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Learntec 2008: 'Der Hype ums Web 2.0 ist ausgeblieben'

Das Web 2.0 bietet viele Möglichkeiten für die Weiterbildung, doch die Personalentwickler bleiben skeptisch. Den Grund für die Zurückhaltung zeigte die Learntec vom 29. bis 31. Januar 2008: Bildungsverantwortliche sehen Wikis, Blogs und Podcasts oft als Spielerei. Für sie fehlt es an integrierten Konzepten und an Best Practices.

An E-Learning kommt kein Bildungsverantwortlicher vorbei – dieses Credo vertritt die jährlich stattfindende Learntec seit nunmehr 16 Jahren. In diesem Jahr mussten die Messeverantwortlichen einsehen: In der Praxis ist das digitale Lernen mitnichten so hoch angesehen, wie es die Leistungsschau glauben machen möchte. Die Zurückhaltung beim Thema Bildungstechnologie spiegelte sich im Zulauf zur Karlsruher Kongressmesse wider: 6.000 Besucher hatten Ende Januar 2007 den Weg in die Fächerstadt gefunden – noch mal 1.000 weniger als im vergangenen Jahr. Damit scheint klar: Die Learntec verliert weiter an Bedeutung. Diesen Abwärtstrend konnten auch der inhaltliche Relaunch und der neue Messestandort nicht aufhalten.

Unternehmen interessieren sich wenig für Bildungstechnologie

Warum die Besuchermassen ausgeblieben sind? Eine mögliche Erklärung lieferte Professorin Dr. Sabine Seufert. Die Geschäftsführerin des Swiss Centre for Innovations in Learning (SCIL), St. Gallen, ergänzt seit Mai 2007 die wissenschaftliche Leitung des Branchentreffs für Bildungs- und Informationstechnologie um Dr. Winfried Sommer und Dr. Uwe Beck. Für die Messe hatte Seufert eine Umfrage unter 90 Bildungsexperten aus deutschen und Schweizer Unternehmen initiiert. Untersucht hatte Seufert im Wesentlichen zwei Fragen: Wie relevant sind welche Themen für Bildungsverantwortliche und wann wollen sie sie realisieren?

Die Ergebnisse, die die SCIL-Direktorin auf der Learntec vorstellte, dürften das E-Learning-affine Fachpublikum nicht erfreut haben: Dem Themenfeld Bildungstechnologie maßen die befragten Bildungsexperten die geringste Bedeutung bei. Ihre Ressourcen wollten sie lieber in andere Bereiche investieren, etwa in Unternehmens- bzw. Lernkultur, Bildungsökonomie und Strategie (Plätze eins bis drei).

Den Personalern fehlen Best Practices zum Web 2.0

Dass die Bildungstechnologie so schlecht weg kommt, hat selbst die Studienautorin überrascht. Schließlich hat die Untersuchung auch ergeben, dass das Bildungsmanagement in den kommenden Jahren flexibler auf die Ansprüche von Unternehmen und Lernenden eingehen muss. Und: 'Diese Herausforderungen rufen geradezu nach neuen Technologien', ist Seufert überzeugt. In den Personalabteilungen teilt man diese Schlussfolgerung offenbar nicht. Hier gilt eher die Devise: Wenn schon E-Learning, dann bitte bewährte Technologien. So stehen Lernplattformen, Web-Based-Trainings und Lern-DVDs vergleichsweise hoch im Kurs; Web 2.0-Anwendungen wie Podcasts oder Blogs sind hingegen die Stiefkinder der Personaler.

Doch warum sind Web-Based-Trainings beliebt, während Wikis unter ,ferner liefen, laufen? 'Für Bildungsmanager ist die Effizienz einer Methode wichtig', hat Seufert beobachtet. Die 'Newcomer' des Web 2.0 seien noch wenig erprobt und Bildungsexperten deshalb noch zurückhaltend, vermutet die wissenschaftliche Direktorin der Learntec.
Um Wikis, Podcasts und Blogs zu festen Größen in der Weiterbildung zu machen, fehlt es an Praxiserfahrungen, so Seufert. 'Die Anwender wollen wissen, was ihnen der Einsatz konkret bringt, welche Potenziale in den neuen Technologien stecken.' Um diese Potenziale sichtbar zu machen, will die Learntec künftig vermehrt auf Best Practices setzen.

Vorbilder zeigen – das kann Web 2.0 bei Personalentwicklern populärer machen, meint Seufert. Und dennoch: 'Der große Hype ums Web 2.0 wird nicht mehr kommen', ist die SCIL-Direktorin überzeugt. Sie hat erlebt: Der Umgang der Bildungsverantwortlichen mit den neuen Möglichkeiten ist von Pragmatismus geprägt – pure Technikbegeisterung verleitet keinen Personaler zum Einsatz eines Blogs.

Der persönliche Kontakt bleibt wichtig

Wenig Euphorie für die Möglichkeiten des Web 2.0 hat auch der E-Learning-Anbieter time4you, Karlsruhe, ausgemacht. 'Die Zukunft des Lernens oder: Alles so schön Web 2.0 hier!' ist der Titel der Studie, die time4you auf der Learntec vorstellte. 110 Weiterbildungsexperten sollten für die Erhebung in die Zukunft blicken. Die Frage lautete: 'Was werden aus Ihrer Sicht die ,Stars, in der Aus- und Weiterbildung in den nächsten fünf Jahren sein?' Die 'Stars' in der Lehre sind und bleiben Menschen, so ein zentrales Ergebnis der Umfrage. Insgesamt 60 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass individuelle Coachings und Trainings die Aus- und Weiterbildung auch weiterhin bestimmen werden. 'Der soziale Bezug beim Lernen ist und bleibt sehr wichtig', erklärt Christina Neuhoff von time4you.

Für die E-Learning-Branche bedeutet das Ergebnis zweierlei: Das Lernen am PC wird klassische Trainings und Coachings nicht ablösen, sondern weiterhin ergänzen. Und: 'Soziale Interaktion ist auch in der Bildungstechnologie wichtig', so Christina Neuhoff. Ihr Tipp: 'Es hat sich bewährt, in Lernplattformen kommunikative und kollaborative Elemente zu verankern.' Einen festen Platz in der Weiterbildungsbranche haben sich laut time4you-Umfrage integrierte Lernplattformen und Communities erobert (in Summe 56 Prozent) – sie werden in der Personalentwicklung der kommenden Jahre einen festen Platz haben.

Die Technik hat noch Mängel

Deutlich schlechter sind die Prognosen für Second Life. Nur zwei Prozent der Befragten meinen, dass das Lernen im 'zweiten Leben' langfristig Erfolg haben kann. Ähnlich vernichtend fällt das Urteil in der SCIL-Studie aus: Virtuelle Realitäten waren zum Befragungszeitpunkt bei keinem der befragten Unternehmen Lern-Realität. Der Grund für die Ablehnung: 'Die Szenarien, in denen Second Life in Lernprozessen sinnvoll eingesetzt werden kann, sind noch nicht ausreichend ausgelotet', erklärt Christina Neuhoff. Sie weiß: 'Die Technik muss sich noch weiterentwickeln.' Das scheint derzeit dringend nötig – schließlich kann ein ruckelnder Avatar genauso nerven wie ein stotternder Dozent.


Autor(en): (Corinna Moser)


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