#Learntec 2018

Souveränität im digitalen Wandel

Größer denn je, schöner denn je. So präsentierte sich die Learntec vom 30. Januar bis zum 1. Februar 2018 in Karlsruhe. In ihrer 26. Auflage machte die Kongressmesse einmal mehr deutlich: Digital Learning ist mehr als Lernen mit digitalen Medien, es ist Lernen in einer digitalen Welt. Und das erfordert Wandel -, der Organisationen wie ihre Personalentwicklung vor Herausforderungen stellt.

„Digitalisierungsmarathon“. So lautete der Titel einer Podiumsdiskussion am zweiten Messetag. Doch dieser Begriff wollte den Diskutanten nicht so richtig schmecken. Wo ist denn das Ziel, und wann wissen wir, dass wir angekommen sind? Es war Martin Schallbruch, der sich in einer Antwort versuchte: vielleicht die vollständige digitale Abbildung unseres Alltags? Der stellvertretende Direktor am Digital Society Institute (DSI) der ESMT Berlin ergänzte sogleich: „Wenn das das Ziel ist, sind wir erst bei Kilometer 4 oder 5 angekommen.“

Ganz so unpassend war die Metapher des Marathons jedoch nicht, wie die Diskussion zeigte. Die Digitalisierung ist für viele Unternehmen mindestens eine so große Herausforderung wie für einen Läufer ein Marathon, auch braucht es dafür Vorbereitung und Ausdauer, mit einem kurzen Sprint ist es nicht getan. Schallbruch warnte und mahnte: Um auf dem Weg zu bleiben, brauchen wir „digitale Souveränität“. Laut dem ehemaligen IT-Direktor des Bundes sollten wir achtsam bleiben bei unseren Geschäftsmodellen, sie verstehbar halten und uns nicht abhängig machen von externen Plattformen und Programmen, zumindest uns aber die Abhängigkeiten und Zusammenhänge klar machen.

Wenngleich Schallbruch ein strategisches Businessziel ansprach, passte der Begiff der digitalen Souveränität auch gut als Leitgedanke für das Thema Lernen. Denn immer wieder ging es in Karlsruhe um Fragen der Selbstbestimmung beim Lernen, um Fragen der Selbstorganisation, der Wahl des Lernsettings und der Lernmedien. Einer, der den Trend weg vom formalen Training zur selbstverantwortlichen Nutzung verschiedener Lernresourcen schon seit Jahren beschreibt, ist Charles Jennings.

Der eigentlich in Australien geborene, inzwischen in UK tätige Lernexperte ist überzeugt davon, dass Lernkonzepte, für die Mitarbeiter von der Arbeit weggeholt wurden, um sie weiterzubilden, in unserer schnellen VUKA-Welt nicht mehr gut funktionieren. „We learn by doing“ und „Informal learning is far more important than formal training courses“, lauteten die Botschaften seiner Keynote. Vielen Lernexperten ist Jennings vermutlich bekannt von seinen Auftritten auf der Online Educa. Er steht wie kein anderer für das Modell 70:20:10, oftmals missverstanden als Formel, wie Lernformen gemischt werden sollten, von ihm aber propagiert als Change-Modell, um der Personalentwicklung zur Wertschöpfung zu verhelfen. Im Interview redet er über die wichtigsten Lerntrends, sein 70:20:10-Modell und die Verwechslung von Schule und Lernen.




Dass informelles Lernen auch in formalen Kontexten an Bedeutung gewinnt, zeigten Anja Schmitz und Jan Foelsing anhand eines Leadership-Kurses an der Hochschule Pforzheim. Abgesehen von dem Fallbeispiel, das Social Collaboration mittels des Social Intranets Coyo ermöglichte, überzeugte das von Foelsing vorgestellte Modell zum Wandel der Lernmethoden, angelehnt an das Wertemodell von Clare Graves, später weiterentwickelt zu der Theorie Spiral Dynamics. Foelsing hat die Organisationskulturen wie die Lernmethoden einer Farbskala zugeordnet, je nach Führungsverständnis und Freiheitsgrad. In Phase Grün, der Kultur des Konnektivismus, gilt das „share and care“, Peer-Methoden, Mobile Learning und Social Collaboration werden groß geschrieben. In der darauffolgenden Reifestufe, der gelben, geht es um selbstgesteuertes eigenverantwortliches Lernen. Passende Lernmethoden wären: BarCamps, individualisierte und adaptive Lernpfade, Working out Loud...



Das Modell mag veranschaulichen, warum sich auf der Learntec auch dieses Jahr nicht ein einheitliches Bild abzeichnen wollte. Wohin entwickelt sich Lernen? Was sind die Trends? Auf der Messe etwa, die sich dieses Jahr erstmals auf zwei Hallen verteilt hatte, gab es LMSes und WBTs ebenso wie Hololenses und Anwendungen für Künstliche Intelligenz. Anbietergetriebene Lernangebote also, die sich nach der Modell-Logik von Foelsing auch in der Phase blau (Effizienz-Stufe) wieder finden könnten oder in der orange-farbenden Effektivitäts-Stufe. Es bleibt daher ein zweifelhaftes Unterfangen, die Trends auf Messe und Kongress ausmachen zu wollen. Was für die einen alter Hut ist, klingt für andere wie reinste Zukunftsmusik. Der Zusammenschnitt von Statements einiger Lernexperten zu den aktuellen Herausforderungen und den erwarteten Entwicklungen zeigt das Feld der Meinungen:




Fakt ist: Die Digitalisierung spielt der Kongressmesse Learntec in die Hände. Knapp 50 Aussteller mehr und sagenhafte 2.500 Besucher mehr als im Vorjahr bescherten der Veranstaltung ein Rekordergebnis. Die 10.000er Schallmauer wurde durchbrochen, und dabei waren laut Messeleitung sogar über 60 Prozent Erstbesucher.
07.02.2018
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