Management

Arbeitszeit und Umweltschutz
Arbeitszeit und Umweltschutz

Weniger bringt mehr

Wir konsumieren unsere Umwelt kaputt. Unser Ressourcenverbrauch übersteigt bei Weitem das, was die Natur tragen kann. Wir tun das, weil wir es können. Gleichzeitig stöhnen wir über zu viel Arbeitsstress und zu wenig Zeit für Freunde, Familie, Muße. Der Umweltwissenschaftler Michael Kopatz hat einen Lösungsvorschlag: weniger arbeiten, aber nicht bei vollem Lohnausgleich, sodass weniger Geld für Konsum da ist. Was nach Öko-Heldentat klingt, birgt Kopatz zufolge Vorteile für viele Seiten.

Preview

Aufhebung eines Konflikts: Wie verringerte Arbeitszeiten Umwelt und Arbeitsplätze schützen können

Schuften, um zu shoppen: Warum auch Gutverdiener mit Ökobewusstsein die Umwelt stark belasten

Chance statt Zumutung: Wieso vom Modell „Weniger Arbeiten ohne vollen Lohnausgleich“ nicht nur die Umwelt profitiert

Booster für die Zusammenarbeit: Wie verringerte Arbeitszeiten die Arbeitsqualität verbessern können


Cover managerSeminare 281 vom 23.07.2021Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 281

Ich habe mich verliebt. Es war schlimm, denn meine Ehe zerbrach daran. Am Ende schien kein anderer Weg möglich und ich zog aus. In der neuen Wohnung hatte ich nichts. Von zu Hause habe ich nur einen Schreibtisch und einige Kleinigkeiten mitgenommen, den Rest stellte ich mir aus preisgünstig erworbenen Gebrauchtwaren und Spenden – etwa meines neuen Vermieters – zusammen. So ist es im Wesentlichen geblieben: Meine Partnerin – selbst eine Meisterin gebrauchter Dinge – und ich haben eine komplett eingerichtete, hübsch möblierte Wohnung für extrem wenig Geld. Mit anderen Worten: Wir mussten dafür ziemlich wenig Geld verdienen. Ich bin wissenschaftlicher Projektleiter am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie – mit einer halben Stelle. Mit einem „Alles muss neu“-Anspruch hätte ich wohl nicht dabei bleiben können, sondern hätte meine Wochenstundenzahl erhöhen müssen.

Nun werden Sie vielleicht denken: Tja, schön für ihn. Aber mir geht es dabei noch um etwas anderes als mich selbst, nämlich: Umweltschutz. Tatsächlich wird das Thema Arbeitszeiten in der Debatte um Klima- und Umweltschutz mehr oder weniger ignoriert. Umgekehrt haben einige moderne Firmen reduzierte Arbeitszeiten längst als interessantes Experimentierfeld für sich entdeckt. Sie folgen damit Ansprüchen ihrer Mitarbeitenden nach einer besseren Work-Life-Balance wie auch Forschungserkenntnissen, nach denen lange Arbeitszeiten in vielen Fällen sogar schlecht für die Produktivität sind. Mit ökologischer Nachhaltigkeit hat das erst mal nichts zu tun. Doch diese Experimente sind auch aus ökologischer Sicht interessant.

Denn kürzere Lohnarbeitszeiten sind von entscheidender Bedeutung, um unseren exzessiven Naturverbrauch zu bremsen. Wenn ein nennenswerter Teil der Gesellschaft seine wöchentliche Lohnarbeit verringern würde, beispielsweise von 40 auf rund 30 Stunden, wäre dies aus zwei Gründen vorteilhaft für die Umwelt: Erstens könnten kürzere Arbeitszeiten unsere Abhängigkeit vom Wachstum lindern. Zweitens könnten sie uns – unter bestimmten Bedingungen – helfen, ein Stück weit von unserem übertriebenen Konsumverhalten wegzukommen.

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