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10. November 2014 | Von Nicole Bußmann

Rolf Schmiel: „Viele Tipps von Motivationsgurus sind psychologische Trostpflaster“

„Motivation ohne Tschakka-Schreie” lautet das Motto von Rolf Schmiel. Jetzt hat der Trainer und Redner ein neues Buch vorgelegt: In „Senkrechtstarter” zeigt er, wie aus Frust und Niederlagen Erfolge entstehen. Und nebenbei rechnet er mit der Motivationsbranche ab. Ein Interview.

Rolf-Schmiel-Autorenfoto-bunt-Web-Auflösung-235x300In Ihrem Buch „Senkrechtstarter“ rechnen Sie mit der Motivationsbranche ab. Warum? Sie sind doch selbst Motivationstrainer…

Rolf Schmiel: Für mich als Motivationspsychologe ist es schmerzhaft, mit Tschakka-Schreiern in einen Topf geworfen zu werden. Deshalb verfolgt mein Buch das Ziel, die Lügen und Halbwahrheiten, die in manchen Trainings vermittelt werden, offen zu legen und fundierte Alternativen vorzustellen.

Was ist Ihrer Ansicht nach falsch an den Ratschlägen der Motivationsgurus?

Die rosarote Brille des positiven Denkens verzerrt den Blick auf die Realität und verhindert eine notwendige Ist-Analyse, die manchmal schmerzhafte Wahrheiten zu Tage bringen kann. Aber ohne eine echte Diagnose kann keine sinnvolle Intervention erfolgen! Die meisten Tipps der Motivationsgurus sind psychologische Trostpflaster, die einem ein gutes Gefühl vermitteln, die aber niemanden bei Veränderungsprozessen nachhaltig unterstützen.

Welche psychologischen Trostpflaster zum Beispiel?

Affirmationen und falsch verstandenes Positiv-Denken, z.B. „Glaub an Dich und alles wird gut!“, lösen unangenehme, emotionale Spannungen. Doch dieses Instant-Wohlfühlen reduziert bei vielen Menschen die Bereitschaft, ins Handeln zu kommen und das eigene Verhalten zu überdenken bzw. zu verändern. Aus der Verhaltenstherapie wissen wir aber, dass nur nachhaltig verändertes Verhalten zu langfristig besseren Ergebnissen führt.

Warum glauben so viele den Alles-ist-möglich-Botschaften der Motivationsgurus?

Aus den gleichen Gründen, warum viele Menschen Fast-Food und billige Instant-Lösungen lieben. Sie vermitteln schnell ein gutes Gefühl, weil es so schön einfach und problemlos klingt. Ein bisschen Visualisieren hier und die richtigen Gedanken dort – und schon wird alles gut! Das klingt deutlich angenehmer als die Herausforderung, sich mit seinem Charakter auseinandersetzen zu müssen und mit großer Selbstdisziplin hart zu arbeiten.

Sie selbst sind – wie Sie schreiben – ja ebenfalls den Ratschlägen der Motivationsgurus aufgesessen und waren quasi betrunken von Ihrer eigenen Großartigkeit…. Wie kamen Sie wieder auf den Boden?

Als meine Konten plötzlich leer waren und meine Ehe zu scheitern drohte, wurde mir bewusst, dass ich mir selbst eine Falle gestellt hatte. Ich war verliebt in meine eigene Image-Broschüre. Durch Autosuggestionen hatte ich mich in eine Richtung gepusht, die zu einer gefährlichen Selbstüberschätzung führte. Die Motivationsmethoden der 90er Jahren hätten mir beinah meine Existenz geraubt. Daher wundert es mich sehr, dass Kollegen, die ähnliches erlebt haben, heute immer noch die alten Motivationsmärchen predigen.

Sie sprechen vermutlich auf Jürgen Höller und Bodo Schäfer an, die hoch geflogen und ebenso tief gefallen sind.

Zu Beginn ihrer Aktivitäten haben Höller und Schäfer tatsächlich Positives für die Weiterbildungsszene bewirkt. Zusammen mit Vera Birkenbihl ist es ihnen gelungen, ein großes Publikum für die Themen Motivation, Persönlichkeit und Erfolgstechniken zu begeistern. Leider war ihre Gier zu groß. Sie haben den Bogen überspannt und mussten einen bitteren Preis dafür zahlen. Ich finde es schade, dass sich beide leider inhaltlich kaum weiterentwickelt haben.

