Management

Corporate Universities

Schulen des Geschäfts

Attraktive Angebote auf Hochschulniveau, Partnerschaften mit internationalen Unis und eine Verknüpfung der Lernprogramme mit den Unternehmensstrategien: Mit Corporate Universities soll dem Lernen im Betrieb neuer Glanz verliehen werden. Was steckt dahinter? Ein Marketing-Schachzug oder tatsächlich ein neues Lernparadigma?
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Wer immer noch glaubt, eine Weiterbildungsabteilung koste nur Geld, muss jetzt umdenken. Siemens beispielsweise hat mit dem Thema Bildung eine neue Goldader entdeckt: Der Elektrokonzern betreibt eine Firmen-Universität. Lernende, die hier eingeschrieben sind, betätigen sich als hauseigene Unternehmensberater. Sie nehmen Siemens als Uni-Fallstudie - und suchen ständig nach Wegen, wie die Traditionsfirma noch besser werden kann. Das rechnet sich: 21 Millionen Mark Einsparpotenzial konnten die Firmen-Studiosi erwirtschaften. Sie fanden zum Beispiel heraus, wie sich die Kosten für Mobiltelefonate in den britischen Niederlassungen um 60 Prozent drücken lassen.

Die Einrichtungen der Großkonzerne zeigen, dass die Corporate University durchaus Mehrwert schaffen kann. Die neuen Gebilde unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von vielen Weiterbildungsabteilungen alten Stils:

Corporate Universities verbünden sich mit den Business Schools von Voll-Universitäten, vornehmlich des englischsprachigen Raums. Die Allianzen bieten Zugriff auf innovative Curricula und in der internationalen Management-Weiterbildung bewährte Professoren, was die Corporate Universities auch für das Top-Management interessant macht.

An der Corporate University ist Lernen keine Einmal-Veranstaltung. Wie beispielsweise an der Daimler-Chrysler-Universität ist lebenslanges Lernen überall das Credo. Damit tragen die neuen Weiterbildungseinrichtungen der Idee Rechnung, dass einmal erworbenes Wissen immer schneller veraltet, also ständig gepflegt und aktualisiert werden muss. Einige Corporate Universities machen herkömmlichen Unis sogar Konkurrenz: Sie bieten echte, marktgängige Anschlüsse an. Dabei passt sich die Universität den Lernenden an: Lernstoff wird so portioniert, dass Manager ihre Berufstätigkeit weiter ausüben können.

Die Vorteile der neuen Organisationsform sind gleichzeitig auch ihre Nachteile: Wenn sich beispielsweise die Kursteilnehmer an der Lufthansa Business School in Seeheim zu Seminaren, Diskussionen, Kaminabenden und Vernissagen treffen, sind sie fast immer unter sich. Sie können den gemeinsamen Geist pflegen, über die Geschicke des Geschäfts von Lufthanseat zu Lufthanseat reden, schmoren dabei jedoch immer im eigenen Saft.

Extras:
  • Übersicht: Das Weiterbildungsverständnis klassischer Bildungsabteilungen im Vergleich zu dem der Corporate Universities.
  • Info-Kasten: Die Tradition der Firmen-Hochschulen in Deutschland und die neuen Geschäftsmodelle für Corporate Universities.
  • Übersicht: Sieben Firmen-Universitäten unter der Lupe: ihre Konzepte und Positionierungen.
  • Interview: Dr. Hartmut Schiedermair, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, über die Konkurrenz zwischen Hochschulen und Corporate Universities.
Autor(en): Axel Gloger, Constantin Gillies
Quelle: managerSeminare 43, Juli 2000, Seite 94-102
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