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Modern Work Tour
Modern Work Tour

Fair Business in Chile

Seit Oktober 2022 sind Anna und Nils Schnell wieder auf Modern Work Tour. Dieses Mal erkundet das Hamburger Unternehmerpaar neue und innovative Arbeitsweisen in Süd-, Mittel- und Nordamerika. In ihrem vierten Bericht schildern die New-Work-Expeditionsreisenden beeindruckende Begegnungen mit besonders nachhaltig und sozial ausgerichteten Unternehmen in Chile.

In einer achtstündigen Fahrt queren wir die längste Gebirgskette der Welt: die Anden. Aus der berühmten Weinregion Mendoza geht es in die Hauptstadt Chiles, Santiago. Die Stadt könnte kaum schöner liegen, um unseren nächsten Reiseabschnitt durch eines der vielseitigsten Länder der Erde zu beginnen – von der trockensten Wüste der Welt, der Atacama, bis hin zum grünen Paradies im chilenischen Teil Patagoniens.

Am Rande dieser Region besuchen wir die Firma Karün. Karün ist ein B-Corp-Unternehmen. Das heißt, es hat sich der gleichnamigen Initiative (B wie „verantwortungs-Bewusst“) angeschlossen, zu der mittlerweile über 5.000 zertifizierte Unternehmen in über 70 Ländern zählen. Sie alle eint, dass sie sich einem harten Testverfahren unterziehen, etwa in Bezug auf Mitarbeitendenrechte und Umwelt- und Sozialauswirkungen ihres Business.

Bei Karün gehört die Stärkung der Naturverbundenheit zur PE-Arbeit

Karün hat seinen Hauptsitz im idyllischen Städtchen Puerto Varas. Aus den Fenstern des Firmengebäudes kann man auf die Vulkane der Region blicken. Der Gründer Thomas Kimber begrüßt uns mit dem wohl herzlichsten Lächeln von ganz Chile. Karün stellt stylische Brillen aus recycelten Materialien her, vorwiegend aus alten Fischernetzen, direkt aus der Region. Für die Materialien zahlt das Unternehmen den Fischern einen fairen Betrag und verarbeitet den vermeintlichen Müll in komplett transparenten Schritten zu hochwertigen Brillengestellen, die auch in Deutschland verkauft werden. Wir sind so angetan, dass wir uns beide ein solches Schmuckstück kaufen. Damit unterstützt man nicht nur das Unternehmen, sondern auch lokale Projekte rund um das Gemeinwohl kleiner Dörfer.

Anna Schnell und Nils Schnell (hinten rechts) haben sich in einem Coworking Space mit Joaquín Muñoz Ponce getroffen. Er ist Head of People bei Wheel The World, einem Unternehmen, das Menschen barrierefreies Reisen weltweit ermöglichen will. MOWOMIND

Eine Besonderheit an Karün ist, dass das Unternehmen viel dafür tut, bei den eigenen Mitarbeitenden das Bewusstsein für den Wert von Naturschutz und Nachhaltigkeit zu stärken. Konkret heißt das: Nach einem Jahr Firmenmitgliedschaft werden die Mitarbeitenden raus in die Natur geschickt. In Zusammenarbeit mit der Initiative Somos Nativos, die normalerweise Jugendlichen aus der Stadt die Natur näherbringt, veranstaltet Karün ein Retreat, mitten in einem atemberaubenden Naturreservat Patagoniens. Dieses Erlebnis soll die Beteiligten nicht nur näher zu sich selbst bringen und den Teamgeist fördern. Es dockt vor allem auch am Kern-Slogan des Unternehmens an: „We are all nature!“ Das aber, betont Thomas im Gespräch mit uns, werde in der heutigen Zeit viel zu schnell vergessen. Das Natur-Retreat soll dabei helfen, wieder mehr in Einklang mit der Natur zu kommen und auch die Schönheit und den Wert der Natur schätzen zu lernen. Denn, so Thomas sinngemäß: Wie können wir erwarten, dass Führungskräfte sich für etwas einsetzen, das sie gar nicht kennen?

Der Ansatz scheint für das Unternehmen zu funktionieren: „Die Mitarbeitendenbindung sowie die Übernahme von Verantwortung steigt dadurch merklich“, so Thomas. Er ist überzeugt: Die Erfahrung draußen hilft auch, sinnvolle Entscheidungen zu treffen – für das Unternehmen, für sich selbst und die Natur. Was heißt das für Unternehmen hierzulande? Alle Mitarbeitenden ab in den Wald? Wir denken: vielleicht schon! Denn hierzulande gilt dasselbe wie in Chile: Wenn wir nicht erkennen, welchen Wert die Natur hat, wie können wir uns dann in unserem Arbeitsalltag für Nachhaltigkeit einsetzen?

Nachhaltigkeit muss sich lohnen

Wir befragen zum Thema auch einen der bekanntesten Experten für nachhaltiges Wirtschaften in Chile, Felipe Machado Pinheiro von der preisgekrönten Beratungsfirma Gudcompany in Santiago. Karün ist laut Felipe noch ein Ausnahme-Beispiel, wenn es darum geht, Unternehmen nachhaltiger auszurichten. Zwar hat die Erarbeitung einer neuen Verfassung durch die Politik das Thema Nachhaltigkeit auf jede Agenda in Chiles Unternehmen gebracht. Doch muss, so betont Felipe, Nachhaltigkeit immer auch ein Business Case sein, ansonsten bleibt es ein unbedeutendes Beiprodukt.

