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Das Drama um Edu.Con

Bildungsskandal

2009 ist sie gegründet worden, im Frühjahr 2010 ist sie an den Start gegangen, im November folgte schon das Aus: Der Edu.Con University of Applied Science, einer privaten Hochschule in Berlin, ist von der Senatsverwaltung fristlos die staatliche Anerkennung entzogen worden. Der Senatsbescheid vom 26. Oktober 2010 wurde der Einrichtung am 19. November öffentlich zugestellt, weil die Verantwortlichen nicht mehr erreichbar waren. Grund für den Widerruf der Anerkennung: Die Bildungseinrichtung konnte bis Oktober keine der Voraussetzungen nachweisen, unter denen das Land Berlin private Hochschulen anerkennt, darunter: eine funktionierende Hochschulleitung, eine Infrastruktur für Studium und Lehre, eine bestätigte Prüfungs- und Studienordnung und dass die Lehre überwiegend von Professoren angeboten wird. Außerdem hat es laut Senatsverwaltung zunehmend Beschwerden vonseiten der Studierenden gegeben. Die Educon-Uni wollte Studiengänge zu Themen wie Set-Design, Lighting-Design und Interaction-Design anbieten. Sie gehörte zur Edu.Con Firmengruppe, einem bundesweit tätigen Bildungsunternehmen, mit Hauptsitz zunächst in Potsdam, dann in Berlin.

Hausdurchsuchungen,Beschlagnahmungen, Betrugsvorwürfe

Die Schließung der Berliner Hochschule ist indes nicht das einzige Problem des Unternehmens. Bereits im Sommer 2010 hatte das Bildungsministerium des Landes Brandenburg drei zur Edu.Con-Gruppe gehörenden Berufsfachschulen die Anerkennung entzogen, weil das Land den Verdacht hatte, dass Schülerzahlen falsch angegeben bzw. nach oben 'korrigiert' worden waren, um sich zusätzliche Subventionsgelder zu erschleichen. Im Vorfeld hatte es Hausdurchsuchungen gegeben, und Unterlagen waren beschlagnahmt worden. 'Deren Überprüfung dauert derzeit noch an', so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Brandenburg, Ralf Roggenbuck. Gegen vier im Rahmen ihrer Tätigkeit für die Edu.Con-Gruppe Beschuldigte läuft laut Roggenbuck derzeit ein Ermittlungsverfahren wegen Subventionsbetrugs, Betrugs und Untreue. Kurz nach dem Entzug der Anerkennung hat Edu.Con gegen das Bildungsministerium Brandenburg geklagt. Jedoch ist die Entscheidung des Ministeriums, den Schulen die Anerkennung zu entziehen, in Beschlüssen des Verwaltungsgerichtes Potsdam und des Oberverwaltungsgerichtes Berlin-Brandenburg jeweils bestätigt worden. Das Ministerium stellt nun nach Aussage seines Sprechers Stephan Breiding finanzielle Rückforderungen für die Förderzeiträume 2009/2010 sowie 2008/2009. Ehemalige Schüler, die kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung standen, konnten in einer seitens des Landes abgewickelten Prüfung noch einen Abschluss erwerben. 'Den übrigen wurden Optionen vermittelt, ihre Ausbildung an anderer Stelle fortzusetzen', erklärt Breiding.

Anfang November 2010 ging es für Edu.Con dann auch noch an einem weiteren, nicht öffentlich geförderten Standort, nämlich in Bochum, bergab: In Anbetracht der Vorwürfe in Brandenburg (die auch darauf abzielten, dass Bochumer Schüler dort abgerechnet worden waren) und 'weiterer begleitender Unzulänglichkeiten' befand die Bezirksregierung Arnsberg, dass es dem Schulträger 'an der vorgeschriebenen Zuverlässigkeit' fehlt. Sie untersagte deshalb der Edu.Con Campus GmbH den Betrieb ihrer drei Ergänzungsschulen für Beauty und Wellness, Hotel- und Gastgewerbe sowie Informatik.

Sowohl ehemalige Schüler als auch Dozenten haben nach Kenntnis des brandenburgischen Bildungsministeriums auch privatrechtlich gegen Edu.Con geklagt, Medienberichten zufolge wegen nicht erfolgter bezahlter Leistungen und nicht gezahlter Honorare. Doch wie viel Erfolg die Klagen gegen den Bildungsdienstleister haben werden, ist fraglich. Denn der Fall Edu.Con ist äußerst verwickelt. Das Unternehmen ist praktisch nicht mehr aufzufinden. Die Kommunikation läuft offenbar nur noch über Anwälte. Es kursieren Gerüchte, dass das Unternehmen durch einen englischen Investor gekauft worden ist. Die Internetseiten der Edu.Con sind gelöscht. Und es ist noch nicht einmal klar, ob es irgendwo noch aktiv betriebene Einrichtungen gibt ... (jum)

managerSeminare, Heft 155 vom 21.01.2011 (4123 Zeichen)



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