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Nehmen und Geben

Ungewöhnliche Interaktionsformate (Teil 2

Kongresse, Tagungen, Symposien – wissensintensive Veranstaltungen folgen immer noch weitgehend dem Modell hierarchischer Einbahnstraßenkommunikation. Dass Wissensaustausch auch anders funktionieren kann, zeigen offene, vom Internet inspirierte Veranstaltungsformate.

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Wenn sich am 18. November 2011 Bildungsexperten aus allen Bereichen zum achten EduCamp treffen, wird noch niemand wissen, worüber genau sie sich unterhalten werden. Nur das Oberthema – der Einsatz digitaler Medien für die Wissensvermittlung – ist vorgegeben, es ist dasselbe wie bei jedem EduCamp. Das eigentliche Programm legen erst die Teilnehmer selbst zu Beginn jedes der drei Veranstaltungstage fest. Selbst­organisation ist das Credo des EduCamps, der vielleicht bekanntesten Unkonferenz in Deutschland.

Unkonferenzen sind, wie der Name schon sagt, in vielen Dingen das Gegenteil herkömmlicher Konferenzen. 'Bei klassischen Veranstaltungen findet zuvor ein Call for Contributions statt, Paper werden eingereicht, der Veranstalter entscheidet, welche Beiträge die interessantesten sind, lädt Referenten ein und leget danach das Programm fest', erklärt Thomas Bernhardt von der Universität Bremen, einer der Mitbegründer des EduCamps. Bei einer Unkonferenz gibt es das alles nicht. Statt einer zentralen Steuerung kommt hier ein Verfahren zum Einsatz, das als basisdemokratisch bezeichnet werden könnte: 'Jeder kann selbst Themen vorschlagen, die ihn interessieren. Per Handzeichen wird dann abgestimmt, ob sie Gegenstand eines Workshops oder einer Diskussionsrunde werden', so Bernhardt. Finden sich genügend Interessenten, wird dem Thema ein Slot im Programm eingeräumt.

Jeder Teilnehmer kann sich bei diesem spontanen Verfahren urplötzlich in der Position eines Seminarleiters wiederfinden, weil er vielleicht eine interessante Frage aufgeworden hat, die der Klärung bedarf. Einen Anspruch darauf gibt es jedoch nicht, Themen wie Referenten können vom Publikum abgelehnt werden. Damit verändert sich bei Unkonferenzen, die auch Barcamps genannt werden, das Verhältnis von Referent und Teilnehmer. Statt einer frontalen und hierarchischen Wissensvermittlung vom Experten zum Zuhörer entsteht im Idealfall ein echter Austausch zwischen Gleichberechtigten.

Extras:

  • Offene Formate: Was sich hinter Unkonferenz, Brownbag Meeting und Murmelgruppe verbirgt
  • Vier Veranstaltungstrends: Was die neuen Formate auszeichnet

Autor(en): Sascha Reimann
Quelle: Training aktuell 07/11, Juli 2011, Seite 38 - 40 , 11849 Zeichen

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