Management

Eigenverantwortlich und selbstorganisiert

Die neue Lust am Lernen

Kompetenzentwicklung lautet das ehrenvolle Ziel selbstgesteuerten und arbeitsplatznahen Lernens. Es geht nicht mehr darum, Wissen zu büffeln, sondern mit Wissen ökonomisch umzugehen und es zielgerichtet einzusetzen. Aufgabe der Führungskräfte: Lernprozesse transparent machen, um Mitarbeiter zur Selbststeuerung zu befähigen.
Kostenfrei für Abonnent/innen von managerSeminare
Downloaden
Manch einer mag sich ungläubig die Augen reiben ob der Tatsache, daß ein revolutionäres Bildungskonzept auf leisen Sohlen den Marsch, nein, den Siegeszug durch die Institutionen angetreten hat. Als in den bewegten 60er Jahren im Dunstkreis von APO und Hippie-Bewegung neue Pädagogikkonzepte à la Montessori diskutiert wurden und die ersten Waldorfschulen entstanden, beschieden ihnen Kritiker, die Realität werde derartigen Ideen schnell den Garaus machen. Auf schulischer Ebene sollten sie weitgehend recht behalten. Nun allerdings hat die Wirtschaft die Idee des Lernens aus Eigeninitiative und in Selbstverantwortung aufgegriffen und zum 'state of the art' moderner Qualifizierungskonzepte erhoben. Selbstgesteuertes bzw. selbstorganisiertes Lernen am Arbeitsplatz, kompetenzentwickelndes oder problembezogenes Lernen rangieren in der Gunst der Unternehmen inzwischen weit vor Seminaren und Frontalunterricht 'klassischen' Zuschnitts. Selbstlernzentren sprießen in großen Unternehmen wie Pilze aus dem Boden und künden von der neuen Autonomie des lernenden Mitarbeiters.

Inzwischen haben die OECD-Staaten das Selbstgesteuerte lebenslange Lernen zum gemeinsamen Leitziel der Bildungspolitik erkoren - mit mehr oder minder großen Konsequenzen: 1996 blieb uns als Jahr des Lebensbegleitenden Lernens in Erinnerung. Auch auf politischer Ebene hat man inzwischen erkannt: Die Flexibilität im Denken und Handeln des einzelnen spielt eine Schlüsselrolle, um im grenzenlosen Wettbewerb bestehen zu können. Denn immer deutlicher zeichnen sich die schwindenden Einflußmöglichkeiten des Staates mit seinen zentralen Steuerungs- und Sicherungssystemen ab. Die Selbstqualifikation gilt somit nicht nur als eine höchst effektive Form betrieblicher Weiterbildung, sie soll auch als tragende Säule einer auf mehr Eigeninitiative beruhenden 'civil society' fungieren, die die öffentliche Hand von kaum mehr finanzierbaren sozialen Aufgaben entlastet.Die geradezu visionsschwangeren Erwartungen sind mit der gegenwärtigen Situation hingegen kaum in Einklang zu bringen…
Autor(en): Jürgen Graf
Quelle: managerSeminare 31, April 1998, Seite 84-91
Wir setzen Analyse-Cookies ein, um Ihre Zufriedenheit bei der Nutzung unserer Webseite zu verbessern. Diese Cookies werden nicht automatisiert gesetzt. Wenn Sie mit dem Einsatz dieser Cookies einverstanden sind, klicken Sie bitte auf Akzeptieren. Weitere Informationen finden Sie hier.
Akzeptieren Nicht akzeptieren
nach oben Nach oben