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Junior Manager: Schwächen im Delegieren und mangelndes Verantwortungsbewußtsein

Deutsche Junior Manager haben ein grundlegend falsches Berufsverständnis, das sich für die Wirtschaft zunehmend zu einer Belastung entwickelt. So das wenig erbauliche Fazit einer Umfrage des Management Zentrums St. Gallen (MZSG) unter 120 Nachwuchskräften, erfahrenen Managern und Personalverantwortlichen deutscher Unternehmen. Marina Bösch, Geschäftsführerin des Bereichs Seminare & Conventions am MZSG, stellte die Ergebnisse auf einem Pressegespräch am 26. März 1998 in Düsseldorf vor. Der Studie zufolge sind vier von fünf Nachwuchs-Managern der Überzeugung, daß Management eine Berufung ist, von Talent und Persönlichkeit abhängt und deswegen auch nicht erlernt werden kann. Vielleicht ist diese verbreitete Einstellung ein Grund dafür, daß auch die Qualifizierungsmaßnahmen bis dato eher ein Mauerblümchendasein fristen. Bösch: 'In keinem anderen Beruf ist die Ausbildung so schlecht wie im Management.' Besonders schwer wiegen die Defizite im Einsatz von Management-Instrumentarien und im Bereich der sozialen Kompetenz. So bescheinigen mehr als Dreiviertel der erfahrenen Manager ihren potentiellen Nachfolgern erhebliche Schwächen bei der Delegation. Dabei stellt diese ein Schlüsselmoment erfolgreicher Führung dar. Wer nicht in der Lage ist, gleichermaßen Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung abzugeben, um sich damit selbst zu entlasten, wird nie brauchbare Resultate erzielen.
Daß zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung bisweilen Welten liegen, zeigen die Umfrageergebnisse zur sozialen Kompetenz. Drei von fünf Vorgesetzten und Personalverantwortlichen attestieren ihrem Nachwuchs bei dieser unerläßlichen Führungseigenschaft erhebliche Defizite. Umgekehrt halten sich drei von fünf Junior Managern für sozial kompetent. Und: Kein einziger der befragten Junioren gestand sich häufig auftretende Mängel hinsichtlich seiner sozialen Kompetenz ein. Immerhin fallen diese aber jedem fünften Personalverantwortlichen und ebenso jedem fünften Vorgesetzten regelmäßig ins Auge. Auch das Verständnis dessen, was soziale Kompetenz letztlich ausmacht, unterscheidet sich erheblich: Empathie und Verständnis für die Mitarbeiter sind für die Nachwuchsmanager die wichtigsten Merkmale. Nur sieben Prozent sind hingegen der Meinung, daß soziale Kompetenz auch den Aspekt umfaßt, Verantwortung für andere zu tragen. Bei den erfahrenen Managern zählt dies mit 19 Prozent zu den wichtigsten Aspekten schlechthin. Offensichtlich ist dem Führungsnachwuchs die gesellschaftliche Dimension der Managementaufgabe nicht hinreichend bewußt.
Die Ergebnisse will Bösch als Appell verstanden wissen, Management endlich als erlernbaren Beruf zu begreifen und den Nachwuchs auf die damit verbundenen Aufgaben weitaus professioneller als bisher vorzubereiten. Zugleich warnt sie Unternehmen vor der Hoffnung, es würden zukünftig ausreichend High potentials nachwachsen, um die sich abzeichnenden Engpässe an Management-Know-how zu kompensieren: 'Das Naturtalent ist eine Ausnahmeerscheinung.'
Immerhin ergab die Umfrage auch Positives: Der Nachwuchs ist ausgesprochen teamfähig und verfügt über eine hohe Lernbereitschaft. Was kann er also tun? 'Früh Führungserfahrung sammeln', rät Bösch, 'möglichst in überschaubaren Projekten.' Und: 'Sich keinen angenehmen, sondern einen kompetenten Chef suchen.'
Autor(en): (jgr)
Quelle: Training aktuell 04/98, April 1998
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