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10. Juli 2020 | Von Redaktion

Thronspiele und was man von ihnen lernen kann (Spoiler: eigentlich alles)

Schon wieder einer! Gut ein Jahr nach ihrem Abschluss landet nun der dritte Ratgeber, der das schillernde Personal der HBO-Serie Game of Thrones für Führungsvergleiche nutzt, auf unseren Schreibtischen. Langweilig? Überhaupt nicht! Denn jedes Buch liefert andere Erkenntnisse und entdeckt sehr unterschiedliche – und bisweilen recht überraschende – Führungsvorbilder.

Ein Beitrag von Sarah Lambers und Sylvia Lipkowski

Führungslehren kann man überall finden. Das beweisen Neuerscheinungen immer wieder: Sie finden sinnvolle Handreichungen für Managerinnen und Manager in Märchen ebenso wie in Tier-Metaphern oder Superhelden-Storys. Als besonders ergiebig in dieser Hinsicht erweist sich dabei derzeit die Serie Game of Thrones.

Der neueste Versuch, aus den Intrigen um den Thron des phantastischen Kontinents Westeros wertvolle Erkenntnisse für Führungskräfte zu gewinnen heißt „Leadership in Game of Thrones“ und stammt von Brigitte Biehl, Professorin für Media and Communication Management an der SRH Berlin University of Applied Sciences, School of Popular Arts (ehemals SRH Hochschule der populären Künste) in Berlin, wo sie auch das Institut für Weiterbildung (IWK) leitet.

Die Autorin argumentiert, dass sich der Blick auf die Protagonisten in mittelalterlich anmutender Kampfmontur vor allem deshalb lohnt, weil diese Protagonisten ähnliche Sorgen umtreiben wie Menschen in der modernen Arbeitswelt: Sie sollen, wollen oder müssen Führung übernehmen in einer Welt, in der sich ständig neue, unerwartete Herausforderungen auftun – einer Welt, die geprägt ist von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (kurz: VUKA). Und sie stellen – genauso wie wir „normalen“ Menschen – in schöner Regelmäßigkeit fest, wie leicht es ist, an dieser Herausforderung zu scheitern.

Das tun sie vor allem dann, wenn sie sich an der Art von Führung versuchen, wie sie jahrzehntelang propagiert wurde: durch einen starken, meist männlichen Helden und allwissenden Herrscher. Denn, so argumentiert Autorin Biehl, Führung kommt unter VUKA-Bedingungen gar nicht mehr einer bestimmten Person zu, sondern ist vielmehr ein sozialer Prozess, der von Leadern und Followern ko-kreiert wird. Menschliche Interaktion und soziale Ordnung werden dabei ständig neu verhandelt.

Leadership wird somit zur Beziehungssache – auch in Game of Thrones: Zwar streben alle Führungspersonen nach dem Eisernen Thron, wirklich lange auf ihm halten, kann sich jedoch niemand. Übrigens ebenso wenig wie auf den machtvollen Nebenpositionen. So wechseln nicht nur Könige und Königinnen, sondern auch Berater und Einflüsterer alle naslang. Die Serie führt somit fast plastisch vor Augen, dass das Bedürfnis nach dem einen geeigneten „Anführer“ zwar vorhanden ist, aber niemals befriedigt werden kann, weil es ihn (oder sie) nicht gibt.

Die Serie konstruiert also fortlaufend Leader, um diese nach und nach wieder zu demontieren – zumindest sofern sie menschlich sind. Eine einzige Figur gibt es nämlich doch, die das archaische Führungsprinzip des einen starken Anführers verkörpert und deren Führung ohne jeglichen Widerspruch funktioniert – und zwar die gesamte Serie hindurch: Der Nachtkönig, der seelenlose Leader einer Gemeinschaft von Untoten, behält sein Zepter bis er vollständig vernichtet ist: „Kein Widerspruch, kein Infragestellen, kein Zweifel, keine Worte, keine Gedanken, keine Gefühle, keine Sinngebung, keine Strategie-Meetings, keine Motivationsdurchhänger – diese Führungsrolle ist eine überzeichnete Karikatur, eine tote Leerstelle, die von vorneherein nicht als ernsthafte Alternative wahrgenommen wird“, schreibt Biehl.

Oder vielleicht doch? Schließlich ist der Nachtkönig eine machtvolle Figur und „Macht bedeutet, andere Menschen in ihrem Denken und Handeln beeinflussen zu können“ – sprich: zu führen. Dieser Ansicht sind die Berater Mark Hübner-Weinhold und Manfred Klapproth. In ihrem im Herbst 2019 erschienenen Buch „Leadership by Game of Thrones – Wirksamer führen mit den Helden von Westeros“ zeigen sie, wie diese Machtausübung den einzelnen Figuren mal besser, mal schlechter gelingt.

Dabei wird schnell deutlich: Als einen sozialen Prozess verstehen Hübner-Weinhold und Klapproth Führung nicht – weder in Game of Thrones noch in der realen Welt. „Wir denken in Bezug auf den Sinn und Bedarf von Führung radikal anders als die Anhänger von führungsloser Selbstorganisation. Wir sind davon überzeugt, dass in einer VUKA-Welt mehr Führung erforderlich ist als je zuvor. Mehr allein reicht allerdings nicht: Wirksamer muss Führung sein“.

