Steve Kroeger im Interview

„Außergewöhnliche Ziele motivieren“

Gestartet ist er als Fitness-Trainer, heute coacht er Führungskräfte mit der von ihm entwickelten 7-Summits-Strategie: Steve Kroeger. Der heute 33jährige hat sie entwickelt bei der Erfüllung seines persönlichen Lebenstraums: Seit 2007 besteigt er die jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente. Jetzt liegt der letzte vor ihm: der Mount Everest. Im Interview erläutert er, was Manager in Grenzsituationen lernen können. Ende März ist es soweit: Sie werden den Mount Everest besteigen. Wie fühlt sich das an?

Steve Kroeger: Im März beende ich meinen siebenjährigen Selbstversuch. Die Besteigung der 7 Summits, der höchsten Gipfel aller Kontinente. 2007 habe ich dieses Bergprojekt gestartet, weil ich herausfinden wollte, wie Selbstmotivation und Teammotivation an unserer körperlichen und mentalen Leistungsgrenze funktioniert. Insgesamt habe ich sieben Jahre meines Lebens in die Realisierung dieses Projektes investiert. Es fühlt sich nach Stolz an. Und gleichzeitig freu ich mich, dieses wirklich aufwendige internationale Bergprojekt nach so langer Zeit abzuschließen.

Der Mount Everest ist der letzte der Gipfel, den Sie sich vorgenommen haben. Was treibt Sie dazu an?

Es ist die Realisierung eines Kindheitstraumes. Es ist die Neugier, erleben und erfahren zu wollen, wie weit ich mit meinem Körper und meinem Geist gehen kann. Und es ist der Wille, anderen Menschen, z.B. Führungskräften und Managern, eine Strategie an die Hand zu geben, mit der sie ihre eigenen Ziele mit Leichtigkeit erreichen können.

Was hat Ihr Leben mit den höchsten Gipfel der sieben Kontinente zu tun?

Bis zu meinem 30. Lebensjahr gar nichts. Geboren bin ich in Winsen / Luhe, einer Stadt zwischen Hamburg und der Lüneburger Heide. Definitiv flaches Land. Fast 10 Jahre habe ich als Personal Fitness Trainer Leistungsträger aus der Wirtschaft zu einem fitteren und gesünderen Leben begleitet. Dabei habe ich festgestellt, dass es viele Menschen gibt, die gar keinen Bock haben, nach einem anstrengenden Arbeitstag noch ins Fitnessstudio zu gehen oder in die Laufschuhe zu springen. 2007 hatte ich zum ersten Mal die Idee, meine Klienten aus den Personal Trainings auf die Besteigung des Kilimandscharos vorzubereiten. Dieses außergewöhnliche Ziel hatte den Effekt, dass meine Klienten plötzlich sehr motiviert waren. Auf dem Gipfel des Kilimandscharos habe ich gemerkt, dass es Orte und Momente gibt, die die Kraft haben, unser Leben zu verändern. Davon wollte ich mehr, und so habe ich mich dann aus dem Bauch heraus entschieden, innerhalb von sieben Jahren die höchsten Berge aller Kontinente zu besteigen. Es gab für mich nie einen Plan B. Ich bin sieben Jahre lang „All In“ gegangen und wollte dieses Projekt einfach realisieren.

Wie bereiten Sie sich auf diesen Trip vor? Körperlich? Mental?

Die Vorbereitung auf den Everest unterscheidet sich nicht wesentlich von der Vorbereitung meiner letzten internationalen Expeditionen zum Denali, dem höchsten Berg Nordamerikas, und zum Mount Vinson, dem höchsten Berg der Antarktis. Am Denali in Alaska war ich in Topform. Für mich gilt es, diese Form von Alaska zu halten. Kurz vor der Expedition habe ich ein Trainingspensum von 10 bis 15 Stunden die Woche. Zu 80 Prozent Ausdauertraining, wie Laufen und Radfahren, und zu 20 Prozent Krafttraining im Fitnessstudio. Meine große Herausforderung in der Vorbereitung ist es, dieses hohe Trainingspensum neben meinem Unterwegssein für Motivationsvorträge und Seminare zu koordinieren.

Gehen Sie allein? Und was für Hilfen gibt es unterwegs?

Ich bin in einem zehnköpfigen Team von international erfahrenen Bergsteigern unterwegs. Zusätzlich haben wir zur Unterstützung ein großes Team von Sherpas, ohne die die Realisierung nicht möglich wäre.

Das wird ja eine Extremerfahrung werden. Mit großer Kälte, wenig Sauerstoff, wenig Schlaf. Wie wird ein „normaler“ Tag ablaufen?

Die Tage auf solchen Expeditionen sind reduziert auf das Wesentliche. Camp aufbauen, für ausreichend Wasser sorgen durch das Schmelzen von Schnee, Essen zubereiten, Camp abbauen, mit Equipment aufsteigen ins nächste Camp, Camp aufbauen.

Sie haben bereits angekündigt, nicht ganz auf den Gipfel zu steigern, sondern im Basecamp Ihr Abenteuer zu beenden.

Ich habe mich bewusst gegen die Gipfelbesteigung des Mount Everest entschieden. Auf einer Höhe von 6.400m, im zweiten Basislager, werde ich meinen siebenjährigen Selbstversuch beenden. Ich war und bin immer ein Freund von Risiken und Grenzsituationen, aber nicht um jeden Preis. In der Todeszone des Mount Everest über Leichen zu gehen, hat für mich persönlich nichts mit Leichtigkeit und sinnvollen Zielen zu tun.

