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Modern Work Tour
Modern Work Tour

Unternehmerischer Mut in unsicheren Gefilden

Wie wird neue Arbeit weltweit gestaltet, und was können wir davon lernen? Anna und Nils Schnell sind – mit einer pandemiebedingten Pause – seit 2018 auf internationaler Modern Work Tour, um dieser Frage nachzugehen. Von ihrer Etappe durch Süd-, Mittel- und Nordamerika berichten die beiden regelmäßig in managerSeminare. Im als gefährlich geltenden Nordwesten Lateinamerikas haben sie Unternehmerpersönlichkeiten mit mutigem Mindset kennengelernt.

„Jetzt wird es gefährlich“, hören wir immer wieder, bevor es für uns nach der Zeit in Panama und Costa Rica in die nordwestlichen Länder von Zentralamerika geht. Doch unsere Modern Work Tour steht dafür, diverse Einblicke zur Zukunft der Arbeit aus unterschiedlichen Ländern zu geben. Für uns ist daher klar, dass wir Nicaragua, Honduras und Guatemala nicht einfach überfliegen, sondern auch hier nach Arbeitsweisen für die Zukunft schauen. Zumal man fast nur Schlechtes über besagte Länder hört und wir finden: Es ist Zeit, diese Narrative zu ändern.

Je tiefer es für uns nach Zentralamerika geht, desto unbekannter werden die Orte. Während Costa Rica ein beliebtes Reiseland geworden ist, bleiben die nördlichen Staaten weitgehend unbekannt. Dabei haben die Länder entgegen allen Vorurteilen und trotz der enormen Herausforderungen, vor denen sie stehen, viel zu bieten. Sie zeigen uns ein Zentralamerika voller Chancen und Potenziale, Ideen und Möglichkeiten – und natürlich auch Wissen und Erfahrungen rund um neue Arbeitsweisen.

Unternehmer-Spagat in Nicaragua

Wir treffen den gut gelaunten Oscar Molina Jimenez, Gründer und Eigentümer mehrerer Unternehmen in Nicaragua. Wir lernen uns in einem stylischen Cafe in Managua kennen, wo er uns von seinem „Off-site“-Unternehmen Aventon erzählt, dem Uber Nicaraguas. Danach fährt Oscar uns in seinem Auto durch die Innenstadt und wir besuchen sein „On-site“-Unternehmen Watchtower Security. Oscar legt als Unternehmer einen besonderen Spagat hin: Er ist sozusagen die Ambidextrie in Person. Denn zum einen führt er ein klassisch aufgestelltes Unternehmen im Bereich Sicherheitswesen, vor Ort, mit Büros. Zum anderen leitet er das moderne IT-Startup Aventon. Und in beiden Unternehmen agiert er sehr unterschiedlich, wie er uns sagt: „Bei Watchtower Security führe ich klassischer, weil der Kontext das erwünscht; in meinem Startup arbeiten wir agil, komplett digital und zu hundert Prozent remote.“

Für Oscar besteht die größte Herausforderung darin, bei der Führung der unterschiedlichen Firmen eine gelassene Balance zu halten. Dafür ist es wichtig, dass er beide Ansätze kennt und versteht. Auf unsere Frage, wie er es schafft, richtig zu priorisieren, antwortet er, dass er sich bei der Entscheidungsfindung auf zwei Komponenten konzentriert: „Mein Bauchgefühl und Marktveränderungen. Mit diesem Mix klappt es sehr gut.” Gerade sein Bauchgefühl helfe ihm und spare ihm Zeit.

Freiwillig eingeschlossen in Honduras

Bei unserem Besuch in Honduras sind wir tatsächlich aufgeregt und verunsichert. Denn wir hören von allen Menschen, die wir treffen, dass wir nicht auf die Straße gehen sollen. Vom CEO bis zum Kellner: Alle raten uns dringend davon ab. Wir halten uns also in einer Stadt auf, in der wir uns nicht frei bewegen können. Alles wird mit dem Uber oder Taxi gemacht, auch wenn es nur 200 Meter sind. Für uns schwer zu akzeptieren, aber das sogenannte Instant Kidnapping, also spontanes Kidnapping, stellt für uns die größte Gefahr dar. Also halten wir uns an den eindringlichen Rat der Menschen in Honduras – und werden belohnt. Wir haben spannende Treffen und erleben in Tegucigalpa eine beeindruckende Offenheit und Gastfreundlichkeit.

Die Modern Work Tour ... 

