Andreas Butz

„Laufen macht erfolgreich“

Andreas Butz ist Laufexperte, viele seiner Kunden sind Topmanager. In Gesprächen mit ihnen hat er erkannt: Dass sie so erfolgreich sind, hat etwas damit zu tun, dass sie laufen. Seine laufenden Erkenntnisse hat Butz in seinem neuen Buch „Schwitzen für Erfolg“ festgehalten. managerSeminare sprach mit dem Trainer und Redner bei der Buchpräsentation in Köln.

Interview: Andree Martens Fotos: Thomas Ahrens
Kurze Laufhose und Turnschuhe, dazu Hemd und Sakko – Herr Butz, was hat es mit Ihrem ungewöhnlichen Dress auf sich?

Andreas Butz: Das Dress ist eine Metapher. Sie bedeutet: Laufen macht erfolgreich. Wer läuft, bei dem läuft’s auch im Job. In meinem Buch habe ich diesen Zusammenhang herausgearbeitet, belegt ist er durch mehrere Studien, die etwa zeigen, dass die Läuferdichte in den Unternehmen mit der Hierarchie steigt.

Ist die naheliegende Erklärung für diese Ergebnisse nicht eine andere, viel einfachere: Erfolgreiche Menschen laufen mehr – etwa weil sie disziplinierter sind?

Beide Erklärungen stimmen. Tatsächlich sind erfolgreiche Personen laufaffiner, aber nicht unbedingt, weil sie disziplinierter sind, sondern weil sie einfacher gestrickt sind, man könnte auch sagen stringenter: „Das tut mir gut, dann mache ich das.“ Wobei es ihnen dabei nicht nur um die physische Gesundheit geht, sondern auch um die starken und vor allem um die stärkenden positiven Erlebnisse. Beim Laufen kann man permanent Erfolgserlebnisse sammeln. Schon das Anfangen ist ein Erfolg, das erste Mal 20 Minuten Durchlaufen ist ein Erfolg, die ersten zehn Kilometer sind ein Erfolg, vier Wochen Durchhalten ist ein Erfolg … diese Erfolgserlebnisse steigern das Selbstbewusstsein, das Selbstwertgefühl und die Selbstwirksamkeitserwartung. Deshalb machen selbsterlebte Erfolge erfolgreich, und weil Laufen diese liefert, macht Laufen erfolgreich.

Erfolge kann man auch bei anderen Sportarten sammeln …

Natürlich. Aber bei keiner so einfach wie beim Laufen. Laufen können Sie überall und immer, auch im Urlaub oder auf Geschäftsreise – alles, was man dafür braucht, passt ins Handgepäck. Hinzu kommt, dass bei kaum einem anderen Sport so schnell so viele Glückshormone ausgeschüttet werden wie beim Laufen. Vermutlich hängt das damit zusammen, dass Laufen zu unserer Bestimmung gehört. Der Mensch ist das begabteste Lauftier, das es gibt. Wir können zwar nicht so schnell laufen wie viele Tiere, dafür aber so lange an einem Stück wie kein anderes Lebewesen.

Übt deswegen der Marathon einen so großen Reiz auf viele Menschen aus?

Ja, das spielt eine Rolle. Zudem ist der Marathon eine gewaltige Herausforderung, die Menschen, die bereits sehr viel erreicht haben, die Möglichkeit gibt, sich noch einmal in einem ganz anderen Bereich zu beweisen. Jeder 10. Dax-Vorstand ist schon einmal einen Marathon gelaufen, allerdings nur jeder 600. erwachsene Deutsche. Und wer einen gelaufen ist, läuft meistens auch den nächsten und so weiter. Die sechsmonatige Vorbereitungszeit ist gleichzeitig auch ein Trainingsprogramm in Selbstführung. Man übt sich darin, unter bestmöglicher Ausnutzung – und damit auch Schonung – der eigenen Ressourcen kontinuierlich auf ein großes Ziel hin zuzuarbeiten. Eine Fähigkeit, die auch im Arbeitsalltag enorm wichtig ist.

Sie sind ein Marathon-Junkie, selbst 130 Marathons gelaufen. Haben Sie trotzdem ein Ohr für die Warnungen von Sportmedizinern, Orthopäden Kardiologen und Endokrinologen, die unisono darauf hinweisen, dass solch eine Extrembelastung ungesund ist?

Marathonlaufen ist per se nicht ungesund. Denn Marathonlauf ist nicht gleich Marathonlauf. Ich kenne viele Sammler, die Marathons im Dauerlauftempo laufen. Und dies locker, lächelnd, quasselnderweise. Das können die jeden Monat einmal machen, manche sogar häufiger. Wenn man so weit ist, dann sind Herzkreislaufsystem und Bewegungsapparat auch so gut trainiert, dass auch mal ein schneller Marathon an der Schmerzgrenze nicht schadet. Ungesund und kritisch zu betrachten ist Marathonlaufen nur bei denjenigen, die – zum Beispiel aus einer Wette heraus – in zu kurzer Zeit zu viel erreichen wollen und dementsprechend ungenügend vorbereitet an den Start gehen und dann auch noch Vollgas laufen.

Viele der Topmanager, die Sie in Ihrem Buch zu Wort kommen lassen, schnüren gemeinsam mit ihren Mitarbeitern die Laufschuhe. Was ist der Hintergrund?

Zum einen ein ganz banaler: Laufen macht in der Gruppe mehr Spaß als alleine. Zum anderen haben mir viele Manager berichtet, dass sie in der Laufgruppe mehr Persönliches erfahren, was ansonsten nicht zu ihnen vordringt. Unverblümte Einschätzungen und Beobachtungen der Mitarbeiter oder Sorgen – in lockerer Laufrunde wird über so etwas gesprochen. Und manchmal werden dabei sogar gemeinsam Lösungsansätze und Projektideen entwickelt. Beim Laufen fällt das oft leichter als im Meeting-Raum. Denn wenn der Körper in Bewegung ist, ist auch der Geist beweglicher.

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Der Interviewte: Andreas Butz war Vorstand eines börsennotierten Unternehmens, bis sein Körper revoltierte. 1999 erlitt er den ersten Hörsturz, kurz darauf den zweiten. Er nahm ein Jahr Auszeit und entdeckte das Laufen für sich. Heute arbeitet er als Lauftrainer und Vortragsredner. ******
03.11.2015
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