Abgesehen von der Mount Everest-Besteigung machen Sie ja auch Seminarreisen auf den Berg, genauer: Sie besteigen regelmäßig mit Managern den Kilimandscharo. Was lernen Manager dabei?

Seit 2007 habe ich bereits acht Mal erfolgreich die Kilimandscharo-Seminarreise durchgeführt. Kilimandscharo deshalb, weil es der einzige der sieben höchsten Berge der Erde ist, den auch Nicht-Bergsteiger schaffen. Das Ziel der Seminarreise ist nicht, auf dem Gipfel anzukommen, sondern persönliche Erfahrungen zu sammeln, die den Teilnehmern nach ihrer Rückkehr neue Perspektiven und Impulse für ihr Berufs- und Privatleben geben. Während des Auf- und Abstiegs führe ich sieben Reflexionsworkshops durch, in denen es darum geht, die persönlichen Erfahrungen am Berg nachhaltig auf das eigene Leben zu übertragen. Was die einzelnen Teilnehmer dabei lernen, ist eine sehr individuelle Sache. Die Kilimandscharo-Seminarreise funktioniert nach dem Prinzip: raus aus dem Alltag, rein in das Abenteuer. Ein anderes Land, eine andere Kultur, die Intensität im Team (wo jeder auf den anderen angewiesen ist), die Reflexionsworkshops – all das führt dazu, dass die Teilnehmer mit einem neuen Blickwinkel und ganz viel Klarheit darüber, was wirklich zählt, heimkehren.

Wie kann man sich das „Kili-Seminar“ vorstellen: Tagsüber wird gewandert und abends reflektiert?

Die gesamte Kilimandscharo-Seminarreise dauert zehn Tage inkl. An- und Abreise nach Tanzania. 6 Tage die Besteigung, 4,5 Tage hoch und 1,5 Tage runter. Jeden Tag steigen wir ca. 1000 Höhenmeter auf, inklusive eines Akklimatisierungstages auf 3.800 m. Hier findet dann auch der letzte Workshop vor dem Gipfelanstieg statt. Die Workshops dauern ein bis zwei Stunden. Sie setzen neue Impulse, die dann während des Aufstiegs ins nächste Camp bei den Teilnehmern sacken und weitergedacht werden.

Was sind das für Managertypen, die sich für die Besteigung des höchsten Bergs Afrikas anmelden? Was sind ihre Anliegen?

Es sind Manager, die sich persönlich weiterentwickeln und neue Horizonte entdecken möchten. Sie suchen eine persönliche Grenzerfahrung, um zu erleben, zu was sie neben dem Beruf noch in der Lage sind. Und sie befinden sich in einer Lebensphase, in der sie über eine Veränderung nachdenken – privat oder beruflich. Was sie mitnehmen ist Klarheit und Mut für den nächsten wichtigen Schritt in ihrem Leben.

Die Bergmetapher wird in der Personalentwicklung für vielerlei genutzt: Entwicklung von Willenskraft, Visionen, Grenzüberwindung, Teambuilding, Umgang mit dem Ungewissen... Welche Parallelen zur Businesswelt siehen Sie?

Die von mir entwickelte 7-Summits-Strategie ist eine zeitlose und übergeordnete mentale Strategie, mit der es jedem Einzelnen und jedem Team gelingt, mit Leichtigkeit hohe Ziele zu erreichen. Diese Strategie ist Grundlage meiner Motivationsvorträge, meines Buches, meiner Seminare. Es besteht aus den Disziplinen Zielklarheit, Fokussierung, SupportTEAM, Achtsamkeit, Entscheidungsfreude, Feiern und Nachhaltigkeit. Alles Disziplinen, die sowohl am Berg als auch im Berufsalltag entscheidend sind, um Leistung abzurufen. Privat und beruflich ist eine Frage fundamental wichtig: Was will ich in meinem Leben wirklich?

Was haben Sie vor, wenn Sie den Mount Everest hinter sich haben? Dann sind alle sieben Gipfel „bezwungen“, der Kindheitstraum erfüllt. Was kommt danach?

Aktuell schreibe ich an meinem zweiten Buch, das an das erste Buch „Die 7 SUMMITS Strategie – Mit Leichtigkeit persönliche Gipfel erreichen“ anknüpfen wird. Die Veröffentlichung ist für Frühjahr 2015 geplant. Nach dem Everest wird der Fokus von meinem Team und mir darauf liegen, unsere Seminare, Ausbildungen und Firmenvorträge weiterzuentwickeln, um möglichst viele Einzelpersonen, Teams und Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre persönlichen Gipfel zu erreichen: privat, beruflich, unternehmerisch.

Fotos, bereitgestellt von vocato, Köln.

Bild 1: Steve Kroeger 2013 bei der Besteigung des Denali, dem höchsten Berg von Alaska, bei uns besser bekannt als Mount McKinley. Die Nähe zum Nordpol macht ihn zu einem der kältesten Berge der Welt – mit Temperaturen bis unter minus 50 Grad.

Bild 2: Steve Kroeger 2011 auf dem Gipfel des Mount Vinson, dem höchsten Berg der Antarktis.

Bild 3: Der Denali gilt unter Bergsteigern als einer der am schwersten zu besteigenden Berge. Es gibt keine Träger, keine Guides. Kroeger trifft am 24. Mai 2013 die Entscheidung, nicht bis zum Gipfel hochzusteigen. Er hörte auf sein Bauchgefühl. Scheitern war das für ihn nicht.
12.03.2014
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