voneinander getrennt. Das sind Grenzen, die jetzt verschwinden. Diese Grenzen zu überwinden, macht die neuen Unternehmen aus. Die alten Unternehmen müssen die Organisationsstruktur der Industriegesellschaft zurückbauen und neue Strukturen in der Netzgesellschaft aufbauen. Hier werden Menschen gebraucht, die selbstständig denken.

Wie verändert sich damit die Rolle der Personalentwicklung?


Die Lehrenden werden genauso wie die Lernenden interaktive Medien stärker nutzen. Selbstlernen wird als Grundvoraussetzung angesehen. Trainer werden über Zuschaltung im virtuellen Bereich dem Lerner individuelle Unterstützung bieten. Sie werden damit mehr und mehr zum Coach. Sie werden Zusammenkünfte organisieren, um den Lernenden ein Gruppengefühl zu bescheren, und Zertifikate ausloben, damit die Kurse als ökonomisch sinnvoll von anderen anerkannt werden.

Autor(en): (Nicole Bußmann)
Quelle: managerSeminare 193, April 2014
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