Projekt Augenhöhe

Ein Film für eine bessere Arbeitswelt

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Aber wohin? Das Projekt Augenhöhe will es zeigen und geht dorthin, wo der Wandel bereits im positiven Sinne gestaltet wird. Mit einem Kamerateam bewaffnet besuchen die Initiatoren Unternehmen, die bereits anders und im wörtlichen Sinn „auf Augenhöhe“ arbeiten. Im Interview erklärt Sven Franke, was es mit dem Projekt auf sich hat und wie sich jeder daran beteiligen kann, der den Wandel der Arbeitswelt beflügeln will. Sie haben ein ambitioniertes Projekt angestoßen. Kurz umrissen: Eine kleine Gruppe von Menschen hat sich zusammengetan und dreht einen Dokumentarfilm, der die Arbeitswelt zum Besseren hin verändern will. Wie das?

Sven Franke: Stimmt, wir wollen etwas verändern. Doch das geht unserer Ansicht keinesfalls über die Schiene “Wir wissen, was gut für Euch ist”. Besserwissen ist ein Killer für echte Veränderungen. Wir wollen Unternehmen zeigen, die erfolgreich anders „auf Augenhöhe“ zusammenarbeiten. Das inspiriert, macht Mut und gibt Ideen, wie denn die eigenen Veränderungen aussehen könnten. Da ist jedes Unternehmen, jeder Mensch direkt selbst gefragt. Verantwortung tragen heißt ja: eigene Antworten geben. In diesem Fall eine gemeinsame Antwort auf die Frage: „Wenn bei uns wirklich auf Augenhöhe gearbeitet wird - was machen wir dann anders?” Da muss dann schon jeder selber denken. Und das trauen wir allen auch zu.

Wie finden Sie die Unternehmen und Menschen, die Sie porträtieren wollen?

Da wir uns schon seit Jahren mit dem Thema Zusammenarbeiten im 21. Jahrhundert beschäftigen, kannten wir bereits vor Start unseres Projektes eine Reihe von Unternehmen, mit denen wir sprechen konnten. Kurz nach der Veröffentlichung unseres ersten Trailers auf Facebook gab es dann weitere Vorschläge aus der Community. Es haben sich auch Unternehmen direkt bei uns beworben. In der Regel besuchen wir diese Unternehmen und sprechen ungestört mit einigen Mitarbeitern und Führungskräften. Und natürlich freuen wir uns über weitere Hinweise auf Organisationen, in denen Augenhöhe bereits gelebt wird.

Worin zeigt sich das Prinzip „Augenhöhe“? Beispiele bitte...

Die Unternehmen, die wir zeigen, haben unter anderem gemeinsam, dass sie aus Verhalten Haltung machen. Letztlich funktioniert das zirkulär: Aus einer anderen Haltung ergibt sich ein anderes Verhalten. Das beeinflusst wiederum die Haltung und das Verhalten anderer - zum Beispiel von Mitarbeitern oder Kunden. Ich kann nur empfehlen: Schauen Sie sich die Trailer an, Sie werden sehr schnell erkennen, was ich damit meine.







Wie zeigt sich denn Augenhöhe beim Thema Führung?

Ach, da könnte man jetzt wieder einen langen, theoretischen Vortrag halten. Oder wieder all die Trendworte bringen: flachere Hierarchie, Vertrauen, Eigenverantwortung, intrinsische Motivation, Selbstbestimmung, Ergebnisorientierung, Sinn und Werte. Doch genau das wollen wir nicht. Ich freue mich jetzt schon auf die Workshops und Events, die die Zuschauer des Films miteinander in Dialog bringen wollen und bei denen sich auch Führungskräfte genau mit der Frage beschäftigen werden: Was haben wir beobachtet? Wie zeigt sich „Augenhöhe”? Was bedeutet das für mich persönlich? Für „Augenhöhe“ gibt es natürlich die oben genannten Zutaten, aber kein Patentrezept, das sich einfach nachkochen ließe. Da darf, da muss jedes Unternehmen und jeder Mensch mit Führungsverantwortung ganz eigene Antworten geben.

Warum eigentlich ein Film? Kann man die neue erwünschte, bessere Arbeitswelt tatsächlich „sehen“?

Nach insgesamt acht Drehtagen in drei unterschiedlichen Unternehmen sind wir sicher: Ja, man kann das sehen, und man spürt es - live und in den Aufnahmen. Wir wollten keine sogenannten Best Practice-Beispiele zeigen, die in den seltensten Fällen jemanden nutzen. Wir zeigen indes, dass jedes Unternehmen seinen ganz eigenen Weg gefunden hat, um auf “Augenhöhe” zusammen zu arbeiten.

Was hat Sie bislang besonders beeindruckt?

Was mich bisher am meisten berührt hat, sind die kleinen Momente und Aussagen. Ein Hausmeister mittleren Alters sagt zum Beispiel: „Du kommst mit einem anderen Gefühl auf Arbeit. Du bist innerlich frei. Du hast das Vertrauen deines Vorgesetzten.” Ein Projektleiter aus der Produktentstehung sagt: „Fehler werden akzeptiert, man lernt daraus und wird einfach auch mutiger.” Oder ein Geschäftsführer, der sagt: „Bei uns geht Wollen vor Können - ohne Sollen und Müssen.“ Das alles sind Aussagen, die vor laufender Kamera einfach aus dem Gespräch entstanden sind. Und jedes Mal Gänsehautmomente waren. Ein weiteres Beispiel ist die Diskussionskultur: Premium-Cola entscheidet alles im Konsent. Das bedeutet: Eine Entscheidung gilt dann, wenn kein Teilnehmer einen schwerwiegenden und begründeten Einwand gegen einen zu fassenden Beschluss hat. Jeder Einzelne könnte also Entscheidungen stoppen. Und trotzdem wird ein Großteil der Entscheidungen innerhalb einer Viertelstunde getroffen.

Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, einen solchen Film zu machen?

Im Dezember 2013 haben wir in einer Open-Space-Veranstaltung von Intrinsify.me die Frage gestellt: „Wie wollen wir im 21 Jahrhundert arbeiten?“ Wir wollten kein Manifest, keine Theorie, sondern beobachtbares Verhalten. Wie fühlt sich der Spirit des 21. Jahrhunderts an? Was sagen die Menschen, die in Unternehmen, in denen der Spirit schon spürbar ist, arbeiten? Kurze Zeit später war die Geburtsstunde der Idee.

Sie wollen Ihre Unternehmung via Crowdfunding finanzieren. Noch bis zum 22. September werden Unterstützer gesucht. Wer sollte warum mitmachen?

Mitmachen sollte jeder, der etwas an seinem Arbeitsplatz verändern und damit die Arbeitswelt positiv gestalten möchte, denn so soll und kann es doch funktionieren: Viele kleine Veränderungen, die angestoßen werden, stärken den Wandel insgesamt, holen ihn aus der Nische… Der Film „Augenhöhe“ wird viel verändern, wenn viele ihn sehen. Damit ihn viele sehen können, soll er für die nicht-kommerzielle Verwendung kostenlos als Creative Common Lizenz erhältlich sein. Und genau deswegen brauchen wir Unterstützer im Crowdfunding.

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Sven Franke ist Unternehmer (Equity Change Management, München) und Mitinitiator von Augenhöhe - Film und Dialog.

Foto: Philipp Hansen vom Team Augenhöhe am Mitmachdrehplan bei allsafe Jungfalk.
31.07.2014 | Von Nicole Bußmann
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