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1. April 2020 | Von Redaktion

Walter Kohl im Interview: „Die Menschen haben jetzt wenig Toleranz für Bullshit“

Auf der einen Seite sind viele Führungskräfte aktuell selbst verunsichert und wissen nicht, wie es weitergeht. Auf der anderen Seite müssen sie ihre Mitarbeitenden auf dem Laufenden halten und Kreativität und Kraftquellen für die Meisterung der Krisensituation im Unternehmen mobilisieren. Der Unternehmer und Publizist Walter Kohl mit Antworten, wie die doppelte Herausforderung gelingt.

Das Interview führte Nicole Bußmann

Aktuell fragen sich viele, wie es mit ihrem Job, ihrem Unternehmen, wie es in der Gesellschaft weitergeht. Was macht diese Unsicherheit mit uns?

Ganz viel, denn sie lähmt uns, sie lässt uns zweifeln, sie nimmt unsere Aufmerksamkeit gefangen, sie verstopft unsere innere Festplatte. Für uns alle ist Unsicherheit mit Angst, mit Stress verbunden, denn das Streben nach Sicherheit ist eines der zentralen menschlichen Grundbedürfnisse. Wir suchen Sicherheit in unseren Beziehungen, in der Gruppe, sei es unter Kollegen, in der Familie oder im Staat.

Wie geht man am besten mit solchen Gefühlen wie Wut, Zorn und Ohnmacht um?

Zunächst gilt es, Ursache und Wirkung zu unterscheiden. Gerade in Zeiten extremer Unsicherheit, so wie jetzt in der Corona-Pandemie, bricht sich die Unsicherheit, also die Ursache, häufig ihre Bahn in Form von Wut, Zorn oder Ohnmacht. Ein erster Schritt liegt darin zu erkennen, wo die Wut, der Zorn, woher diese Gefühle wirklich kommen. Sind sie Ausdruck einer Frustration, von Ängsten, oder gibt es ganz praktische, alltägliche Ursachen? Ich rate, solchen Gefühlen bewusst einen Raum zu geben. Verdrängen und Ignorieren hilft auf Dauer nicht. Verletzte oder schmerzende Gefühle können nicht durch Sachargumente geheilt werden, sondern nur durch aktive Auseinandersetzung mit ihnen, durch neue Einsichten und schließlich neue emotionale Antworten. Ein erprobter Lösungsmechanismus ist, bisherige, schmerzende Gefühle durch Sinn in neue Kraftquellen zu wandeln. So gelang es mir beispielsweise, den Schmerz rund um den Suizid meiner Mutter durch eigenes Engagement in der Suizidprävention in eine neue, mich stärkende Energie zu wandeln. Ihr Tod ist nun für mich Auftrag geworden, mich aktiv für das Leben einzusetzen.

Kommunikation gilt in Krisen als das A und O. Worauf kommt es bei der Kommunikation jetzt besonders an?

Gerade in Krisenzeiten muss Kommunikation glaubwürdig sein, denn die Menschen haben in solchen Stresssituationen besonders wenig Toleranz für Bullshit. Um als Führungskraft in Krisen effektiv und überzeugend kommunizieren und führen zu können, braucht man zunächst eigene, innere Klarheit, also auch die Auseinandersetzung und Lösung innerer Konflikte. Es geht darum, nicht nur ehrlich zu anderen, sondern auch ehrlich zu sich selbst zu sein, sonst werden die Fakten einen Lügen strafen und überrollen. Hilfreich ist auch der bewusste Perspektivwechsel. Dazu werden die gleichen Fragen oder unternehmerischen Herausforderungen aus mehreren Blickwinkeln betrachtet: aus der eigenen Situation heraus, aus der Perspektive der Mitarbeiter, der Kunden, der Lieferanten und vielleicht auch der Bank. Durch diesen 360-Grad-Ansatz werden wir innerlich klarer und nach außen souveräner.

Und worauf kommt es inhaltlich an? Welche Fragen sollten beantwortet, welche Botschaften gesendet werden?

Wenn die Lage unklar ist, so wie jetzt, ist es wichtig, eine proaktive Krisenkommunikation zu etablieren. Dazu müssen wir zwischen dem trennen, was wir wissen, und dem, was wir vermuten. Die Mitarbeiter sollten durch regelmäßige Updates in der richtigen Dosierung an der Entwicklung teilhaben. Es geht darum, aus Betroffenen Beteiligte zu machen, wodurch Kreativität und Kraftquellen für neue Antworten mobilisiert werden. Das Wichtigste aber ist, dass Führungskräfte in der Krise ihren Mitarbeitern Vertrauen schenken, sie werden es vielfach zurückbekommen.

Wenn die Lage für mich als Unternehmer bedrohlich wird: Wie gehe ich mit meinen eigenen Ängsten um? Sollte ich z.B. mit meinen Mitarbeitenden über diese reden?

Dafür gibt es keine Patentlösung, jeder Fall ist anders. Mir hilft in solchen Fällen die Technik der „Rückschau in zehn Jahren“. Ich stelle mir vor, dass ich heute in zehn Jahren, also am 1. April 2030, auf die aktuelle Krisensituation zurückblicke. Was will ich im Rückblick gesagt, getan haben? Wie möchte ich mich und meine damaligen Handlungen mit diesem zeitlichen und innerlichen Abstand erleben? Zudem sollten wir unserem echten Instinkt und nicht unseren Ängsten oder Hemmungen folgen, unser Bauch ist ein besserer Lotse durch Krisen als häufig gedacht.

Ihre Prognose: Wie wird sich die Arbeitswelt nach der Krise verändert haben?

Das ist schwer zu sagen. Rückblickend muss man konstatieren, dass wir viele der Lehren aus der vergangenen großen Krise, der Finanzkrise von 2008, schnell wieder vergessen haben und in alte Rituale und Bequemlichkeiten zurückgefallen sind. Ich hoffe, dass es nach der Coronakrise anders sein wird.

********************
Der Interviewte:
Als Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl wurde Walter Kohl in ein herausforderndes Leben hineingeboren. Zu diesem gehört nicht nur das Vermächtnis seines Vaters, sondern auch der Suizid seiner Mutter. Die Bewältigung besonderer Herausforderungen ist eines jener Themen, die seine Arbeit als Unternehmensberater, Publizist und Redner prägen.


Kommentare (0) | Kategorie: Management & Führung

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