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Beitrag von Holger Thiel aus managerSeminare 316, Juli 2024
Verstandesmäßige Verfasstheit: Warum die Wirtschaft per se nicht in der Lage ist, selbstbestimmte und zufriedene Mitarbeitende und Führungskräfte zu „produzieren“
Tugendhafte Entwicklung: Wie philosophisches Coaching eine „vernünftige“ Mitarbeiter- und Lebensführung unterstützt
Ganzheitliche Gerechtigkeit: Wie der Befähigungsansatz von Martha Nussbaum eine größere Perspektive auf Gerechtigkeit liefert
Mitfühlendes Miteinander: Wie sich Martin Bubers Dialogische Philosophie für die Empathie-Entwicklung nutzen lässt
Mehr als ein individueller Akt: Warum sich das Habermas’sche Verständnis von Selbstreflexion fürs philosophische Coaching geradezu aufdrängt
Philosophie praktisch: Wie ethische Entscheidungsfindung in vier Schritten gelingt
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 316
Philosophisch betrachtet ist der unternehmerische und berufliche Kontext einer Person geprägt von ökonomischer Logik. Diese ökonomische Logik wiederum repräsentiert nur einen Teil des menschlichen Grundvermögens, den Philosophinnen und Philosophen den Verstand nennen. Der Verstand ist eine geniale Fertigkeit, um Probleme zu lösen und von einem Ziel auf die Mittel zu schließen, die dem Erreichen dieses Zieles dienen. Das Denken des Verstandes ist also instrumentell und von Zweck-Mittel-Relationen bestimmt, die es Menschen erlaubt, optimale Lieferketten zu ermitteln, betriebswirtschaftliche Geschäftsziele zu erreichen und die Mitarbeitenden zum Erreichen dieser wirtschaftlichen Ziele entsprechend ihrer Fähigkeiten einzusetzen und zu Teams zusammenzustellen.
Das klassische Coaching bewegt sich in diesem Bereich, wenn es beispielsweise dem souveränen Umgang in bestimmten Situationen, wie Präsentationen, Mitarbeitergespräche oder Kundenakquise, dienen oder die Kompetenzen der eigenen Person entwickeln soll. Philosophisches Coaching weitet den Blick auf die Gesamtheit menschlichen Vermögens und bezieht dieses ins Coaching ein – zum Wohle der Person und des Unternehmens.
Die Gesamtheit des menschlichen Vermögens umfasst nicht nur den Verstand, sondern auch die Vernunft. Die praktische Vernunft, um genau zu sein. Sie bezeichnet das Vermögen des Menschen, moralisch zu urteilen und zu handeln; es geht also darum, das Richtige zu tun und ein gutes Leben zu führen. Nach Immanuel Kant ist die praktische Vernunft die Quelle universeller moralischer Gesetze, und indem wir uns an ihr orientieren, ermöglicht sie es uns, autonom und frei zu handeln. Nur so können wir unserer Würde als vernunftbegabte Wesen gerecht werden. Praktische Vernunft verfolgt also keine Zwecke und Ziele, sondern setzt diese, orientiert an überindividuellen Werten. Die praktische Vernunft ist mithin ein zentrales Konzept, um unser Handeln und unsere Entscheidungen ethisch zu fundieren. Sie befähigt uns dazu, frei von ökonomischen oder anderen Zwecken über unsere Ziele und Motive nachzudenken, unser Verhalten an moralischen Maßstäben auszurichten und spielt somit eine entscheidende Rolle für ein gelingendes, sinnerfülltes Leben.
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