Medien

Rezension: Wenn die anderen das Problem sind

Von Susanne Klein, 215 S., geb., Gabal, Offenbach 2006, ISBN 3-89749-586-4, 19,90 Euro.

Über 70 Prozent unserer Energie verwenden wir am Arbeitsplatz täglich dafür, den eigenen Aufgabenbereich zu verteidigen und abzusichern. Das ergab laut Susanne Klein, die Autorin des Buches 'Wenn die anderen das Problem sind', eine Umfrage unter Coachees. Dabei könnte man diese Energie angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen und dem hohen Konkurrenzdruck weitaus sinnvoller nutzen, meint Klein. In ihrer Lektüre geht sie daher den Fragen nach, woher die Probleme rühren, wie sich Konflikte frühzeitig erkennen lassen und wie man mit ihnen umgeht. Die Autorin unterfüttert die Themen mit einem Bündel von Beispielen. Im Visier hat sie dabei nicht nur die 'bösen' Mitarbeiter und Kollegen, sondern auch den Leser selbst, der sich kritisch mit der Frage: 'Was tun, wenn man selbst das Problem ist?' auseinandersetzen kann.

Doch der Reihe nach. Zunächst geht es um die Kollegen und um Konflikte im Team. Da gibt es die Kollegin, die an einem Tag Feuer und Flamme für einen neues Projekt ist und es nach einer Woche wieder völlig vergessen hat. Zu erwähnen wären ferner die Freundin, die plötzlich zur Vorgesetzten wird oder der Kollege, der immer zu spät kommt. Jeweils versehen mit großen Ausrufezeichen erläutert Klein Erkennungszeichen heraufziehender Konflikte, erklärt Ursachen und zeigt Vorgehensweisen auf. Ein Beispiel: Machtkämpfe im Team entstehen immer dann, wenn sich ein Mitarbeiter besonders hervortut und sich Privilegien zugesteht, über die die anderen nicht verfügen. Erkennungszeichen: Entscheidungen werden nicht gemeinsam getroffen. To do: Vor jeder Entscheidung Rücksprache halten, alle Betroffenen zu einem Thema anhören, Zeit investieren, die hinterher wieder eingespart werden kann. Zudem werden verschiedene Strategien - Kooperieren, Vermeiden, Nachgeben - ausführlich dargestellt, und ein Leitfaden hilft bei der Vorbereitung für unangenehme Gespräche.

Doch alle guten Vorsätze helfen nichts, wenn man selber das Problem ist, sagt die Autorin. Nur glückliche Menschen kann so schnell nichts umhauen, denn sie sind eher bereit, das Gute zu erkennen. Darüber hinaus können sie Klein zufolge Probleme besser lösen. Ihr Tipp: ehrlich hinschauen und Klarheit schaffen. Hilfe bieten dabei verschiedene Listen, Fragen und Aufgaben. Beispielsweise kann der Leser hinterfragen, ob ihm eigene Werte (z.B. Unabhängigkeit, Pflicht, Geld) im Weg stehen oder ob ihn die Eitelkeit treibt.

Ein Teil der Lektüre ist der Konfliktmediation gewidmet. Dabei geht es nicht darum, Richter oder Schiedsrichter zu sein. Vielmehr gilt es, mit den Konfliktparteien konstruktiv, eine für alle Seiten zufriedene Lösung zu entwickeln und die List des anderen zu durchschauen.

Das Buch bietet eine umfassende Sicht von allen Positionen. Der Titel 'Wenn die anderen das Problem sind' trifft den Inhalt nicht ganz, aussagekräftiger ist da der Untertitel: Konfliktmanagement, Konfliktcoaching, Konfliktmediation. Sehr gut sind die zahlreichen Beispiele aus dem Arbeitsalltag sowie die kurz und knackig gehaltenen Essentials am Ende der Kapitel. Fazit: Wer mit Konflikten zu kämpfen hat, sollte das Buch lesen.
Autor(en): (Dagmar Seidel)
Quelle: Training aktuell 11/06, November 2006
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