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Modern Work Tour
Modern Work Tour

Finale im Modern-Work-bewegten Südafrika

Welche Formen neuer Zusammenarbeit gibt es weltweit? Dieser Frage gingen Anna und Nils Schnell auf einer mehrjährigen „Modern Work Tour“ nach. In managerSeminare berichtete das Hamburger Unternehmerpaar regelmäßig von der letzten Etappe seiner Reise durch Amerika. Zum Abschluss ihrer Tour kehrten die Schnells noch einmal nach Afrika zurück. Genauer gesagt nach Südafrika, wo es eine höchst lebendige Modern-Work-Szene gibt.

In Südafrika hätte unsere Modern Work Tour eigentlich bereits im Jahr 2020 planmäßig enden sollen. Aber es kam anders. Zwei Stunden vor unserem Abflug nach Johannesburg wurde aufgrund von Corona ein Lockdown verkündet – und wir saßen viele Wochen in Namibia auf einer kleinen Farm fest. Danach mussten wir unsere Weltreise zu internationalen Vorreitern neuer Arbeitsformen aufgrund der Pandemie für eine längere Zeit unterbrechen und in Deutschland ausharren, bis die Pandemie abebbte. Erst 2022 konnte es mit der letzten großen Etappe durch Süd-, Mittel- und Nordamerika weitergehen. Südafrika aber war für uns immer noch vakant – und deswegen beschlossen wir, die Reise nicht im Silicon Valley zu beenden, sondern das Land in einem zweiten Anlauf doch noch zu besuchen.

Wir wurden nicht enttäuscht. Denn in der Weltstadt Johannesburg wimmelt es nur so von spannenden Unternehmen. Obwohl die Metropole zu den gefährlichsten Städten der Welt gehört, sitzen alle großen Unternehmen hier. Und zahlreiche Startups schießen in Johannesburg förmlich wie Pilze aus dem Boden. Die Kapitale ist der wirtschaftliche Mittelpunkt Südafrikas.

Wie gut ist „gut genug“?

Wir treffen uns mit Nadia Vatalidis, Head of People bei TestGorilla, einem Anbieter von Pre-Employment-Assessment-Lösungen mit Hauptsitz in Amsterdam. Nadia empfängt uns bei sich zu Hause. Gemeinsam sitzen wir am Familien-Esstisch und diskutieren über die Zukunft der Arbeit – zum Beispiel darüber, wie wichtig es ist, Arbeit klug auszurichten und zu organisieren.

TestGorilla arbeitet Nadia zufolge konsequent daran, unnötigen Perfektionismus abzulegen. „Wenn wir nach Perfektion streben, brauchen wir extrem viel länger – für alles! Das hat zur Folge, dass wir deutlich langsamer mit der Entwicklung werden, und so den Anschluss gefährden“, begründet die People Managerin den Fokus auf eine möglichst pragmatische Form der (Zusammen-)Arbeit. Am wichtigsten sei es, so Nadia, sich immer wieder zu fragen, wie gut eigentlich gut genug ist für die verschiedenen Aufgaben und Zielsetzungen des Unternehmens. Und dann könne man bei unnötigen Arbeitsschritten und -ritualen entsprechende Abstriche machen. So ist es bei TestGorilla in manchen Meetings zum Beispiel nicht mehr erlaubt, Powerpoint-Folien zu zeigen. „Die Mitarbeitenden haben oft stunden-, manchmal sogar tagelang an der Präsentation gesessen, statt an ihren Projekten weiterzuarbeiten“, erzählt Nadia.

