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Apps selbst gemacht

Das Internet wird mobil. Immer mehr Handys sind onlinefähige Smartphones, das neue Marktsegment der Tabletrechner wächst explosionsartig. Entwicklungstreiber sind vor allem die Apps, kleine Programme, die ständig neue Funktionen auf die Mobilgeräte bringen. Auch bei Trainern wächst der Wunsch, das mobile Interesse mit einer eigenen App bedienen. Eine Fraunhofer-Entwicklung soll ihnen dabei helfen.

Was derzeit in Sachen mobiles Internet passiert, erinnert von den Wachstumszahlen her an den Online-Rausch der neunziger Jahre. Damals wollte jeder eine Homepage, heute will jeder eine App. Doch zwei Dinge sind anders: Erstens sind die kleinen Handy-Programme mit den bunten Buttons ungleich schwieriger zu programmieren als Webseiten – und damit auch teurer. Zweitens haben sich die Ansprüche des Publikums geändert. Apps müssen einen erkennbaren Mehrwert liefern, um sich auf den iPhones und Android-Smartphones zu halten.

Zumindest beim ersten Punkt versprechen sogenannte Appbuilder Hilfe. Dabei handelt es sich um Softwarelösungen, die auch Anwendern ohne Programmierkenntnisse erlauben, Apps schnell und billig im Baukastensystem zusammenzusetzen. Eine davon ist der e-Composer, den die Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunika-tionstechnik ESK auf der Berliner Funkausstellung IFA Anfang September 2010 vorgestellt hat. Mit dem Tool, so die Entwickler, kann jeder Computernutzer seine eigene App bauen. Und zwar ohne Programmierkenntnisse und für alle Plattfomen. 

Apps bauen leicht gemacht

'Die Inhalte – Text, Aufgaben, Videos – sind häufig ja schon vorhanden. Bisher fehlte aber eine einfache Möglichkeit, sie für Handys nutzbar zu machen', beschreibt Fraunhofer-Sprecherin Susanne Baumer die Überlegung hinter der Entwicklung. Die Vorgehensweise hört sich einfach an: Der Anwender muss nur eine Struktur festlegen und die ausgewählten Inhalte per Maus an die gewünschte Position ziehen – fertig ist die App. Der Haken: Bis Anwender das Tool nutzen können, dauert es noch. Zwar ist das Konzept ausgereift, das Fraunhofer Institut sucht derzeit aber noch einen Partner für die Markteinführung. Wer so lange nicht warten möchte, kann auf eine Reihe anderer Werkzeuge zurückgreifen, die ähnlich funktionieren, wenn auch mit Einschränkungen.

Fünf Schritte zur guten App

Werkzeuge wie der e-Composer erleichtern die technische Herstellung von Apps. Die weitaus wichtigere Frage, die nach dem Mehrwert, den eine App liefern muss, ist damit noch nicht beantwortet. Wie man eine gute App erstellt, erklärt Christoph Igel, Managing Director vom Centre for e-Learning Technology, einem Institut der Universität des Saarlandes und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz: 'Entscheidend für eine gute App ist vor allem die Frage nach dem Ziel. Das klingt banal, wird aber oft vergessen', so Igel. Demnach ist es ein Unterschied, ob die App nur ein Marketingartikel sein soll, mobile Zugriffe auf die eigene Homepage erlauben oder als echtes Lerntool dienen soll.
 
Der erste Schritt zu einer guten App ist also die Frage nach dem Mehrwert, den sie liefern soll, so Igel. 'Wofür brauche ich die App? Und: Was braucht die Zielgruppe?' Alles Weitere muss sich an diesen Fragen ausrichten.

Der zweite Schritt ist die fachliche Planung. Welche Inhalte müssen rein? Wie soll die Navigation funktionieren? Für einen reinen Marketingauftritt genügen im Prinzip schon wenige Inhalte und die Kontaktdaten. 'Eine echte Lern-App muss sich hingegen an didaktischen Prinzipien orientieren', so Igel. Dazu gehören Übungen, Wiederholungen und Testaufgaben, idealerweise auch ein Feedbacksystem und eine Schnittstelle zu sozialen Netzwerken wie Facebook. An dieser Stelle der Entwicklung sind also Trainerkompetenzen gefragt. Ob App-Baukästen für deren Umsetzung ausreichen, bezweifelt Igel allerdings.

Im Wirrwarr der Technik

Erst im dritten Schritt der App-Entwicklung kommt die Technik ins Spiel. Dabei sind verschiedene Entscheidungen zu treffen, etwa was die Plattform angeht, die Art der Programmierung oder die Werkzeuge. Hier liegt ein großer Vorteil des e-Composers. Die Fraunhofer-Entwicklung umgeht die Plattformfrage einfach, indem sie die App-Funktionen vom Browser ausführen lässt – als sogenannte Web App. Damit lassen sich Abfragen, Multiple-Choice-Tests oder auch Lernvideos auf jedem internetfähigen Mobilgerät abspielen, nicht nur auf denen eines Herstellers. Bei komplexeren oder ausgefalleneren Funktionen stoßen App-Baukästen aber schnell an ihre Grenzen.