Die Modern Work Tour ...

... ist eine Art moderne Walz, auf der das New-Work-Unternehmerpaar Anna und Nils Schnell (Beratungsfirma MOWOMIND) innovative Unternehmen weltweit besucht. Die Tour führte die beiden bereits durch 38 Länder und zu über 140 Treffen mit Vordenkern und Vordenkerinnen der Zukunft der Arbeit. Zu den bisherigen Reisen ist bei Gabal das Buch „Die Modern Work Tour – Eine Weltreise in die Zukunft unserer Arbeit“ erschienen und der Artikel „Agile Weltreise – New Work global“ bei managerSeminare (www.managerseminare.de/MS265AR03).

Die Aufforderung zum „enkelfähigen Wirtschaften” komme erstaunlicherweise wenig an, fährt er fort. Sie sei zu abstrakt, zu unkonkret. Erst wenn Nachhaltigkeit als elementarer Teil der Unternehmensstrategie verankert werde, könne ein Unternehmen sich neu ausrichten: „Ansonsten bleibt es Kosmetik, Greenwashing“, so Felipe. Neu zu denken und ungewöhnliche Optionen zu entwickeln, ist demnach der Weg. Aus Fischernetzen Designer-Brillen herzustellen, ist vielleicht erst einmal nicht naheliegend. Doch das kann es werden, wenn man die Nachhaltigkeitsbrille aufsetzt, sich lokale Gegebenheiten anschaut und entscheidet, welches Problem das Unternehmen lösen möchte – und lösen kann.

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Ein Unternehmen will das Reisen gerechter machen

Aus dem atemberaubenden Patagonien im Süden Chiles geht es zurück in den Norden. Auf der Modern Work Tour reisen wir wegen unseres ökologischen Fußabdrucks seit unserer Ankunft in Rio de Janeiro übrigens nur noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auf unserer 18-stündigen Busfahrt erleben wir den Wechsel von grüner hin zu trockener Landschaft und erreichen schließlich die Küstenstadt Valparaiso.

Hier sieht es aus wie in der Hamburger Sternschanze – nur eben auf die gesamte Stadt verteilt: Überall gibt es Graffiti und Wandkunst. Valpo, wie die Chilenen die Hafenstadt liebevoll nennen, verteilt sich auf 45 Hügel, und es erfordert körperliche Fitness, den Ort zu erkunden. Für uns gesunde junge Menschen ist das ständige Auf und Ab zwar kein Problem. Die Hürden für Menschen mit Behinderungen und Einschränkungen sind jedoch riesig.

Das wird uns so richtig bewusst, als wir das Unternehmen Wheel The World besuchen. Dessen Mission ist es, barrierefreie Reise-Erlebnisse rund um die Welt zu ermöglichen. Ein Ansatz, der uns neugierig macht, weil er auf eines der wichtigsten Themen unserer Zeit einzahlt: Gleichberechtigung und Vielfalt. Bereits in Asien und Afrika haben wir erlebt, dass dies ein wesentlicher Bestandteil moderner Arbeit ist. Folglich gehört zu den neun Modern-Work-Prinzipien, die wir definiert haben, auch: Vielfalt ermöglichen! Wheel The World nimmt sich dabei eines Themas an, was wohl am meisten zur Weltoffenheit und persönlicher Entwicklung beiträgt: dem Reisen.

Anna und Nils Schnell mit Thomas Kimber (Mitte) Gründer der Firma Karün. MOWOMIND

Oberstes Ziel: Anderen Menschen das Leben erleichtern

Im Santander Coworking Space treffen wir auf Joaquín Muñoz Ponce, Head of People bei Wheel The World. Wenn er von seiner Organisation spricht, fangen seine Augen an zu glänzen: Gelebte Vielfalt bedeute, die Bedarfe anderer komplett neu zu denken und den eigenen Blick auf die Welt zu hinterfragen. „Wir wollen allen Menschen die Möglichkeiten zum Reisen geben – und damit auch die Möglichkeit, sich im eigenen Körper normal fühlen zu dürfen“, so Joaquin. Und dann sagt er noch einen Satz, der bei uns besonders hängen bleibt: „Einschränkungen haben nicht die Personen, sondern die Umwelt!“ Auf unsere Frage nach der Zukunft der Arbeit, antwortet Joaquin, dass Arbeit keine Arbeit, sondern ein Beitrag sein sollte: „Alles, was wir tun, wird anderen Menschen helfen und das Leben verbessern.“ Dies wirkt auch nach innen: Dadurch, dass der Sinn bei einem B-Corp-Unternehmen wie Wheel The World so glasklar ist, wissen alle, welchen Einfluss sie mit ihrem individuellen Tun haben. Wir sind überzeugt: Das wird für die Zukunft der Arbeit immer wichtiger werden.

Nächster Halt auf der Modern Work Tour ist Bolivien, mehr dazu dann in der kommenden Ausgabe.

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