Management

Das Dialogverfahren

Fruchtbare Gespräche führen

Überlegen statt überzeugen, respektieren statt attackieren, zuhören statt unterbrechen: Das unterscheidet den Dialog von der Diskussion. Unternehmen, die ihre Besprechungen im Dialogverfahren durchführen, erschließen sich neue Perspektiven und Wege für Problemlösungen. Was der Dialog im Einzelnen bewirkt, welchen Regeln er folgt und wie er zu erlernen ist, schildert Dialog-Ausbilderin Dr. Martina Hartkemeyer.
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Im Rahmen des Dialoges betrachten die Gesprächspartner einen Sachverhalt aus unterschiedlichen Blickwinkeln, finden heraus, welche Gedanken hinter den Argumenten und Schlussfolgerungen des Anderen liegen, achten fremde Meinungen und erkunden gemeinsam neue Möglichkeiten für Problemlösungen.

Wollen Unternehmensangehörige zukünftig konstruktiv miteinander reden, sollten sie vorab ein mehrtägiges Einführungsseminar bei Trainern, die Dialogprozesse in Unternehmen begleiten – sogenannten Dialogprozess-Begleitern (Facilitator) – besuchen. Sie helfen der Gruppe, zu einem vertrauensvollen Zusammenhalt zu finden, d.h. einen Vertrauensraum bzw. 'Container' zu schaffen, in dem sich der Dialog entwickeln kann. Zudem vermitteln sie sowohl in Dialogsequenzen als auch anhand von praktischen Übungen hilfreiche Dialogfähigkeiten.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den vier Eckpfeilern: 'von Herzen sprechen', d.h. authentisch und ohne die üblichen Eitelkeiten kommunizieren, 'generativ zuhören', dem Gegenüber 'radikalen Respekt entgegenbringen' und 'Meinungen suspendieren', sich also nicht von seinen eigenen Ansichten gefangen nehmen und blockieren lassen.

Ein Modell, das hilft, sich seine Denkprozesse samt aller subjektiven Gedankenschritte zu vergegenwärtigen, ist die 'Leiter der Schlussfolgerungen': Das Modell zeigt, wie der Mensch über fünf Sprossen – weitgehend unbewusst und daher konfliktträchtig - zu seinen Handlungen und Interaktionen gelangt. Daher gilt es, in sich hineinzuhören, die eigenen Werturteile, Hypothesen und Annahmen aufzuspüren und sie den Anderen mitzuteilen und umgekehrt die Haltungen und Antriebsfedern der Anderen zu erkunden.
Leicht zu verstehen, doch schwer umzusetzen: Deshalb unterstützen die Dialogbegleiter die b Gruppe in allen vier Abschnitten des Dialogprozesses: der durch gegenseitige Höflichkeiten gekennzeichneten Anfangsphase, der nachfolgenden, kritischen Phase der Instabilität und Fragmentierung, der Phase der Erkundung und Reflexion und der Phase der Kreativität.

Die Faciliators helfen der Gruppe, ihren Vertrauensraum zu stärken und greifen durch gezielte Fragen und Vorschläge ein, wenn sie Abweichungen von den Leitlinien des Dialogs bemerken. Ebenso unterstützen sie die Gruppe, auch scheinbar 'nicht diskutierbare Themen' anzugehen.

Das Dialogverfahren ist die geeignete Methode für Unternehmen, die sich nicht nur dem Namen nach als lernende Organisationen verstehen und neue Wege der Problemlösung beschreiten wollen.

Extras:
  • Info-Kasten: So gelingt es Ihnen, heftige Reaktionen auf die Äußerungen anderer zurückzuhalten.
  • Buchhinweise.
  • Info-Kasten: Die zehn wichtigsten Dialogfähigkeiten.
  • Info-Kasten: Dialog trainieren – aber wo? Ausbildungsmöglichkeiten und Recherche-Adressen.
  • Info-Kasten: Dialogfähigkeit trainieren. Zwei Übungen aus dem Repertoire der US-amerikanischen Trainerinnen Linda Ellinor und Glenna Gerard.
Autor(en): Dr. Martina Hartkemeyer, Svenja Gloger
Quelle: managerSeminare 48, Mai 2001, Seite 96-105
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