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Weiterbildner auf dem Weg zur Professionalisierung

Ein Buch mit sieben Siegeln ist die Erwachsenenbildung oft. Was kann der Ausbilder? Was bringt das Seminar? Licht in dieses Dunkel bringen könnte der Europäische Qualifikationsrahmen (EQF) - denn er schreibt seit September 2006 erstmals Qualifikationsniveaus fest. Für die Weiterbildung kann das eine große Chance sein, wie eine Tagung des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung vom 9. bis zum 10. Oktober 2006 zeigte.

Lehren ohne selbst zu lernen, das ist eine ungünstige Kombination. Diese These war schon zu Beginn des Forums 'Die (unvollendete) Professionalisierung in der Weiterbildung' unumstritten. Die 120 Teilnehmer, die der Einladung des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) am 9. und 10. Oktober 2006 nach Bonn gefolgt waren, diskutierten aber umso kontroverser die Frage, wie sich das unbestrittene Postulat der eigenen Weiterbildung nicht nur umsetzen, sondern wie sich die eigene Qualifikation auch transparent und bewertbar machen lässt.

Der Knackpunkt: Sowohl Arbeitsumstände als auch Ausbildungen der Erwachsenenbildner sind sehr unterschiedlich. Deutlich wurde das beispielsweise im Vortrag von Professor Wiltrud Giesecke von der Humboldt-Universität Berlin. Aus einer Studie zitierte sie, dass das Durchschnittsalter von Berufsanfängern in der Erwachsenenbildung bei 36 Jahren liegt. In der Praxis bedeutet das, dass die Lehrenden oft jahrzehntelang Erfahrungen in verschiedenen Lebensbereichen und Berufen gesammelt haben - und mit völlig unterschiedlichen Kompetenzen und Kenntnissen vor die erwachsenen Lernenden treten.

Der EQF nimmt inhaltlich Gestalt an

Eine Vergleichbarkeit der bereits vorhandenen Qualifikationen ist jedoch nötig, betont Professor Klaus Meisel, Managementdirektor der Münchner Volkshochschule. Immerhin 3.000 freie Mitarbeiter unterrichten für den öffentlichen Träger in der bayerischen Landeshauptstadt, berichtete Meisel aus seinem Arbeitsalltag. Schon aus Eigeninteresse sei es nötig, Standards zu definieren und die Ausbildungen der eigenen Dozenten vergleichbar zu machen. Doch wie allgemeine Standards definieren? 'Der Europäische Qualifikationsrahmen kann Anhaltspunkte liefern', findet der VHS-Vertreter.
Der EQF als Wegweiser - die These stützte auch Klaus Fahle, Geschäftsführer der nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Er stellte den Qualifikationsrahmen vor - und hatte dabei erstmals etwas zur inhaltlichen Ausgestaltung zu berichten. Denn die Europäische Kommission hat im September 2006 nach langer Vorarbeit endlich die wesentlichen Grundzüge des EQF verabschiedet.

Das Konzept sieht je acht Qualifikationsniveaus in den drei Kernfeldern 'Kenntnisse', 'Fertigkeiten' und 'Kompetenzen' vor. Wer demnach z.B. über 'grundlegendes Allgemeinwissen' verfügt, der wird im Bereich Kenntnisse in das erste Qualifikationsniveau eingeordnet. Die höchste Stufe wird bei 'Spitzenkenntnissen in einem Arbeits- oder Lernbereich' zugesprochen. Mithilfe dieses Gerüsts sollen alle Qualifikationen systematisiert werden, die in den europäischen Aus- und Weiterbildungen aller Berufgruppen erworben werden.

Das Raster ist also vorgegeben; nun muss im nächsten Schritt geklärt werden, welche Bildungsangebote zu welchem Qualifikationsniveau befähigen - und dies zunächst auf nationaler Ebene. Der Nationale Qualifikationsrahmen (NQF) soll systematisieren, welche in Deutschland angebotenen Ausbildungen welche Kenntnisse und Kompetenzen erwarten lassen, erklärte Fahle. Das Problem: Bislang hat sich die Erwachsenenbildung kaum an der Diskussion um den NQF beteiligt. 'Sie müssen sich in die Gestaltung einmischen', appellierte der BIBB-Vertreter an die Teilnehmer.

Die Weiterbildner müssen sich einbringen

Als Lohn des Engagements dürfen die Erwachsenenbildner zwei Vorteile erwarten: Mithilfe der festgeschriebenen Qualifikationsniveaus können sie ihre eigene Ausbildung vergleichbar machen und haben Anhaltspunkte, wo eine Investition in die eigene Qualifizierung Sinn ergibt, formulierte eine Teilnehmerin. Einen weiteren Vorteil nannte Wolfgang Klenk von der Volkshochschule Stuttgart: 'Die Erwachsenenbildung könnte ihre Produkte neu positionieren', hofft er. Will heißen: Mit einem erwartbaren Lernziel verkauft sich ein Kurs allemal besser - Europa sei Dank!
Autor(en): (com)
Quelle: Training aktuell 11/06, November 2006
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