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Erwartungen von Frauen an Arbeitgeber

Geld ist wichtiger als familienfreundliche Gimmicks

Für Frauen spielt das Gehalt bei der Arbeitgeberwahl eine untergeordnete Rolle? Laut einer aktuellen Studie der Bonner Agentur ohne Namen, Veranstalter der Kongressmesse Women & Work, ist das ein Mythos. Im Rahmen der Umfrage gaben 3.000 Frauen Auskunft über ihre Anforderungen an potenzielle Arbeitgeber. Die Gehaltsentwicklung landete dabei auf Platz sechs der wichtigsten Kriterien. Das Einstiegsgehalt schaffte es auf Rang zwölf. Bei einer ersten Befragung im Jahr 2011/2012 hatte es noch weit abgeschlagen auf Platz 26 rangiert. Melanie Vogel, Inhaberin der Agentur ohne Namen, führt das Ergebnis auf einen Sensibilisierungsprozess für Fragen der Gehaltsgerechtigkeit zurück. 'Vor allem junge Frauen wollen sich die Butter heute nicht mehr vom Brot nehmen lassen.' Auch die Annahme, Frauen käme es weniger auf die Karriere an als Männern, ist laut der Studie ein Irrtum. So ist 65 Prozent der Frauen die Karriere wichtig bzw. sehr wichtig, wobei den Freitext-Antworten zufolge für das Gros der Frauen Karriere bedeutet, sich stetig selbst zu verwirklichen und persönlich zu wachsen.

Wer angesichts dessen vermutet, dass Frauen nicht an Führung interessiert sind, täuscht sich. Denn vier von fünf Frauen bezeichneten in der Umfrage Aufstiegsmöglichkeiten als wichtig bzw. sehr wichtig. 61 Prozent wünschen sich darüber hinaus frauenspezifische Angebote, um ihre Aufstiegsmöglichkeiten zu erhöhen. Für zwei Drittel der Frauen ist der Frauenanteil in den Führungsriegen eines Un­­ternehmens ein wichtiger oder sehr wichtiger Attraktivitätsfaktor. 'Dass viele Frauen im Alltag dennoch die Über­nahme einer Führungsposition ablehnen, könnte teils daran liegen, dass die Unternehmen solche Positionen in einer Tonalität bewerben, die dem weiblichen Selbstbild nicht entspricht', vermutet Vogel. Sprich: Während die Unternehmen von 'Macht' reden, wünschen sich die Frauen 'Gestaltungsmöglichkeiten'.

Fehlende Flexibilität ist ein großes Problem

Darüber hinaus lässt sich aus der Umfrage ablesen, dass Frauen beim Aufstieg noch mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Ein Indiz dafür: Ab 40 Jahren erlahmt das Interesse der Frauen an Karriere. Das könnte daran liegen, dass vielen nach Jahren negativer Erfahrungen schlicht die Puste ausgeht. Womöglich findet sich manche Frau auch damit ab, dass viele Unternehmen stillschweigend davon ausgehen, in den Beruf zurückgekehrte Mütter hätten kein Interesse mehr am beruflichen Aufstieg. Vor allem aber steht dem Aufstieg auch heute noch die fehlende Flexibilität in der Arbeitsgestaltung entgegen. Flexible Arbeitszeiten stehen weit oben auf der Liste der Frauenwünsche. Für fast zwei Drittel der Frauen sind Führungspositionen auch in Teilzeit wichtig bis sehr wichtig. Und noch etwas zeigt die aktuelle Erhebung, die in Kooperation mit dem lesbischen Führungsnetzwerk Wirtschaftsweiber e.V. entstanden ist: Frau ist nicht gleich Frau. Die Wünsche gehen je nach persönlicher Lebens­situation mehr oder weniger stark auseinander. So sind für Frauen in heterosexuellen Be­­ziehungen Faktoren wie Familienfreundlichkeit und die Sicherheit des Arbeitsplatzes wichtiger als für Frauen in homosexuellen Beziehungen, die mehr Wert auf Themen wie Gleichstellung von Lebenspartnerschaften und Diversity Management legen.

Ein Betriebskindergarten bringt keine Frau in Führung

Statt jedoch auf Individualität, Flexibilität und Einbeziehung zu setzen, versuchen viele Firmen lieber mit Angeboten als attraktiver Arbeitgeber zu punkten, die laut Vogel wenig Aufwand bedeuten, aber nach außen hin scheinbar werbeträchtig wirken – etwa mit dem Betriebskindergarten oder Eltern-Kind-Büros. Laut der aktuellen Studie kommt es einem Gros von Frauen auf solche Offerten aus dem Katalog 'Familienfreundlichkeit' gar nicht so sehr an. 'Kein einziges dieser Themen hat es auf die Liste der Top-Ten-Faktoren geschafft', betont Vogel. Offenbar sind viele Frauen überzeugt, dass sie Kinderbetreuung und Co. mit mehr Flexibilität im Arbeitsleben ohnehin selbst stemmen können. Hinzu kommt: Nicht alle Frauen sind Mütter. 'Viel drängender ist für die meisten das Thema Unterstützung im Pflegenotfall.' Es führt zumindest die Liste der wichtigsten familienfreundlichen Maßnahmen an. Zudem wissen die Frauen eines ganz genau, so Vogel: 'Das Vorhandensein eines Betriebskindergartens hat noch niemanden in eine Führungsposition gebracht.'
Autor(en): (jum)
Quelle: managerSeminare 204, März 2015
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