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Rezension: Systemisches Coaching

Die Zahl der Veröffentlichungen zum Thema 'systemisches Coaching' wächst - allzu oft bleibt dabei die Qualität auf der Strecke. Anders bei dem Buch von Eckard König und Gerda Volmer: Sie zeigen sowohl die theoretische Grundlage als auch die praktische Umsetzung einer systemischen Beratung. Dabei beziehen sie sich auf die 'personale System-Theorie' nach Bateson und Watzlawick. Demnach ist ein soziales System gekennzeichnet durch die handelnden Personen, ihre subjektiven Deutungen, durch seine offiziellen bzw. inoffiziellen sozialen Regeln, regelmäßig wiederkehrende Verhaltensmuster, seine Umwelt und die bisherige Entwicklung.
Wie das Modell angewendet werden kann, zeigen König und Volmer am Beispiel von Herrn Berg: Er will als neuer Bereichsleiter seine Position sichern und lässt sich beraten. Das Erstgespräch dient dem gegenseitigen Kennenlernen, der Orientierung über die Funktion von Coaching, Thema und Ziel. Es werden Indikatoren für den Erfolg der Beratung festgelegt, z.B. mit der Frage: 'Woran würden Sie merken, dass sich Ihre Position gegenüber Mitarbeitern und anderen Bereichsleitern gefestigt hat?' Zeitliche und finanzielle Rahmenbedingungen werden abgeklärt ebenso wie Vertraulichkeit und 'Meilensteine' als Zwischenreflexion. Ein schriftlicher Vertrag hält die Ergebnisse der Erstbesprechung fest.
Nun kann das Coaching losgehen. Die Autoren unterscheiden dabei die Phasen Orientierung, Klärung, Veränderung und Abschluss. Zunächst gilt es, einen guten Kontakt zum Coachee aufzubauen, Thema und Ziele zu klären, Orientierung zu geben über die Zeit, das Vorgehen und die Rolle anderer Beteiligter. Unterschiedliche Methoden können in der Klärungsphase dienlich sein: freies Erzählen, Fokussieren auf eine konkrete Situation, Paraphrasieren und Strukturieren oder Gefühle widerspiegeln. Anschließend werden (Teil)Ziele festgelegt, bisherige Lösungsversuche gesammelt, neue Möglichkeiten entwickelt und ihre Umsetzung vorbereitet. In der Abschlussphase fasst Herr Berg ein Resümee und entwickelt einen Handlungsplan. Mit Vereinbarungen über die weitere Zusammenarbeit endet das Coaching.
Ihren Schwerpunkt legen die Autoren auf die 'Prozessberatung', die durch geeignete Hilfsmittel den Coachee darin unterstützt, selbst die passenden Lösungen zu finden. Im Unterschied dazu gibt der Coach in der 'Expertenberatung' Anregungen auf der Basis seiner Erfahrung und seines Wissens. Fundiert werden Diagnoseverfahren vorgestellt wie die Visualisierung in allen Phasen des Coachings sowie die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Interviews. Einziges Manko: Die Gestaltung der Beziehung zwischen Coach und Coachee sowie der Umgang mit Gefühlen kommt zu kurz.

Fazit: Für systemisches Coaching eine theoretisch wie praktisch fundierte Grundlage: übersichtlich, lesbar, mit vielen Literaturtipps.

Von Eckard König und Gerda Volmer, 192 S., geb., Beltz Verlag, Weinheim und Basel 2002, ISBN 3-407-25266-8, 22,90 Euro.
Autor(en): (Hubert R. Kuhn)
Quelle: Training aktuell 09/02, September 2002
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