... ist eine moderne Walz, auf der das Unternehmerpaar Anna und Nils Schnell (Beratungsfirma MOWOMIND) innovative Unternehmen weltweit besucht. Das „Abenteuer Arbeit“ führte sie bisher durch mehr als 48 Länder, und sie führten Gespräche mit fast 200 Vordenkern und Vordenkerinnen, aus denen sie neun Modern-Work-Prinzipien abgeleitet haben. Zu den bisherigen Reisen ist bei managerSeminare der Artikel „Agile Weltreise – New Work global“ (managerseminare.de/MS265AR03) erschienen und im Gabal Verlag das Buch „Die Modern Work Tour – Eine Weltreise in die Zukunft unserer Arbeit“. Über ihre aktuellen Erlebnisse informieren Anna und Nils Schnell regelmäßig auf ihrem Youtube-Kanal „The Schnells“. 

Wir treffen zum Beispiel Maria Teresa Morazán vom Unternehmen Tech4DevHN. Maria ist sehr gut ausgebildet, hat an renommierten Universitäten studiert und bereits an verschiedenen Orten der Welt gearbeitet. Dennoch zog es sie vor einigen Jahren zurück in die Heimat: „Ich sehe so viel schlummerndes Potenzial in unserem Land, ich musste einfach zurückkommen und versuchen, das Land weiterzuentwickeln“, sagt sie. In einem Land, in dem sich internationale Unternehmen nur sehr zaghaft vorwagen, kümmert sich Maria um den Aufbau einer Unternehmenslandschaft. Sie hilft dabei, Firmen und nationale sowie internationale Investoren zusammenzubringen und gestaltet so die Tech-Szene in Honduras mit – ganz nach dem New-Work-Prinzip „Learning and Sharing“.

Eine der größten Herausforderungen ist nicht nur für sie die unruhige Stimmung im Land, das wackelige politische System und die Korruption. Und dennoch lohnt es sich hinzuschauen: Im ältesten Co-Working-Space des Landes „Casa Quinchon“ sprechen wir mit Pamela vom Webseiten-Baukasten-Anbieter Sube. Was WIX in den USA und Jimdo in Europa machen, macht Sube für den lateinamerikanischen Markt. Pamela erklärt uns, dass viele Kunden und Kundinnen aus der Region es sehr schätzen, mit einem regionalen Unternehmen zu arbeiten, und sie erwartet, dass sich dieser Trend vor allem für den spanischsprachigen Raum noch verstärkt.

​Anna Schnell im Gespräch mit der Unternehmerin Maria Teresa Morazán, die beschloss, in ihre Heimat Honduras zurückzukehren, um dort dazu beizutragen, eine funktionierende Unternehmenslandschaft aufzubauen.​ MOWOMIND

Ein spezialisierter Generalist in Guatemala

Wer hätte gedacht, dass Guatemala ein Land ist, das kurz vor dem Aufschwung steht? Guatemala hat in Sachen Kultur eindeutig Vorreiterstatus in Zentralamerika. Auch, was Naturschauspiele angeht, hält es locker mit Costa Rica mit. Das Problem ist nur: Kaum jemand weiß das. Doch Guatemala ist im Aufbruchmodus: „Das Land hat unglaublich viel Potenzial und ist bereit, aus den Puschen zu kommen“, sagt Multipreneur Francis Sanchinelli über sein Heimatland, als wir mit ihm durch die Zona 4 von Guatemala-Stadt ziehen. Francis bezeichnet sich selbst als spezialisierten Generalist: „Mein ganzes Leben lang habe ich mich darauf spezialisiert, die grundsätzlichen Herausforderungen der Arbeit anzugehen“, betont er und listet im Anschluss fröhlich auf, was er bereits alles gemacht hat und in welchen Initiativen er aktiv ist.

Uns wird fast ein wenig schwindelig und wir fragen ihn, warum er sich nicht auf eine Sache konzentriert. Seine Antwort fällt klar aus: „Es braucht Menschen, die richtig gut darin sind, viele Sachen gut zu können.“ Mag sein, denken wir – und haben dennoch unsere Zweifel, besonders weil ein klarer Fokus und Konzentration auf eine Sache gerade in selbstorganisierter Arbeit wichtig erscheinen. Und dennoch zeigt Francis einen interessanten Aspekt für moderne Arbeit auf: Immer, wenn Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenkommen, also crossfunktional etwas Neues miteinander gestalten, braucht es Brückenbauer und Brückenbauerinnen, die nicht nur die Koordination dieser Teams übernehmen, sondern sich auch um die gemeinsame Teamkultur kümmern. Francis ist so ein Brückenbauer. Er arbeitet nicht nur für eine Krypto-Organisation, sondern ist auch Think-Tank-Lead und zieht nebenbei gerade sein eigenes Unternehmen auf. Es wird sich zeigen, welche Brücken er für eine Zukunft der Arbeit bauen wird. Wir brechen unterdes auf in Richtung Mexiko – von wo unser nächster Bericht kommen wird.

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