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Gleicher als gedacht

Frauen und Männer im Management


Frauen sollen in die Führungsetagen. Die Wirtschaft braucht sie dort dringend. Aber wer sie dorthin bringen will, indem er damit argumentiert, dass Frauen viel sozialer, kooperativer, einfühlsamer, weniger geldorientiert seien als Männer, sollte seine Argumentation vielleicht nochmals überdenken. Denn in letzter Zeit häufen sich Studienergebnisse, die Zweifel an der anders gearteten Persönlichkeit oder gar 'Natur' der Frauen aufkommen lassen. So ist nach einer internationalen Studie unter 14.000 Führungskräften (9.000 Männer, 5.000 Frauen), für die der Persönlichkeitstest-Spezialist Hogan Assessments Systems seinen Datenpool des Jahres 2011 ausgewertet hat, das Macht-, Status- und Geldstreben beim männlichen Geschlecht nur marginal stärker ausgeprägt als beim weiblichen. Und umgekehrt sind die Managerinnen nicht viel stärker als ihre männlichen Kollegen auf Akzeptanz und Bestätigung aus. In Deutschland fallen die Unterschiede sogar noch geringer aus als im globalen Schnitt.

An der Bangor Business School in Großbritannien wiederum kamen Allen N. Berger (University of South Carolina), Klaus Schaeck (Bangor University) und Thomas Kick (wissenschaftlicher Mitarbeiter der Deutschen Bundesbank) in einer Untersuchung zu der Erkenntnis, dass die Investitionsentscheidungen, die in internationalen Finanzinstituten zwischen 1994 und 2010 gefällt wurden, keineswegs weniger riskant ausfielen, wenn im Vorstand Frauen saßen. Im Gegenteil: Mit Anstieg des Frauenanteils stieg die Risikobereitschaft – gemessen an der Größe der Gewinnschwankungen – sogar an. Das widerspricht der Frauen so häufig nachgesagten Risikoscheu. Nachzulesen ist es im in Deutschland unter dem Dach der Deutschen Bundesbank veröffentlichen Diskussionspapier 'Executive board composition and bank risk taking'.

Ein amerikanisch-chinesisch-niederländisches Wissenschaftlerteam unter Leitung des Amsterdamer Sozialpsychologen Daniel Balliet wiederum ermittelte in einer breit angelegten Meta-Studie Ernüchterndes über die angeblich höhere Hilfsbereitschaft von Frauen. Den im Psychological Bulletin 137/6, 2011, unter dem Titel 'Sex Differences in Cooperation' veröffentlichten Studienergebnissen zufolge bestehen im Kooperationsverhalten der Geschlechter grundsätzlich keine wesentlichen Unterschiede. Auch wenn es gewisse situative Unterschiede gibt: Die Bereitschaft zur Kooperation unterscheidet sich im allgemeinen zwischen einzelnen Personen viel stärker als zwischen Männern und Frauen.

Dass das weibliche Geschlecht außerdem mindestens so karriereorientiert ist wie das männliche, darauf verweist der 'Student Survey Karriere, Familie und Co.', eine Umfrage unter 1.190 deutschen Studenten. Dieser zufolge sind Studentinnen und junge Berufseinsteigerinnen sogar etwas stärker an einer Aufstiegskarriere interessiert als ihre männlichen Kommilitonen. Durchgeführt wurde diese Erhebung von der Frankfurter Studentenorganisation MTP – Marketing zwischen Theorie und Praxis e.V. und der Bonner AoN – Agentur ohne Namen GmbH.

Und außerdem ist im Klett-Cotta Verlag jüngst das Buch 'Die Geschlechterlüge' der australischen Neuroforscherin Cordelia Fine erschienen: eine Meta-Analyse, in der Fine den neurowissenschaftlichen Forschungsstand zerpflückt – und zu dem Schluss kommt, dass die wenigsten Studien, die neurologische Unterschiede zwischen Männer- und Frauenhirnen postulieren, einer kritischen Überprüfung standhalten. Dass Frauen solchen Umfragen und Untersuchungen zufolge keine Empathie-Engel und Kooperations-Queens sind, muss für sie übrigens keine schlechte Nachricht sein. Glorifizierung kann schließlich auch Vorurteile zementieren.

Autor(en): (jum)


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