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VTT 2021 – Virtuelle Thementage
VTT 2021 – Virtuelle Thementage

Auf zu neuen Lernufern

New Leadership, New Learning, New Business – um diese Themenfelder drehten sich die ersten Virtuellen Thementage (VTT) des Verlags managerSeminare im April 2021. Die Veranstaltung lieferte zahlreiche Impulse für Weiterbildungsprofessionals. Und zeigte: Auch digitale Events können Lust darauf machen, zu neuen Lernufern aufzubrechen. 
Cover Training aktuell 05/21 vom 03.05.2021

Vom Berg aufs Schiff – so hieß es für die Teilnehmenden der Virtuellen Thementage (VTT), die managerSeminare vom 15.-17. April 2021 erstmals veranstaltet hat. Traditionell lädt der Verlag immer im April zu den Petersberger Trainertagen (PTT) nach Königswinter ein. Doch dieses Mal war aufgrund von Corona eine Präsenzveranstaltung auf dem Berg nicht möglich. Der Veranstalter entschied sich für eine digitale Lösung. Gestreamt wurde aus einer Location, die den VTT einen besonderen maritimen Charme verlieh: das Museumsschiff Cap San Diego mitten im Hamburger Hafen.

Nicole Bußmann, Chefredakteurin von managerSeminare, begrüßte die Teilnehmenden denn auch mit einem seemännischen „Ahoi!“ und führte sie als Kapitänin „durch die Wellen und Wogen der VUKA-Welt' – immer begleitet von Ralf Schmitt, Moderator, Speaker und Geschäftsführer der Impulspiloten GmbH. Die Keynotes, Workshops, Deep Divings und Austauschrunden drehten sich dabei um die Themen New Leadership, New Learning und New Business. Sie lieferten den rund 500 Teilnehmenden Konzepte, Ideen und Anregungen für die neue Wirklichkeit der Personalentwicklung.

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Vom New Learning noch weit entfernt

Denn dass sich die Weiterbildung in den vergangenen zwölf Monaten grundlegend gewandelt hat, wurde auf den VTT immer wieder deutlich. „Digital ist das New Normal, Präsenz wird zur begründeten Ausnahme“, brachte es Anja Schmitz in ihrer Keynote auf den Punkt. Die Professorin für Personalmanagement/HRM an der Hochschule Pforzheim erklärte, dass Realität und Digitalität immer stärker verschwimmen und der digitale Reifegrad einer Organisation damit zum wesentlichen Resilienzfaktor wird. Allerdings gab sie auch zu bedenken, dass wir von einem tatsächlichen New Learning noch weit entfernt sind. Denn so, wie ein Kickertisch noch keine New Work macht, schaffen Zoom-Konferenzen & Co. noch kein New Learning. „Digitalisierung ist notwendig, aber nicht hinreichend“, so Schmitz.

Digital ist das New Normal, Präsenz wird zur begründeten Ausnahme.

Neben der Digitalisierung identifizierte Schmitz mehrere Prinzipien, die ihrer Auffassung nach für ein wirklich neues Lernen zentral sind:

  • Sinnstiftung: Den Lernenden muss klar werden: Warum ist das, was ich tue, für mich relevant? Und warum ist es für die Organisation relevant?
  • Potenzialentfaltung: Die anstehende Transformation werden Unternehmen nur dann bewältigen, wenn sie ihre Mitarbeitenden gemäß ihrer Potenziale einsetzen und sie dabei unterstützen, diese noch weiter zu entfalten.
  • Empowerment: Lernprozesse müssen so aufgesetzt werden, dass Selbstbestimmung und -bedeutsamkeit möglich sind. Lernende müssen sich als kompetent und wirksam erleben können.
  • Zugehörigkeit: Lernende brauchen das Gefühl, zu einer Lerngemeinschaft zu gehören – ein wesentlicher limitierender Faktor für klassische digitale Lernformate wie E-Learning-Kurse.

Kultur first, Technik second

Dieses New Learning bringt sowohl für die Mitarbeitenden als auch für die Unternehmen neue Herausforderungen mit sich:Lernende brauchen noch einmal deutlich mehr Selbstverantwortung und Lernkompetenz als für traditionelle Weiterbildungen. Hierzu gibt es ermutigende Studien, die belegen, dass Menschen heute mehr Verantwortung für ihr eigenes Lernen übernehmen wollen – immer vorausgesetzt, sie erkennen den Sinn dahinter. Gleichzeitig steigen ihre Ansprüche an Lernformate und -inhalte besonders in Bezug auf deren Bedürfnisorientierung.

Unternehmen wiederum benötigen eine Lernkultur, die diesen grundlegenden Prinzipien nicht im Weg steht, sondern sie aktiv fördert. Auch passende Lernsettings, Tools und Methoden spielen eine Rolle. Allerdings: „Tools sind nur Support-Faktoren, sie stehen nicht im Fokus“, betonte Schmitz. Also: Kultur first, Technik second.

Tools sind nur Support-Faktoren, sie stehen nicht im Fokus.

Aus Mitarbeitenden Organisationsveränderer machen

Wie sich das Lernen von Individuen und von der Organisation als Ganzes miteinander verzahnen lassen, erklärte dann der Workshop von Jo Kristof, Beraterin, Trainerin und Coach. Die Gründerin von It's about Leadership warf einen systemischen Blick auf das Lernen in Unternehmen. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen war eine Beobachtung, die viele Trainerinnen und Berater machen: Die Mitarbeitenden bilden sich weiter, das neue Wissen wird aber im Unternehmen nicht umgesetzt und verpufft einfach. „Ich kann nicht kontrollieren, was eine Organisation mit dem Impuls macht“, betonte Kristof. Etwas, das viele Weiterbildungsprofessionals nur schwer aushalten können, wie ein Workshop-Teilnehmer (selbst-)kritisch einwarf.

