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Fröhlich führt nicht

Geschlechter-Stereotype


Angela Merkel kommt rein optisch nicht gerade als Sonnenschein rüber. Seit Jahren lästert das Land über ihre 'heruntergezogenen Mundwinkel'. Doch mit einem freundlicheren Ausdruck im Gesicht wäre aus ihr womöglich keine Bundeskanzlerin geworden. Zumindest wollen Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) in einer aktuellen Studie festgestellt haben, dass Frauen vor allem dann weniger Führungswille zugetraut wird als Männern, wenn sie fröhlich wirken. Isabell Welpe und Prisca Brosi führten vier experimentelle Studien mit 1.876 studentischen und berufstätigen Probanden durch. In einem Experiment wurden den Probanden Fotos von Personen mit unterschiedlichen Gefühlsausdrücken vorgelegt: neutral, stolz oder fröhlich. Das Resultat: Eine Person, die auf dem Foto stolz wirkte, wurde besonders häufig als führungswillig eingeschätzt – und zwar egal, ob Mann oder Frau. Ohne Emotion im Gesicht und mit einem fröhlichen Ausdruck wurden indes Männer generell für führungswilliger gehalten als Frauen. Am größten war der Abstand zwischen den fröhlichen Männern und Frauen. Da anderen Untersuchungen zufolge tatsächlich derjenige größere Chancen auf einen Führungsposten hat, der als besonders führungswillig wahrgenommen wird, ein bedenkliches Ergebnis.

In weiteren Experimenten legten die Wissenschaftlerinnen den Probanden kurze schriftliche Szenarien vor, in denen Männer und Frauen in Führungs- und Mitarbeiterrollen interagierten, in einem Fall eine Delegationsszene. 'Die Probanden schrieben den interagierenden Personen hier objektiv ähnliche Kompetenzen und Eigenschaften zu, gleichgültig ob es sich um Männer oder Frauen handelte', kommentiert Brosi. Das Erstaunliche aber sei: 'Wenn ein Mann der Delegierende war, erwarteten die Probanden vom Mitarbeiter eine bessere Leistung.' In einer anderen Szene ließ die 'Führungsperson' dem 'Mitarbeiter' beim Delegieren mal mehr, mal weniger eigenen Handlungsspielraum. Die Probanden beurteilten einen dominanten Chefauftritt zwar generell eher negativ – bei Frauen aber deutlich negativer als bei Männern. Wobei weibliche Probanden gegenüber ihren Geschlechtsgenossinnen besonders streng waren. Laut Welpe und Brosi stecken Stereotype dahinter. 'Leider sind die nicht einfach abzuschalten, weil sie auch einen Nutzen für uns haben: Sie beschleunigen das Denken', sagt Brosi.

Was also tun? Als Frau mit hängenden Mundwinkeln durchs Leben gehen? 'Das kann keine Lösung sein', beruhigt Brosi. Zum einen müsse sich der Inhalt der Stereotype ändern. 'Das heißt, es muss Vorbilder geben, die zeigen, dass das Stereotyp nicht zutrifft.' Auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Stereotypen sei wichtig. Und die Auswahl- und Beurteilungsprozesse in Unternehmen müssten stereotypensicherer ge­­macht werden.

In Kooperation mit Isabell Welpe bietet die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) voraussichtlich ab dem 13. September 2013 in Berlin einen Workshop an, in dem die Teilnehmer lernen, wie sich Stereotype in der Personalauswahl- und beurteilung vermeiden lassen. Die Veranstaltung gehört zum Projekt 'Auswahl und Beurteilung von Führungskräften in der Wirtschaft – wie unterscheiden sich Männer und Frauen?'. Sie wird bis März 2014 regelmäßig bundesweit stattfinden.

Autor(en): (jum)

Infos dazu bei: t.schwarzmueller (at) tum.de; zur Studie bei: welpe (at) tum.de


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