Ist das Wort Motivation durch die Tschakka-Rufe und Feuerläufe nachhaltig negativ besetzt?

Das Wort Motivation selbst nicht, aber „Motivationstraining“ schon. In Gesprächen mit Managern renommierter Unternehmen erfahre ich immer wieder, dass sie sich durchaus neue Motivation für ihre Teams wünschen, aber garantiert keine Schrei-Shows oder esoterischen Schwachsinn buchen möchten.

Was ist denn gefragt in den renommierten Unternehmen?

Ganz einfach: seriöse Arbeit, fundierte Inhalte und professionelle Präsentationen. Meine Kunden schätzen die Mischung aus wissenschaftlicher Motivationspsychologie, lebendigen Praxisbeispielen und niveauvollem Humor. Ein sehr beliebtes Thema bei meinen Veranstaltungen ist „Employer Awareness“, Mitarbeitermotivation durch authentische Wertschätzung.

Ein sehr häufig zitierter Spruch in der Trainerszene ist: Jede Motivation ist Manipulation. Was halten Sie davon?

Wenn mit Motivation die Fremdmotivation und mit Manipulation eine Form von Steuerung gemeint ist, kann ich dieser Ansicht zustimmen. Aber bei der Selbstmotivation ist das etwas anderes. Dabei geht es auch um Energien, die jenseits des Flows Menschen motivieren – als dunkle Triebkräfte. Rache und Neid sind unglaublich starke Motivatoren. Darüber spricht man in der Trainerszene aber so gut wie nie! Dabei liegen in der Auseinandersetzung mit den Schattenseiten der eigenen Persönlichkeit riesige Chancen.

Das müssen Sie genauer erklären: die dunklen Triebkräfte… Wie nutzt man die? Ein Beispiel bitte…

Nehmen wir beispielsweise das Motiv „Zorn“ in Form von Wut und Rache. In „Senkrechtstarter“ erläutere ich u.a. an den Biografien von Carsten Maschmeyer, Gerd Schröder und Oliver Kahn, wie bei ihnen Verletzungen in der Adoleszenz zum kraftvollen Antrieb wurden. Statt die Enttäuschungen des Lebens zu verdrängen, werden sie bewusst wahrgenommen. In Verbindung mit einem stabilen Selbstwertgefühl wird daraus ein mächtiges „Dem zeig ich’s!“ oder ein kämpferisches „Jetzt erst recht!“. Dies wirkt deutlich stärker als jede Affirmation. Diese Tatsache bestätigen auch Untersuchungen aus der Resilienz-Forschung, die sich mit dem Aspekt der „Realitätsakzeptanz“ auseinandersetzen.

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Rolf Schmiel (Foto) ist Diplom-Psychologe. Seit 1999 ist er als Motivationstrainer und Redner tätig. In seiner Arbeit als Trainer distanziert er sich von vielen üblichen Methoden der Motivationsszene. Sein eigenes Motivationskonzept beruht auf Analysen der psychologischen Forschung, der antiken Philosophie und seiner persönlichen Erfahrungen. Er ist außerdem Autor mehrerer Bücher, zuletzt erschien „Senkrechtstarter“ im Campus-Verlag.


Kommentar (1) | Kategorie: Lernen & Lehren, Markt & Meinung

  Seite 1

Comment

  1. Christiane Richter

    Lieber Herr Schmiel,

    Ihrem Artikel kann ich nur beipflichten. Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass mit dem Thema Motivationstraining häufig ein Augenrollen einhergeht. Nach dem Motto: Schon wieder? Adler, Hühner etc. kennen wir schon.

    Auch denke ich, dass ein großer Teil des positiven Erlebens bei Motivations-Großveranstaltungen alleine auf das Konto eben dieser Gruppe geht. Wer je in einem Chor gesungen hat, weiß wovon ich spreche. In einer Gruppe gemeinsam das Gleiche zu machen löst unglaubliche Emotionen aus.

    Naturgegeben kann in einer Großveranstaltung nicht auf jeden Einzelnen eingegangen werden. Doch genau dies ist nötig um nachhaltige Veränderungsprozesse in Gang zu setzen!

    Herzliche Grüße
    Christiane Richter
    ICK Institut für Coaching & Kompetenz

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