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Die Rache an den Teamplayern

Sozialverhalten in Gruppen

Forscher der Universitäten Nottingham und St. Gallen haben in der März-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science Studienergebnisse zum Thema Gruppenarbeit veröffentlicht, die auch in Bezug auf die Zusammenarbeit internationaler Arbeitsteams zu denken geben. Was die Wissenschaftler nämlich in spielerischen Experimenten mit 1.120 Studenten aus 16 Städten aus aller Welt herausgefunden haben, ist, dass in Gruppen nicht nur antisoziales, sondern oft auch soziales Verhalten abgestraft wird. Die Studenten hatten Geld in Form von Marken erhalten, das sie entweder behalten oder in einen gemeinsamen Pool einzahlen konnten, wobei der gemeinschaftliche Gewinn am Schluss unter den Teammitgliedern aufgeteilt wurde. Die Studenten erfuhren nach jeder Runde, wer wie viel in den Gemeinschaftstopf eingezahlt hatte, und konnten sich gegenseitig bestrafen: Wer eine eigene Marke abgab, konnte dafür sorgen, dass einem Mitspieler drei Marken abgezogen wurden.

Dabei stellte sich – wenig überraschend – heraus, dass die Bestrafung antisozialen Verhaltens weltweit verbreitet ist und auch weltweit die Zusammenarbeit fördert. Es stellte sich aber auch heraus, dass es überall eine antisoziale Form der Bestrafung gibt, bei der Gruppenmitgliedern, die eigentlich vorbildlich agieren und immer genug einzahlen, Marken abgezogen werden. Dieses seltsame Verhalten tritt regional unterschiedlich häufig auf. Während das Phänomen in Städten wie Boston, Melbourne und Bonn z.B. kaum präsent ist, ist es stark ausgeprägt in Muskat, Athen und Riad.

Vieles deutet darauf hin, dass vor allem jene Personen zu Unrecht strafen, die zuvor ihrerseits für ihr antisoziales Verhalten bestraft worden sind. Diese Neigung zur Rache scheint in Gesellschaften, in denen das Vertrauen in den Rechtsstaat eher gering ausgeprägt ist, höher zu sein. Die Wissenschaftler weisen aber auch darauf hin, dass sie mit Testpersonen gearbeitet haben, die sich persönlich nicht kannten. Eine Strafe vonseiten Fremder anzuerkennen, ist vermutlich in modernen individualistischen Gesellschaften stärker ausgeprägt als in kollektivistischen Gesellschaften, meinen die Forscher. Möglicherweise deshalb, weil Altruismus in der modernen Gesellschaft auch auf Fremde ausgerichtet werde, in traditionellen kollektivistischen Gesellschaften dagegen fast ausschließlich mit der unmittelbaren Familien- oder Freundschaftsgruppe verknüpft sei. Daher akzeptieren Mitglieder moderner Gesellschaften Bestrafungen für ihr antisoziales Verhalten Fremden gegenüber womöglich eher als Mitglieder traditioneller Gesellschaften.
(jum)

managerSeminare, Heft 124 vom 20.06.2008 (2591 Zeichen)

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