Wir können dem Prinzip „Pragmatismus statt Perfektionismus“ viel abgewinnen. Unser eigenes Arbeitspensum während der Modern Work Tour (wir waren neben den vielen Treffen vor Ort stets auch weiterhin für Kundinnen und Kunden mit Coachings und Beratungssessions im Einsatz) ließ sich ohne Pragmatismus jedenfalls nicht umsetzen. In der deutschen Wirtschaft allerdings haben wir schon oft die Erfahrung gemacht, dass dort in vielen Unternehmen sehr viel Energie in das letzte My investiert wird, während andere in derselben Zeit mit ihrem Produkt bereits zwei, drei Generationen weiter sind. Dabei geht es am Ende doch nur um zwei Dinge: Die Kunden und Kundinnen müssen zufrieden sein, und es darf keine relevanten Qualitätseinbußen geben.

Bei Specno weiß man um den Wert gemeinsamer Aktivitäten: Hier bereiten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Kapstadter Unternehmens gerade zu Ehren ihrer Gäste Nils und Anna Schnell (im Vordergrund zu sehen) gemeinsam ein traditionelles südafrikanisches Mittagessen vor. MOWOMIND

Komplexität per „Multiskill Fokus“ reduzieren

Pragmatisch geht es auch beim Unternehmen Workshop17 zu, einem Anbieter von fünf Coworking-Spaces, mit dessen CEO Paul Keursten wir ebenfalls ein Treffen haben. Paul erzählt uns, dass Workshop17 eine spannende Veränderung in puncto Zusammenarbeit vollzogen hat: Verschiedene Rollen wurden jeweils in einer Rolle vereint. Das heißt: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Workshop17 werden beispielsweise nicht nur in Sachen Kundenmanagement ausgebildet, sie lernen gleichzeitig auch, im Eventbereich Veranstaltungen zu organisieren und die Buchhaltung zu machen. Auf diese Weise wachsen die Mitarbeitenden über ihre gewohnten Tätigkeitsbereiche hinaus – horizontale Weiterentwicklung par excellence! Und nicht nur für sie ist das neue System von Vorteil, sondern auch für das Unternehmen. Schließlich können sich so alle besser unterstützen und gegebenenfalls vertreten. Und alle gewinnen einen besseren Überblick. Damit wird die Gesamtplanung vereinfacht und die Komplexität im Unternehmen an vielen Stellen reduziert.

Paul nennt das Prinzip den „Multiskill Fokus“. Er erklärt, mit Blick auf den Win-win-Faktor hinter dem Konzept: „In der heutigen Zeit ist es wichtig, dass Mitarbeitende sich breiter aufstellen können, um bestmöglich für den Arbeitsmarkt aufgestellt zu sein. Unternehmen wiederum möchten Menschen anstellen, denen sie verschiedene Aufgaben und Verantwortungsbereiche übertragen können.“ Uns leuchtet der Mehrwert für beide Seiten ein – solange die Mitarbeitenden selbst mitreden können, in welchem Bereich sie sich breiter aufstellen möchten; ansonsten geht der individuelle Sinn in der Arbeit schnell verloren.

Sich selbst herausfordern

Auch in Kapstadt, dem kulturellen Zentrum Südafrikas, treffen wir auf spannende Unternehmen. Außerdem veranstalten wir hier die Verleihung unseres Modern Work Award 2023, mit dem wir weltweit Initiativen zu modernen, sinnorientierten Arbeitsweisen auszeichnen.

Wie es der Zufall will, wählt die internationale Jury des Awards ein Unternehmen aus Kapstadt auf den ersten Platz: Specno, eine Firma, die sich das Ziel gesetzt hat, eine Million Kundenunternehmen dabei zu unterstützen, erfolgreich digitale Produkte zu bauen. Wir sprechen nicht nur mit dem Gründerduo Daniel Novitzkas und Jacques Jordaan, sondern besuchen auch die Firmenzentrale vor Ort und begleiten die Crew für einen halben Tag. Am Ende sitzen wir gemeinsam bei einem traditionellen südafrikanischen Mittagessen beisammen.

Die Modern Work Tour ... 

