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Homeoffice-Regelungen

Unternehmen wollen Beschäftigte zurück ins Büro holen

Apple macht Ernst: Das Technologieunternehmen holt seine Beschäftigten in den USA zumindest teilweise zurück ins Büro. Auch andere Unternehmen sehen das Homeoffice kritisch und appellieren an ihre Mitarbeitenden, wieder persönlich in den Betrieb zu kommen.

Seit dem 5. September geht es für Beschäftigte des Technologieunternehmens Apple an drei Tagen die Woche zurück ins Büro. Das hat der Nachrichtendienst Bloomberg im August bekannt gegeben. Dienstag und Donnerstag wurden von der Führungsebene als verpflichtende Präsenztage für ihre US-Angestellten festgelegt, ein dritter Tag kann individuell gewählt werden. Das Unternehmen plant bereits seit dem vergangenen Jahr, seine Mitarbeitenden zurückzuholen; aufgrund des Infektionsgeschehens wurde der Termin jedoch mehrfach verschoben. Die Ankündigung, zumindest teilweise eine Präsenzpflicht einzuführen, sorgt für Unmut in der Belegschaft. Die Reaktionen auf die Rückholpläne reichen von Petitionen über Proteste der Angestellten bis hin zu Kündigungen – Ian Goodfellow beispielsweise, führender Manager für künstliche Intelligenz, hat das Unternehmen bereits im Mai verlassen.

Das Management rund um Apple-CEO Tim Cook ist mit seiner kritischen Haltung gegenüber dem Homeoffice nicht allein. Die Hälfte (51 Prozent) der Führungskräfte aus kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland finden es problematisch, wenn viele ihrer Mitarbeitenden im Homeoffice sind. Das geht aus einer Studie des Deutschen Innovationsinstituts für Nachhaltigkeit und Digitalisierung (DIND) hervor, in der 2.767 Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer befragt wurden. Das Hauptproblem aus Sicht der Befragten ist eine geringere Kreativität bei den Mitarbeitenden im Homeoffice. Drei von vier Führungskräften (71 Prozent) würden der Aussage zustimmen, dass ihre Beschäftigten aufgrund des fehlenden Austauschs weniger kreativ sind. Zudem haben 44 Prozent den Eindruck, dass die Produktivität im Homeoffice abgenommen hat.

Dass auch die Führungskräfte größerer deutscher Unternehmen so denken, zeigen Appelle wie der von Telekom-Chef Timotheus Höttges. Gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“ betonte er, wie wichtig persönlicher Austausch für die Innovationskraft von Unternehmen sei. Zuspruch erhielt er von Oliver Maassen, Mitglied des Vorstands und CHRO bei der Trumpf-Gruppe. Beide verstehen die Rückkehr ins Büro auch als ein Zeichen von Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen, die nicht remote arbeiten können. Eine Regelung wie bei Apple sei bei der Telekom und Trumpf jedoch nicht geplant. Beschäftigte sollten bei ihnen „aus freien Stücken das Büro als ihren Arbeitsplatz wählen“, verkündete Maassen auf Linkedin.

Auch in der DIND-Studie sprechen sich 82 Prozent der befragten Führungskräfte gegen eine komplette Abschaffung des Homeoffice aus. Ein Grund für diese Zurückhaltung könnten die gestiegenen Ansprüche der Beschäftigten sein. Immerhin 38 Prozent der Führungskräfte geben an, dass Mitarbeiterfluktuation ein Thema bei ihnen im Unternehmen ist. Laut Studie fürchten viele Unternehmen, dass sich Wechselwille und Fachkräftemangel negativ auf die Ergebnisse auswirken und halten deswegen am Homeoffice fest.

Ob Modelle wie das von Apple sinnvoll sind, ist übrigens fraglich – so sieht es zumindest Prisca Brosi, Professorin für Human Resource Management an der Kühne Logistics University. In einer Studie hat sie gemeinsam mit Fabiola Gerpott und Niels Van Quaquebeke 622 Mitarbeitende der Hamburger Hochbahn AG befragt und dabei herausgefunden, dass die Mehrheit von diesen gerne ins Büro kommen möchte. Eine Regelung mit festen Präsenztagen für das ganze Unternehmen sei also nicht nötig und sogar kontraproduktiv, denn das reduziere die Flexibilität, schließt Brosi aus den Ergebnissen. Viele deutsche Unternehmen setzen daher eher auf Freiwilligkeit und individuelle Vereinbarungen. Siemens sieht z.B. ähnlich wie Apple vor, dass durchschnittlich an zwei bis drei Tagen pro Woche im Homeoffice gearbeitet werden kann, die Tage sollen jedoch individuell mit den Führungskräften abgesprochen werden. Einige Unternehmen setzen zudem auf Anreize statt auf Regelungen: Adidas versucht es mit kostenfreien Sportkursen und einem Schwimmbad, Bayer mit Team-Workshops und die Hannover RE mit „Back-to-the-Office-Events“, wozu wöchentliche Aktionen wie kostenloses Eis oder Grillangebote gehören. Die Angaben des Sportartikelherstellers Puma stützen Brosis These: Obwohl es keinen offiziellen Aufruf gab, zurückzukehren, kommen laut Medienquellen etwa 80 Prozent der Beschäftigten jeden Tag ins Büro.

Autor(en): Nina Rheinheimer
Quelle: managerSeminare 295, Oktober 2022
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