Wirksam ist Führung den Autoren zufolge, wenn sie 14 Kernelemente – darunter: Vertrauen, Selbstführung, Klarheit – enthält. Doch welcher der GoT-Helden ist denn dann der wirksamste Anführer? Erstaunlicherweise weder Sympathieträger Jon noch Alpha-Frau Daenerys noch eine der anderen Hauptfiguren, sondern jemand, der gar nicht so häufig auftaucht: Es ist Manke Rayder, der König jenseits der Mauer, der laut Hübner-Weinhold und Klapproth alle 14 Führungselemente in einer Person vereint:

– Er hat eine klare Vision der tödlichen Bedrohung für das freie Volk durch die Weißen Wanderer und den endlosen Winter und entwickelt deshalb seine Mission, das Freie Volk nach Süden hinter die Mauer zu führen.
– Um das zu erreichen, verfolgt er das Ziel, die zerstrittenen 90 Stämme jenseits der Mauer zu vereinen, mit aller Konsequenz und Flexibilität.
– Er übernimmt diese schwierige Aufgabe aus Verantwortung für sein Volk.
– Er folgt klaren Werten, würde niemals das Knie vor jemand anderem beugen, ist rechtschaffen und aufrichtig – deshalb bekommt er seine Macht durch das Vertrauen der Wildlinge.
– Er organisiert die Zusammenarbeit der diversen Stämme und sorgt für eine zuvor nicht vorhandene Entwicklung in dieser tribalen Organisation.
– Er ist ein Vorbild an Selbstführung und verfügt über anerkannte Kompetenz.
– Seine Kommunikation und sein Handeln sind stets von völliger Klarheit geprägt.
– Seine Konfliktfähigkeit wird durch den Angriff auf die Mauer deutlich.

Zum ersehnten Erfolg verhelfen dem Wildlingsanführer diese Kompetenzen allerdings nicht: Er wird von Jon Schnee besiegt und findet einen so brutalen Tod wie er typisch ist für die Serie um das Thronspiel auf Westeros.

Noch blutiger verabschiedet sich (sehr früh) der Hoffnungsträger Robb Stark, der als König des Nordens ambitioniert in eine Führungskarriere startete, und im dritten und ältesten Ratgeber prominent abgehandelt wird. In „Game of Thrones on Business“ steht der erfolglose junge König für die Autoren Tim Phillips und Rebecca Clare dafür, wie man mit Widerspruch von potenziellen Partnern besser nicht umgehen sollte. Das Massaker, dem er nebst einigen andern zum Opfer fällt, hat er interessanterweise – Achtung: Leadership-Lektion! – selbst durch Führungsfehler vorbereitet: Er hat einen Deal mit dem einen der beiden Verräter, die das Blutbad geplant haben, gebrochen und es dem anderen Verräter gegenüber an Anerkennung mangeln lassen. So, so.

Neben dieser Erkenntnis sind noch 29 weitere unterhaltsame „Lehren für Strategie, Ethik und Führung“ in dem Buch zusammengestellt, das wohl als das erste seiner Art gelten darf und schon 2015 auf englisch erschienen ist. Von Daenerys Targaryen, einer der letzten Überlebenden des ehemaligen Herrschergeschlechts, beispielsweise können Führungskräfte den dienenden Führungsstil (Servant Leadership) lernen, meinen die Autoren – die allerdings noch nicht das Ende der Drachenkönigin kannten, als sie ihre Führungslektionen in der Sendepause zwischen der fünften und sechsten Staffel der Serie veröffentlichten. Denn letztlich scheitert natürlich auch sie, die vielen Fans lange als natürlichste Lösung für die eiserne Thronfrage galt.

Wie haltbar und streitbar die Führungslehren also letztlich auch sein mögen – in Stein gemeißelte Weisheiten sind sie mit Sicherheit nicht (auch wenn dies so gut zum mittelalterlichen Ambiente der Serie passen würde). Damit aber wären wir wieder bei Biehl und der Unsicherheit und Vieldeutigkeit von Westeros wie der VUKA-Welt: Machtverhältnisse, Sympathiewerte und Kenntnisstände ändern sich nicht nur ständig – sie werden häufig auch sehr subjektiv wahrgenommen. Den Playern in beiden Welten bleibt demnach nichts anderes übrig, als die angebotenen Informationen ständig zu hinterfragen.

Das ist auch mit Blick auf die drei Führungsratgeber geboten, denn letztlich zeigen sie vor allem eins ganz deutlich: Die Lehre liegt im Auge der Betrachtenden. Hier finden alle die Erkenntnisse, die sie gerade suchen. Für Fans mit GoT-Entzug lohnen sich die verschiedenen Lektüren wahrscheinlich dennoch, beweisen sie doch einmal mehr, dass sich aus fast jeder guten Geschichte wichtige Lektionen für Leader ableiten lassen – sogar aus Tolstois Anna Karenina. (Artikeltipp: Literarisches Lernen: Seitenweise Selbstcoaching). Und gehaltvoller als Kuscheldecken mit den Wappen der beteiligten Ahnenhäuser oder „Dinner-is-Coming“-Kochlöffel sind sie allemal.


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