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Bildungsprämie: Wenig Interesse der Geringqualifizierten

Prämiengutschein, Weiterbildungssparen und Weiterbildungsdarlehen sollten die Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland deutlich erhöhen. Ein Zwischenbericht der Bundesregierung macht jedoch wenig Hoffnung: Ein Instrument wird nur zögerlich angenommen, eines lässt sich nicht evaluieren, und eines ist immer noch nicht umgesetzt.

Weiblich, zwischen 25 und 45 Jahre alt und ohne Migrationshintergrund – so sieht die typische Empfängerin eines Prämiengutscheins aus. Das ist das Ergebnis der ersten Evaluation des Bildungsgutscheins, die die Bundesregierung im Februar 2010 vorgelegt hat. Anlass war eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion. 'Wir wollten wissen, ob das Instrument tatsächlich die Menschen erreicht, für die es eingerichtet wurde', erklärt Dr. Ernst Dieter Rossmann, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Das Förderinstrument wurde am 1. Januar 2009 von der damaligen CDU/SPD-Regierung ins Leben gerufen und soll vor allem geringqualifizierte Menschen mit niedrigen Einkommen zur Weiterbildung motivieren. Die Regierungsparteien CDU und FDP sind der Meinung, dass es ihnen gelungen sei, 'einige bildungsferne Gruppen' gut zu erreichen. Als Beispiel werden in Drucksache 17/735 'Menschen mit Migrationshintergrund' genannt, die allerdings nur 15 Prozent der Gutscheinempfänger ausmachen. Wenig Anklang findet das Förderinstrument auch bei Menschen, die zwischen 45 und 55 Jahre alt sind (fünf Prozent).

Ist die Eigenbeteiligung eine zu große Hürde?

Ein weiteres Studienergebnis zeigt auf, dass die Bildungsprämie ihr Ziel im ersten Jahr nicht erreicht hat: Personen ohne beruflichen Bildungsabschluss machen nur sieben Prozent der Gutscheinempfänger aus. 62 Prozent – und damit die größte Gruppe – stellen die Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung oder Hochschulreife, 30 Prozent haben sogar eine abgeschlossene Meister- oder Technikerausbildung. Die Zahlen deuten darauf hin, dass bei der Konzeption des Bildungsgutscheins erneut nachgebessert werden muss. Bereits am Jahresanfang war die maximale Förderhöhe von 154 auf 500 Euro angehoben worden, um die Motivation der Zielgruppe zu erhöhen. 'Vielleicht muss man auch den Eigenanteil überdenken', erklärt Rossmann im Gespräch mit Training aktuell. Seine Argumentation: Menschen ohne beruflichen Bildungsabschluss verdienen meist besonders wenig und scheitern an der 50-prozentigen Eigenbeteiligung.

20 Euro pro Beratung sind zu wenig

Bis Februar 2010 hatte die Bundesregierung rund 12.000 Prämiengutscheine ausgegeben. 'Diese Quote ist sehr mau', findet Rossmann. Ein Grund dafür könnten fehlende Beratungsstellen sein. Deutschlandweit 701 Anlaufstellen sollen den Prämiengutschein ausstellen, im Februar 2010 arbeiten allerdings erst 488 Einrichtungen. 'Der Aufbau der Beratungsstellen ist sehr viel schwieriger, als wir uns das gedacht haben', gibt Rossmann zu. Ein Grund: 20 Euro bekommt ein Berater pro Gespräch – 'für viele ist das offenbar kein Anreiz, um ihr Angebot auszuweiten', mutmaßt Rossmann.

Das Weiterbildungsdarlehen ist nicht in Sicht

So durchwachsen die Zwischenbilanz für den Prämiengutschein auch ausfällt: Unter den drei Förderinstrumenten, die die damalige Bundesregierung 2009 eingeführt hatte, ist er noch das erfolgreichste. Über die Nutzung des Weiterbildungssparens, also die Verwendung vermögenswirksamer Leistungen für Weiterbildungen, kann die Bundesregierung nach eigenen Angaben keine Auskunft geben. Man arbeite an einer Nutzerbefragung, heißt es in der Bundestagsdrucksache. Für das Weiterbildungsdarlehen, das teure Qualifizierungen möglich machen soll, fehlt immer noch ein Konzept. Das will die Bundesregierung nun im 'Laufe der Legislaturperiode' vorlegen. Rossmann hat dafür kein Verständnis: 'Es gibt keinen Grund, warum mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau immer noch keine Konditionen ausgehandelt wurden.' Überhaupt betreibe die Bundesregierung eine 'unambitionierte Weiterbildungspolitik', bemängelt der Oppositionspolitiker. 'Wir müssen Weiterbildung populär machen und die Betriebe stärker ins Boot holen. Sonst können wir dem Fachkräftemangel nichts entgegensetzen.'

Autor(en): (Corinna Moser)


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