... war eine moderne Walz, auf der das Unternehmerpaar Anna und Nils Schnell (Beratungsfirma MOWOMIND) innovative Unternehmen weltweit besucht hat. Auf ihrem „Abenteuer Arbeit“ bereisten sie mehr als 55 Länder und führten Gespräche mit über 260 Vordenkern und Vordenkerinnen, aus denen sie neun Modern-Work-Prinzipien ableiteten. Zu den ersten Etappen ihrer Reise ist bei managerSeminare der Artikel „Agile Weltreise – New Work global“ (managerseminare.de/MS265AR03) erschienen und im Gabal Verlag das Buch „Die Modern Work Tour – Eine Weltreise in die Zukunft unserer Arbeit“. Von ihrer letzten Etappe durch Amerika, die sich von Oktober 2022 bis Dezember 2023 erstreckte, berichteten die beiden monatlich exklusiv in managerSeminare. Seit Anfang 2024 sind Anna und Nils Schnell wieder zurück in Hamburg und lassen die Erkenntnisse ihrer Entdeckungsreise in ihre Arbeit als Inhaber der Beratungsfirma MOWOMIND einfließen.

Bei Specno gibt es eine Besonderheit, die uns besonders gut gefällt. Häufig werden in Betrieben Unternehmenswerte einmal erarbeitet, wie ein Mahnmal an der Wand verewigt – und dann vergessen. Anders hier: Das Specno-Team reflektiert und hinterfragt seine Unternehmenswerte einmal im Jahr in kleinen Teams kritisch. Denn, so Unternehmensgründer Jacques: „Unsere Werte müssen zu uns passen und uns einen Ansporn geben, unser Bestes zu geben.“ Daher werde auch der Status quo von Wertsetzung und Wertumsetzung regelmäßig hinterfragt. „Nur so können die Werte, die uns wichtig sind, zu tatsächlich gelebten Werten für uns werden“, betont Mitgründer Daniel.

Wir sind beeindruckt. Sich selbst immer wieder herauszufordern, ist schon schwierig. Die eigenen Werte immer wieder gemeinsam zu sezieren, noch viel schwieriger. Umso spannender ist es, dass dies bei Specno zum Organisationsalltag gehört wie in anderen Unternehmen die Jahresgespräche. 2023 wurden beispielsweise die beiden Werte „Extreme Ownership“ und „Courageously ambitious“ unter die Lupe genommen. Mit dem Ergebnis, dass daraus neue Initiativen entstanden sind, etwa interne Team Challenges oder das Projekt „Über Specno hinaus … “, bei dem Mitarbeitende jeden zweiten Monat ehrenamtlichen Tätigkeiten in Kapstadt nachgehen.

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Mut tut gut

Nach den spannenden Treffen in Südafrika können wir unsere Reise guten Gewissens abschließen. Wir kehren voller Lernerfahrungen – und Stolz auf das größte Projekt unseres bisherigen Lebens – zurück nach Deutschland. Den Blick über den Tellerrand zu wagen, hat sich gelohnt. Denn in allen 55 Ländern, die wir besucht haben, haben wir interessante Ansätze neuen Arbeitens gefunden. Überall gibt es Menschen und Unternehmen, die Arbeit anders als bisher gestalten möchten – sinnorientierter, transparenter, diverser, mehr auf Selbstverantwortung und eine starke Lernkultur setzend, darauf vertrauend, dass persönliches Wachstum unter den richtigen Bedingungen immer möglich ist. Wir haben nicht zuletzt auch erlebt, was Mut bewirken kann. Was in Sachen Modern Work sogar unter widrigen Umfeldbedingungen möglich ist.

Daher möchten wir die Reihe mit einem Appell abschließen: Lasst uns auch hierzulande mutiger werden! Packen wir es an und verändern wir die Arbeitswelt gemeinsam so, dass sie uns stärkt. Um es mit New-Work-Begründer Frithjof Bergmann auszudrücken: Damit wir alle am Ende des Tages den Sinn in dem sehen, was wir täglich tun.

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