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Führungswünsche von Mitarbeitern

Viele mögen den machtvollen Chef

Glaubt man dem Klischee, dann leiden viele Mitarbeiter unter ihren Führungskräften. Eine aktuelle Umfrage, die die Bertelsmann Stiftung aus Gütersloh gemeinsam mit dem GfK Verein, Nürnberg, unter 1.274 Beschäftigten durchgeführt hat, ergibt allerdings ein vielschichtigeres Bild. Demnach sind erstaunlich viele Mitarbeiter zufrieden mit dem Verhalten ihres direkten Vorgesetzten. 54 Prozent gaben zu Protokoll, dass der Chef ihnen ausreichend Freiraum gewähre. Gut die Hälfte der Angestellten erklärte, dass ihre Führungskraft eigenverantwortliches Arbeiten fördere. 42 Prozent gaben an, vom Chef ab und zu um Rat gefragt zu werden. Etwa ein Drittel berichtete, in wichtige Entscheidungen einbezogen zu werden. Explizit schlechte Erfahrungen, etwa in Form von Drohungen und Nichtbeachtung, hat nur ein Fünftel gemacht. Seltsam, wo doch sonst immer über schlechte Chefs geklagt wird? Nicht unbedingt, meint Martina Schwenk, Project Manager am Kompetenzzentrum Führung und Unternehmenskultur der Bertelsmann Stiftung. Denn viele Mitarbeiter sind zwar – allgemein nach der Zufriedenheit mit ihrem Chef befragt – schnell mit Klagen bei der Hand. 'Doch je konkreter man nach dem Verhalten des Vorgesetzten fragt, umso positiver wird das Bild', so Schwenk. Freilich kann man die Daten aber auch anders herumlesen: Viele Mitarbeiter bekommen demnach eben nicht genug Freiraum, dürfen nicht eigenverantwortlich arbeiten, werden nicht um Rat gefragt.

Interessant ist indes, dass sich keineswegs alle nach einem Chef sehnen, der betont freiheitlich führt. Über ein Drittel der Befragten schätzt es vielmehr, dass ein machtvoll auftretender Vorgesetzter 'einen Rahmen schafft, in dem sich frei arbeiten lässt', fast ein Viertel, dass ein machtvoller Chef 'eine klare Richtung vorgibt'. Erstaunlicherweise sind unter denen, die auf machtbewusste Chefs mit Widerwillen reagieren, eher ältere Mitarbeiter (50 plus) als jüngere. Dies scheint das Klischee zu konterkarieren, dass es vor allem die Jüngeren sind, die sich vom Chef nichts bieten lassen wollen. Allerdings könnte es auch sein, dass jüngere Mitarbeiter erst gar nicht in die Lage kommen, sich über  autoritäre Bosse aufzuregen. 'Weil sie in so einem Fall längst den Arbeitgeber gewechselt haben', spekuliert Schwenk. Wichtig aber ist: Nicht jeder Mitarbeiter erblüht unter demselben Führungsstil. Auch deshalb sollte unter Führungskräften viel stärker über das Thema Machtausübung diskutiert werden, so die Forscherin.

Autor(en): (jum)
Quelle: managerSeminare 202, Januar 2015
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