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Führungseigenschaften

Charismatische Chefs behindern Mitdenken

Charisma wird in der Führungslehre als zentrale Eigenschaft beschrieben, denn davon hängt wesentlich ab, ob und inwieweit Führungskräfte ihre Mitarbeiter mitreißen und begeistern können. Anscheinend kann Charisma im Führungskontext aber auch eine negative Nebenwirkung entfalten, wie eine Studie der WHU – Otto Beis­heim School of Management zeigt.

Das Team um den Führungsforscher Jochen Menges untersuchte, wie sich das Charisma von Führungskräften auf den Emotionsausdruck von Mitarbeitern auswirkt. Dazu führten die Wissenschaftler unter anderem ein einfaches Priming-Experiment durch: Sie baten die eine Hälfte ihrer 129 Probanden, einen Text über eine charismatische Führungskraft zu schreiben, die andere Hälfte sollte von einer Führungskraft mit wenig Ausstrahlung berichten. Im Anschluss sahen sich alle Versuchsteilnehmer kurze Filme an, die entweder sehr traurig waren oder eine Person zeigten, die etwas sehr Schönes erlebt. Kameras zeichneten dabei ihr Mienenspiel auf. Zudem fragten die Forscher die Probanden vor und nach den Filmen, wie sie sich fühlen. Ergebnis: Jene Hälfte der Probanden, die sich vorab gedanklich mit einer charismatischen Führungskraft beschäftigt hatte, zeigte während der Filmvorführung deutlich weniger Gefühlsregungen als die andere Hälfte. Auch hatten die Filme den generellen Gefühlszustand der Mitglieder dieser Gruppe weniger stark beeinflusst. Die Forscher führten weitere Experimente durch, die Ergebnisse deckten sich alle mit dem des ersten Versuchs. Die Schlussfolgerung des Teams: Charismatische Führungskräfte unterdrücken bei ihren Mitarbeitern Emotionen. Studienleiter Menges erklärt dieses Phänomen mit dem Ehrfurchtseffekt: 'Die charismatische Ausstrahlung der Führungskraft lässt ihre Mitarbeiter sozusagen emotional in Ehrfurcht erstarren.' Das ist insofern bedeutsam, weil Emotionsunterdrückung nachgewiesenermaßen einige ungünstige Folgen hat. 'Sie verringert die geistige Leistungsfähigkeit, senkt die Auffassungsgabe und das Erinnerungsvermögen', erläutert Menges. Das könne wiederum etwa dazu führen, dass Mitarbeiter Aussagen charismatischer Führungskräfte seltener hinterfragen und generell weniger mitdenken. Um solchen negativen Effekten entgegenzuwirken, rät Menges charismatischen Führungskräften dazu, sich in Gesprächen mit ihren Mitarbeitern öfters bewusst zurückzunehmen und verschiedene Betrachtungsweisen anzubieten, bevor sie ihre Meinung äußern.
Autor(en): Andree Martens
Quelle: managerSeminare 216, März 2016
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