Doch wie lässt sich dieses altbekannte Problem nun lösen? „Ich muss anschlussfähig irritieren. Lernen muss also so gestaltet werden, dass die Organisation etwas damit machen kann“, erklärte Kristof. Dafür brauchen die Mitarbeitenden eine hohe Beobachtungskompetenz – sie sollen quasi wie Anthropologen auf das eigene Unternehmen schauen. Der Weg dazu führt über sogenannte Learning Experiences – Programme, bei denen die Teilnehmenden vielfältigen Input bekommen: Wissensimpulse, Fragen zur Selbstreflexion, Begleitung durch einen Coach, Peer Group Sessions etc. So können aus den Lernenden Schritt für Schritt Organisationsveränderer werden und aus Unternehmen schließlich lernende Organisationen.

Lernende brauchen eine hohe Beobachtungskompetenz – sie müssen wie Anthropologen auf das eigene Unternehmen schauen.

Hologramm-Vortrag feiert Premiere

Auch wenn Kultur, Haltung und Anschlussfähigkeit für New Learning also wichtiger sind als die eingesetzten Tools, ist Technik dennoch ein Einflussfaktor. Entsprechend boten die VTT auch spannende Einblicke in neue technische Möglichkeiten des Lernens. Eine echte Deutschland-Premiere feierte der Keynote Speaker Erik Händeler mit seinem Hologramm-Vortrag zum Thema „Wie verhindern wir die nächste Krise?“ (siehe Foto). Die 3-D-Effekte versetzten die Zuschauenden in Staunen: Als Händeler zu Beginn seiner Keynote versprach, sie mit auf eine Achterbahnfahrt in die Zukunft der Wirtschaft zu nehmen, rauschte ein eben solches Gefährt einmal quer durch den Raum auf das Publikum zu. Rätselte Händeler, welche Fragen wohl ein Alien der Menschheit stellen würde, flog ein UFO einmal durch ihn hindurch, landete neben ihm und spuckte einen freundlichen Außerirdischen aus.

Service

Die Aufzeichnungen und Präsentationen der Workshops finden die VTT-Teilnehmenden auf der Event-Plattform Talque: www.talque.com 

Im kommenden Jahr finden wieder wie gewohnt die PTT auf dem Petersberg in Königswinter statt. Termin: 1.+2. April 2022. Link: www.petersberger-trainertage.de 

www.trainingaktuell.de; Miriam Wagner

Die Technik dahinter ist brandneu: Vor der Bühne wird eine dünne Hologramm-Leinwand gespannt. Der Speaker auf der Bühne wird gut ausgeleuchtet, während ein leistungsstarker Beamer 3-D-Animationen auf die Leinwand projiziert. Für das Publikum scheint sich dadurch der Redner inmitten der animierten Elemente zu bewegen. „Beeindruckend“ und „atemberaubend“ waren die häufigsten Kommentare zu Händelers rasantem Hologramm-Vortrag.

Erik Händeler bot mit seinem Hologramm-Vortrag eine Deutschland-Premiere und begeisterte das Publikum mit 3-D-Effekten.   Foto: Erik Händeler

Erleben durch VR ermöglichen

Emotionen lassen sich aber auch durch Virtuelle Realität erzeugen, wie der Workshop von Marc Chmielewski (Movendo) und Sebastian Seidel (TwinC) bewies. Eine Abfrage zu Beginn zeigte, dass zwar einige Workshop-Teilnehmende erste Erfahrungen mit VR haben, nur sehr wenige sie aber bereits selbst im Training einsetzen. Dabei passt diese Technik gut in die aktuelle Zeit, denn laut Chmielewski gibt es eine Lücke im digitalen Lernen, die sich mit VR schließen lässt: das Erleben. Die beiden Referenten demonstrierten an einer von ihnen gestalteten VR-Lerneinheit, wie das funktioniert. Dabei zeigten sie die Inhalte, die normalerweise eine Trainingsteilnehmerin als 360-Grad-Video in ihrer VR-Brille sieht, auf dem Bildschirm.

Beim digitalen Lernen gibt es eine Lücke: das Erleben. Sie lässt sich etwa mit VR schließen.

So tauchten die VTT-Teilnehmenden in eine Szene ein, die anhand des „House of Change“-Modells Emotionen in Veränderungsprozessen veranschaulichte. Für jede Emotion in dem Modell (Zufriedenheit, Verleugnung, Verwirrung, Erneuerung) war in der VR-Umgebung ein eigener Raum angelegt. Im Raum, der Verleugnung aufzeigte, diskutierten z.B. rund zehn Menschen hitzig miteinander. Gelbe Icons in der VR-Umgebung machten darauf aufmerksam, dass man sich einzelne Untergruppen (z.B. die Lauten, die Passiven) genauer anschauen konnte. Auch war es möglich, die Szene aus dem Blickwinkel einer Führungskraft von einem höheren Stockwerk aus zu betrachten. An dieser Stelle lassen sich im Training Reflexionsfragen einfügen, etwa wie ein sinnvolles Führungsverhalten in dieser Situation aussehen könnte. Die VTT-Teilnehmenden waren angetan: Sie fanden mehrheitlich, dass es die VR-Umgebung gut schaffte, die Emotionen in Veränderungsprozessen wirklich erlebbar zu machen – ein wichtiger Schritt, um zu neuen Lernufern aufzubrechen.

Die Autorin: Miriam Wagner

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