Der vierte Schritt zur App ist Igel zufolge die grafische Gestaltung. 'Das ist ein nicht zu unterschätzender Punkt', so der Lerntechnologie-Experte. 'Schließlich geht es nicht nur um eine gefällige Optik, sondern auch um eine einfache und intuitive Steuerung.' Beim e-Composer gibt es dafür eine Reihe vorgefertigter Templates, also Grund-Layouts, die sich nach eigenen Wünschen ausgestalten lassen.

Den fünften Schritt bildet das Testen der App. 'Wenn Apps nicht sauber laufen, führt das immer zu einem Imageschaden. Daher ist es wichtig, alle Funktionen ausgiebig und mehrfach zu überprüfen', sagt Igel. 'Bei unseren eigenen App-Entwicklungen durchlaufen wir die fünf Schritte insgesamt dreimal, um ein Optimum zu erreichen.' Bei reichweitenstarken Apps kann die Produktion so schon mal bis zu einem halben Jahr dauern.

Für selbstgebaute Apps ist der Aufwand überschaubarer. Trotzdem ist auch hier eine hohe Qualität unerlässlich, schließlich ist die Konkurrenz groß, und schnell fliegt eine App wieder vom Smartphone, wenn sie dem Nutzer Ärger macht. Dasselbe gilt für unsinnige oder nutzlose Apps. Igel warnt daher ausdrücklich vor Schnellschüssen: 'Lieber keine App als eine schlechte.'

Fazit: App-Baukästen sind eine interessante und vor allem günstige Möglichkeit, sehr kleine Apps zu erstellen. Für Marketingzwecke kann das reichen, für aufwendige Lernfunktionen eher nicht. Wer nur seine Homepage aufbereiten will, ist mit einer mobilen Webseite oft besser bedient.

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Service

Eine Frage der Technik: Von der Idee zur App ist es ein weiter Weg. Und der führt über eine Reihe technischer Fragen.

>> Plattformen
Das Hauptproblem bei mobilen Anwendungen ist die Vielfalt an Plattformen, d.h. Handy-Betriebssystemen, die nicht miteinander kompatibel sind. Zu den wichtigsten gehören Apples iOS für iPhone und iPad, Googles Android, Symbian von Nokia und Windows Mobile.

Die Wahl bestimmt die Reichweite der App. So sind etwa iPhone-Apps besonders trendy, unterliegen aber den rigiden Veröffentlichungsbestimmungen von Apple. Android-Apps werden zwar immer beliebter, laufen aber nicht auf den verbreiteten Apfel-Geräten. Im Business-Umfeld wiederum wird häufig Windows Mobile genutzt, für das es eigene Apps gibt.

>> Native App vs. Web App
Web Apps umgehen das Plattformproblem. Im Gegensatz zu nativen Apps, also eigenständigen und für bestimmte Betriebssysteme programmierten Anwendungen, funktionieren Web Apps per Browser. Sie basieren auf den Programmiersprachen HTML5 oder Flash und laufen daher auf allen internetfähigen Mobilgeräten.

Die plattformübergreifenden Web Apps haben aber auch Nachteile: Sie funktionieren nur im Online-Betrieb, können nicht alle Hardware-Funktionen nutzen und sehen auf verschiedenen Geräten mitunter unterschiedlich aus. Zudem ist ihnen die Verbreitung über Apples iTunes verwehrt.

>> Werkzeuge
Im Internet finden sich zahlreiche Hilfsmittel, mit denen sich – nach eigenen Angaben – in kurzer Zeit und sogar kostenlos Apps erstellen lassen. Zum Teil handelt es sich dabei um Baukästen, mit denen sich App-Navigation und -Inhalte verbinden lassen. Die Baukästen konkurrieren mit Online-Services, die vorhandenen Webcontent (Websites, RSS-Feeds, Social-Network-Einträge) in App-Form bringen.

Dazu zählen:
> Google App Inventor (Baukasten für Android-Apps)
> Titanium Appcelerator (Appbuilder für alle Plattformen, erfordert Programmier-Grundkenntnisse)
> Appmakr (Online-Service zur App-Erstellung)
> Genuitec MobiOne (Webeditor zum Designen und Testen von iPhone-Apps)
> createfreeiphoneapps (Erstellung von iPhone-Websites und simplen Apps wie Quiz-Spiele)


Autor(en): (Sascha Reimann)


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