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Harvard-Business-Studie

US- und Brit-Coachs unter der Lupe

Was ist derzeit 'Business as usual' im Coaching? Carol Kauffman, Harvard-Wissenschaftlerin und Gründerin des 'Institute of Coaching' an der Harvard Medical School, wollte das von den Coachs selbst wissen und hat gemeinsam mit der Harvard Business Review in einer Studie nachgehakt. managerSeminare mit den wichtigsten Ergebnissen.

Wie läuft die Arbeit? – Sinngemäß dieser Frage ist die Harvard Business Review in einer Studie über die 'Realities of Executive Coaching' nachgegangen. 140 Coachs beteiligten sich an der Untersuchung. Die meisten davon stammen aus den USA (71 Prozent), einige aus Großbritannien (18 Prozent). 61 Prozent der Befragten bringen über zehn Jahre Coaching-Erfahrung mit.

Die Fakten: Coachs werden selten ausdrücklich beauftragt, um ihren Klienten aus problematischen Verhaltensweisen herauszuhelfen. Ihr Job lautet vielmehr fast immer: Leistungssteigerung. Der Auftraggeber  (in mehr als der Hälfte der Fälle das Unternehmen) achtet bei der Auswahl des Coachs vor allem auf Erfahrung und darauf, ob der Berater seine Ansätze und Methoden schlüssig erklären kann. In den überwiegenden Fällen gehen die befragten Coachs ihrer Tätigkeit face-to-face nach; nur wenige coachen hauptsächlich übers Telefon. Die Coaching-Zeitspannen sind überschaubar, aber nicht extrem kurz: Nur zehn Prozent der Befragten sind mehr als 18 Monate bei einem Coachee im Einsatz; ebenfalls nur zehn Prozent coachen weniger als zwei Monate. Das Gros coacht im Schnitt zwischen sieben und zwölf Monate. Unter den Methoden, mit denen Coachs arbeiten, stehen Fragetechniken an erster Stelle. 86 Prozent der Befragten arbeiten damit. Auch das 360-Grad-Feedback ist ein besonders oft (von 77 Prozent der Befragten) zum Einsatz gebrachtes Tool.

Die meisten Coachs halten die Vorgesetzten ihrer Coachees auf dem Laufenden über den Prozessfortschritt. 55 Prozent berichten an die HR-Abteilung. Allzu sehr geht die Studie hier nicht ins Detail, stellt aber fest: Die Coaching-Reports erfolgen eher gelegentlich als systematisch und sind meist qualitativer Art. Quantitative Daten, etwa in Bezug auf Änderungen im Verhalten ihres Coachees, erhebt dagegen weniger als ein Drittel der Befragten. Der Coaching-Experte David B. Peterson vom Personaldienstleister PDI, Minneapolis, kommentiert dieses Studienergebnis kritisch: 'Coaching ist ein zeit- und arbeitsintensives Unterfangen. Unternehmen, die in Coaching investieren, sollten deshalb darauf insistieren, regelmäßig formale Berichte über den Fortschritt des Prozesses zu erhalten', so Peterson.

Coachs urteilen zu blauäugig über die Abhängigkeitsgefahr

Auch andere Experten, denen die Harvard-Forscher ihre Untersuchungsergebnisse vorgelegt haben, äußern sich zu bestimmten Ergebnissen der Studie kritisch. So macht Michael Maccoby, Präsident der Maccoby Gruppe in Washington, misstrauisch, dass es mehr als 50 Prozent der Coachs weit von sich weisen, dass ein Klient abhängig von ihnen werden könnte. 'Aus meiner Sicht ist das unrealistisch', sagt Maccoby. Er argwöhnt: 'Coachs haben ein ökonomisches Interesse, das Problem der Abhängigkeit zu ignorieren. Sie wollen schließlich ihr Business ausweiten.' Doch wirklich gute Coachs seien sich der Abhängigkeitsgefahr bewusst. Maccobys Rat an alle Auftraggeber: 'Fragen Sie den Coach, wie er mit dem Problem umgeht.'

Interessanterweise berichten praktisch alle Coachs, dass sich die Ziele des Coaching-Prozesses im Laufe der Zeit meist verschieben. Problematisch kann das werden, wenn das Coaching plötzlich in psychologische Bereiche gerät, die der Coach mangels psychologischen Wissens nicht stemmen kann. Dennoch glauben die meisten Coachs, dass der Vorstoß in tiefere Ebenen nötig ist, um dem Klienten zu helfen, sich seines Selbst stärker bewusst zu werden. Tief greifende persönliche Probleme und ausgeprägte Charakterschwächen allerdings gelten als Coaching-Hindernis: Klienten, die z.B. eine ausgeprägte Opfermentalität oder eine narzisstische Störung aufweisen, sind aus Sicht der meisten Befragten ungeeignet fürs Coaching. Ebenfalls sehr problematisch für einen erfolgreichen Prozess ist es aus Sicht der Coachs, wenn die Ziele des Coachees und die seines Unternehmens allzu stark auseinanderdriften.

Durchschnittsverdienst bei 395 bis 570 Euro pro Stunde

Was die Coachs für ihre Leistung bekommen, variiert stark: Zwischen 200 und 3.500 Dollar (ca. 160 und 2.760 Euro) pro Stunde sind drin. Der Schnitt liegt laut Studie bei 500 bis 725 Dollar (ca. 395 und 570 Euro). Die Untersuchung ist zudem der Frage nachgegangen, wie die Coachs die Zukunft ihrer Branche einschätzen. Demnach haben die meisten das Gefühl, dass ihre Disziplin noch im 'Jugendalter' steckt. Viele ärgern sich über das Fehlen von Zugangsbarrieren und glauben, dass dies Scharlatanen Tür und Tor öffnet. Sie erhoffen sich daher mehr Forschung über effektives Coaching und eine daraus folgende strengere Auslese.

Autor(en): (jum)
Quelle: managerSeminare 133, April 2009
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